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Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz

Senatorin Quante-Brandt besuchte ambulante Einrichtungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen

01.07.2016

Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt hat heute (Freitag, 1.7.2016) drei Behandlungs- und Betreuungseinrichtungen für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen in der Neustadt und Walle besucht, um sich über die verschiedenen Konzepte der ambulanten Versorgung zu informieren. Sie kam dabei auch intensiv mit den Nutzerinnen und Nutzern der Angebote ins Gespräch.

Ellen Hartmann, Pflegeleiterin, zeigt Senatorin Eva Quante-Brandt einen der Werkräume für ergotherapeutische Angebote, wie zum Beispiel Holzarbeiten., JPG, 95.4 KB
Ellen Hartmann, Pflegeleiterin, zeigt Senatorin Eva Quante-Brandt einen der Werkräume für ergotherapeutische Angebote, wie zum Beispiel Holzarbeiten.

Derzeit geht Bremen den Weg zu einer stärkeren ambulanten und wohnortnahen psychiatrischen Versorgung – bei einer Reduzierung der stationären Angebote. Das Ziel ist, dass psychisch erkrankte Menschen in ihrem Umfeld bleiben und möglichst wenige stationär behandelt werden müssen ("Ambulant vor stationär"). Konstante Bezugspersonen sind wichtig dafür, Halt zu finden und in einer Lebenskrise wieder selbstbestimmt handeln zu können. Zuerst ging es zum Behandlungszentrum Buntes Tor im Buntentorsteinweg. Es ist im Zuge der Ambulantisierung der Bremer Psychiatrie entstanden und hält tagesklinische Angebote, eine psychiatrische Institutsambulanz und den regionalen Sozialpsychiatrischen Dienst Süd (Krisendienst) vor.

Neben einer tagesklinischen Behandlung nach einer akuten Krankheitsphase, wie sie bereits an vielen Orten angeboten wird, werden im Zentrum Buntes Tor Patientinnen und Patienten behandelt, die wegen der akuten Krankheitssymptomatik sonst vollstationär behandelt wurden. Die Patientinnen und Patienten schilderten ihren Alltag und hoben hervor, was ihnen an dem wohnortnahen Konzept besonders gut gefällt: "Wir haben Kontakte zu anderen Patienten" erzählt ein junger Mann, der erst seit kurzem hierherkommt. Eine junge Frau sagt: "Ich wohne in der Nähe und bin immer schnell hier. Wenn ich in der Klinik wäre, müsste ich täglich einen langen Weg in Kauf nehmen". Ein suchtkranker Mann betont, dass ihm der langjährige Kontakt zu den anderen Patienten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig ist: "Ich treffe hier auch am Wochenende beim gemeinsamen Frühstück immer nette Menschen, so dass mir zuhause nicht die Decke auf den Kopf fällt". Ellen Hartmann, die Stationspflegedienstleiterin betonte, wie wichtig es sei, dass das Angebot regional im Stadtteil verankert sei.

Die Senatorin mit Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Besuchern der GAPSY (Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste): v.l. Helmut Thiede, Helge Meyer, Arnolde Trei, Herrmann Tolle, Kathrin Scherer, Britta Schottler., JPG, 106.9 KB
Die Senatorin mit Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Besuchern der GAPSY (Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste): v.l. Helmut Thiede, Helge Meyer, Arnolde Trei, Herrmann Tolle, Kathrin Scherer, Britta Schottler.

Die zweite Station des Besuchs war die Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste (GAPSY). Auch die Angebote der GAPSY richten sich auf Vermeidung oder Verkürzung stationärer Behandlung. Hier wird Menschen in akuten Krisen ein umfassendes Angebot zur Vermeidung stationärer Behandlung gemacht. Menschen mit Depressionen, Psychosen, Angststörungen finden hier eine Alternative zum Klinikaufenthalt. Helmut Thiede, Geschäftsführer sagte: "Unser Ziel ist eine wohnortnahe Versorgung kranker Menschen."

"Wir wollen eine quartiersbezogene Versorgung der Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen." Senatorin Quante-Brandt. "Menschen in Krisen können in Bremen auf ein gut funktionierendes Versorgungsangebot zurückgreifen. Wir wollen noch mehr engmaschige Netzwerke aufbauen, in denen Ärzten, Kliniken, ambulanten psychiatrische Dienstleister, Tagesstätten und Vereine gemeinsam eine Infrastruktur ermöglichen, die den betroffenen Menschen hilft, möglichst selbstbestimmt zu leben."
Klientinnen und Klienten, die teilweise auch als Genesungsbegleiter arbeiten, erzählten, worauf es bei ihrer Tätigkeit ankommt: "Was hilft mir in Krisen, wie baue ich Netzwerke auf, wie kann ich Entspannungsübungen lernen" – das sind Fragen, die in Krisensituationen wichtig sind. Im Rückzugshaus, einem lebenshaben und niedrigschwelligen Angebot, können Patientinnen und Patienten zur Ruhe kommen.

Zum Abschluss besuchte Senatorin Quante-Brandt die "Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V." in Walle. Sie wurde im Zuge der Auflösung der Klinik Kloster Blankenburg gegründet und gab den ersten entlassenen Patientinnen und Patienten ein neues Zuhause. Schon seit 30 Jahren gibt die Initiative die Zeitschrift "Irrturm" heraus, in der vor allem Betroffene zu Wort kommen. Die Initiative betreut rund 450 Menschen in den Bereichen Psychiatrie, Sucht und geistige Behinderung.

Senatorin Quante-Brandt betonte, der Ansatz "ambulant vor stationär" werde von ihr weiterverfolgt. Derzeit arbeitet ihr Ressort an der Weiterentwicklung der Psychiatrie. Dafür stehen aktuell im neuen Haushalt 1.185 Millionen Euro bereit. Mit dem Geld werden innovative Projekte mit Modellcharakter gefördert, die der Umsetzung des Bürgerschaftsbeschlusses zur Weiterentwicklung der Psychiatriereform in Bremen 2013 -2021 und des Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention dienen. Die bereitgestellten Mittel sollen die Umsetzung einer personenzentrierten regionalen psychiatrischen Versorgung in Bremen fördern.

Hierzu gehören:

  • die Einrichtung und Förderung Gemeindepsychiatrischer Verbünde und einer regionalen Krisenversorgung mit nächtlichen Betreuungsangeboten.
  • die stärkere Einbeziehung Angehöriger und Betroffener in die Planung, Umsetzung und Evaluation psychiatrischer Versorgungsangebote.
  • die Entwicklung von Angeboten, die aufgrund mangelnder Angebote lange in der Klinik bleiben oder in Heimen außerhalb Bremens untergebracht werden
  • der Einsatz von Menschen mit eigener Psychiatrie-Erfahrung, die eine spezielle Ausbildung zu Genesungsbegleitern durchlaufen haben, wird verstärkt werden.

Fotos: Pressestelle der Senatorin