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Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

Regenerative Energien auf dem Vormarsch – Bremer Senat verabschiedet Landesenergieprogramm

29.11.2005

Im Land Bremen ist seit 1993 eine Minderung der jährlichen CO2-Emissionen um 500.000 bis 600.000 Tonnen erreicht worden. Dies geht aus der Dritten Fortschreibung des Landesenergieprogramms hervor, die der Senat heute (29.11.2005) beschlossen hat.

Wesentlichen Anteil an der erreichten CO2-Minderung hatte der Ausbau der Stromerzeugung auf Basis von erneuerbaren Energien, Abwärme und dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung. Umweltsenator Jens Eckhoff: „Bereits heute haben umweltschonende und innovative Technologien einen beachtlichen Anteil an der Stromerzeugung im Land Bremen. Diesen Anteil werden wir in den nächsten Jahren weiter steigern. Neben einem weiteren Ausbau der Windenergie setze ich dabei auch auf den Bau des Weserkraftwerks.“

Die Stromerzeugung aus Windenergie konnte in den letzten Jahren erheblich ausgebaut werden. Allein im Zeitraum von 2002 bis 2004 sind 15 neue Windkraftanlagen ans Netz gegangen, die pro Jahr rund 52 Millionen Kilowattstunden elektrischen Strom erzeugen. Dies entspricht dem Stromverbrauch von mehr als 20.000 privaten Haushalten. Aufgrund des technischen Fortschritts ist die Leistungsfähigkeit der Windkraftanlagen im Lauf der Zeit erheblich gestiegen. Lag die durchschnittliche Anlagenleistung in den Jahren 1992-1996 noch bei gut 270 Kilowatt, betrug sie in den Jahren 2001-2004 bereits über zwei Megawatt (gleich 2000 Kilowatt). Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung bildete eine Testanlage für die Offshore-Nutzung mit einer elektrischen Leistung von fünf Megawatt, die Ende 2004 in Bremerhaven errichtet wurde.

Erhebliche Zuwächse konnte auch die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) verbuchen. Mit dieser Technik werden besonders hohe Energienutzungsgrade erreicht, weil der Brennstoff – zumeist Erdgas – sowohl zur Stromerzeugung als auch zur Wärmeversorgung eingesetzt wird. Im Jahr 2004 waren im Land Bremen 38 dezentrale KWK-Anlagen in Betrieb, die zusammen über 270 Millionen Kilowattstunden elektrischen Strom erzeugten. Dies entspricht dem Stromverbrauch von mehr als 100.000 privaten Haushalten. Im Vergleich zu 1993 ist die Stromerzeugung in dezentralen KWK-Alagen um rund 108 Millionen Kilowattstunden gestiegen (+ 66 %).

Seit kurzem kann auch die Abwärme aus der Müllverbrennung in verstärktem Maße zur Stromerzeugung genutzt werden. Im August 2004 wurde im Müllheizwerk Bremen im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen eine zweite Turbine mit einer elektrischen Leistung von 12,5 Megawatt in Betrieb genommen. Bisher war eine kleinere Turbine mit 2,8 Megawatt installiert, die weiter in Betrieb bleibt. Bei voller Auslastung der neuen Turbine, die nach den Planungen des Betreibers erstmals in 2006 erreicht wird, werden im Müllheizwerk Bremen jährlich über 100 Millionen Kilowattstunden elektrischer Strom produziert. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Jahre 1996-2003 waren es rund 17 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Durch die neue Turbine wird sich die Stromerzeugung im Müllheizwerk Bremen also etwa versechsfachen.

Den größten Einzelbeitrag zur Minderung der CO2-Emissionen hat die Optimierung der Stromerzeugung aus Gichtgas aus dem Hochofenprozess der Stahlwerke Bremen geleistet, die bereits Mitte der neunziger Jahre realisiert wurde. Im September 1996 nahm die swb-Gruppe (vormals Stadtwerke Bremen AG) in ihrem Kraftwerk Mittelsbüren einen neuartigen Frequenzumrichter in Betrieb, der eine technische Verbindung zwischen dem Bahnstromnetz und dem öffentlichen Versorgungsnetz der Stadt Bremen herstellte. In den Jahren 1999 bis 2002 wurde darüber hinaus der Block 4 des Kraftwerks Mittelsbüren auf den Einsatz von Gichtgas umgerüstet. Mit Hilfe dieser Maßnahmen konnte die Stromerzeugung aus Gichtgas um mehr als 270 Millionen Kilowattstunden gesteigert und eine Minderung der jährlichen CO2-Emissionen um rund 236.000 Tonnen erzielt werden.

Auch die umwelt- und ressourcenschonende Fernwärmeversorgung auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärmenutzung ist seit Anfang der neunziger Jahre erheblich ausgebaut worden. Die jährliche Fernwärmeabgabe aus Heizkraftwerken der swb-Gruppe ist durch den Aufbau eines neuen Fernwärmenetzes im Bremer Westen sowie die Erweiterung und Verdichtung der Fernwärmeversorgung im Bremer Osten von 1993 bis 2004 um rund 175 Millionen Kilowattstunden gestiegen (+29,5 %). Im Fernwärmenetz Universität/Technologiepark, das mit Abwärme aus dem Müllheizwerk Bremen versorgt wird, hat sich die Fernwärmeabgabe aufgrund des Universitätsausbaus, der Erweiterung des Technologieparks sowie der Anbindung neuer und bestehender Wohngebiete von 1993 bis 2004 um rund 68 Millionen Kilowattstunden erhöht (+ 67,1 %). In Bremerhaven konnte Mitte der neunziger Jahre der Stadtteil Leherheide mit etwa 5000 Wohneinheiten an die Fernwärmeversorgung aus dem örtlichen Müllheizkraftwerk angeschlossen werden.

Darüber hinaus hat das Land Bremen die sparsame und effiziente Verwendung von Energie gefördert. Von erheblicher Bedeutung waren die Breitenförderprogramme zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebestand, für die im Zeitraum von 1993 bis 2005 Fördermittel von insgesamt rund 12,9 Millionen Euro bereitgestellt wurden. Schwerpunktmäßig wurden Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes im Wohngebäudebestand gefördert, auf die annähernd 60 % des Mitteleinsatzes entfielen. Weitere Breitenförderprogramme betrafen die Markteinführung der Brennwerttechnik im Heizungsbereich (in den Jahren 1993 bis 1997) und den Ersatz von elektrischen Heizungen und Warmwasserbereitungsanlagen durch umweltfreundlichere Systeme auf Basis von Fernwärme, Erdgas oder Heizöl. Diese Förderprogramme haben sowohl zur Minderung der CO2-Emissionen beigetragen als auch zur Senkung der Energiekostenbelastung der privaten Haushalte, zur Erhaltung und Modernisierung des bremischen Wohngebäudebestandes sowie zur Sicherung beziehungsweise Schaffung von Arbeitsplätzen insbesondere im ausführenden Handwerk.

Die Fortschreibung des Landesenergieprogramms beschreibt darüber hinaus ausführlich die Aktivitäten der Bremer Energie-Konsens GmbH. Diese 1997 gegründete Einrichtung, die von der Freien Hansestadt Bremen sowie der swb AG und deren Anteilseignern getragen wird, versteht sich als Bremer Klimaschutzagentur und orientiert ihre Arbeit an der Zielsetzung, einen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen zu leisten. Schwerpunkte der bisherigen Tätigkeit waren Modellprojekte im Neubau, energetische Mustersanierungen im Altbau, die Steigerung der Energieeffizienz in gewerblichen Unternehmen, die Energieeinsparung in sozialen Einrichtungen sowie energiebezogene Angebote in den Bereichen Information, Beratung und Weiterbildung.

Neben der vorgelegten Leistungsbilanz für die Jahre 1993 bis 2005 bildet der Ausblick auf die Jahre ab 2006 ein weiteres wesentliches Element der Fortschreibung des Landesenergieprogramms. Erhebliche zusätzliche CO2-Minderungen können danach vor allem durch einen weiteren Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht werden. So hat sich der Senat das Ziel gesetzt, mit der zweiten Stufe der Windkraftausbauplanung für die Stadtgemeinde Bremen eine zusätzliche jährliche Windstromerzeugung von 80 Millionen Kilowattstunden zu erreichen. Das Verfahren zur Ausweisung der neuen Windkraftstandorte hat die Baudeputation mit Beschluss vom 18. November 2005 eingeleitet. Ein neuer Standort auf dem Gelände der Stahlwerke Bremen ist im Rahmen eines vorgezogenen Verfahrens bereits umgesetzt worden. Seit Anfang 2005 sind dort vier Windkraftanlagen mit jeweils 2,3 Megawatt in Betrieb, die zusammen jährlich rund 16 Millionen Kilowattstunden elektrischen Strom erzeugen.

Konkret geplant ist darüber hinaus der Bau einer zweiten Testanlage für die Offshore-Windkraftnutzung in Bremerhaven, die in 2006 in Betrieb genommen werden soll. Die Anlage wird – wie die seit 2004 laufende erste Testanlage – über eine Leistung von fünf Megawatt verfügen und pro Jahr über 13 Millionen Kilowattstunden elektrischen Strom erzeugen. Ein weiteres wichtiges Projekt ist der geplante Neubau eines Wasserkraftwerks am Weserwehr Bremen, das aus heutiger Sicht frühestens im Jahr 2008 ans Netz gehen wird. Nach den vorliegenden Planungsunterlagen soll das neue Weserkraftwerk über eine elektrische Leistung von annähernd zehn Megawatt verfügen und pro Jahr etwa 38 Millionen Kilowattstunden elektrischen Strom erzeugen.