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Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Flächen sparen – Innenentwicklung vorantreiben: Senatorin Wischer stellt Programm zur Neunutzung von Gewerbebrachen vor

06.09.2002

Brachgefallene und schlecht genutzte Flächen sollen künftig verstärkt in das Visier der Stadtentwicklungspolitik genommen werden. Dieses Ziel formulierte heute (Fr.6.9.2002) die Senatorin für Bau und Umwelt, Christine Wischer anlässlich der Vorstellung eines „Handlungskonzeptes zur Aktivierung von Gewerbebrachen und untergenutzten Gewerbeflächen in Bremen“. Wischer: „Leerstehende Industriebetriebe und große Baulücken in der Stadt zeugen von Umwälzungen in der städtischen Gewerbeplanung, die uns noch viele Jahre beschäftigen werden. Diese oftmals riesigen Bereiche sind häufig zu unansehnlichen Schandflecken geworden. Es ist daher geradezu zwangsläufig, dass sich die Gewerbeflächenplanung des Senats nicht nur auf Erschließung neuer Gewerbegebiete setzt, sondern verstärkt Sorge dafür trägt, dass die Revitalisierung bestehender Gebiete im Inneren der Stadt vorangetrieben wird. Das reduziert nicht nur den Flächenverbrauch, sondern ist auch ein wichtiges Instrument zur Attraktivierung der Stadt. Außerdem lässt sich durch Nachverdichtung eine effizientere Nutzung der städtischen Infrastruktur und eine Verringerung der Erschließungskosten für neue Gebiete erreichen. Es spricht also alles dafür, dieses Thema künftig ein verstärktes Augenmerk zu widmen.“


Das jetzt vorgelegte Handlungskonzept basiert auf einer systematischen Bestandsaufnahme der brachgefallenen oder untergenutzten Flächen. Dabei wurden 52 für Nachverdichtung geeignete Flächen in einer Größenordnung von 841 ha identifiziert und in verschiedene Kategorien eingeteilt.


Große Potentiale werden dem Typ 1 zugeordnet, der Aufwertungsgebiete an städtischen Achsen und Hauptverkehrsstraßen identifiziert. Dies gilt beispielsweise für die Habenhauser Brückenstraße, die Neuenlander Straße, die Hafenrandstraße, die Stresemannstraße / Bismarckstraße, der Hemelinger Hafendamm, die Thalenhorststraße/Hans-Bredow-Straße und die Friedrich-Humbert-Str. in Vegesack.. Diesen Gebieten ist gemein, dass sich die hervorragende Verkehrserschließung für eine effiziente Ausnutzung der benachbarten Grundstücke genutzt werden kann.


Typ 2 beschreibt exponierte Einzellagen wie das Stadtwerke-Gelände in Woltmershausen, das Brinkmanngelände oder den Rembertikreisel.


Großes Potential lässt auch Typ 3 erkennen, in dem Gebiete des Strukturwandels kategorisiert sind. Als Beispiele sind der Hohentorshafen, das Bremer Kreuz und der Rangierbahnhof Gröpelingen genannt, Gebiete, wo durch Nachverdichtung oder Modernisierung im Bestand größere Flächenreserven mobilisiert werden können.


Da ein großer Teil der Bestandsgebiete heutigen Standortanforderungen nicht mehr entspricht, muss einer Revitalisierung teilweise erhebliche Arbeiten voraus gehen. Denn erfahrungsgemäß müssen vor einer Neunutzung erhebliche Altprobleme beseitigt werden. Am unwägbarsten ist die Beseitigung häufig vorhandener Altlasten, die sich insbesondere in Gebieten des Strukturwandels finden. Auch das Problem unterschiedlicher Eigentümer und damit der mangelnden Verfügbarkeit muss vielfach gelöst werden.


Mit dem Handlungskonzept sollen jetzt die Voraussetzungen zur Entwicklung eines bestandsorientierten Flächenmanagements geschaffen werden. Dazu gehören beispielsweise eine kontinuierliche Betreuung der Betriebe bei allen behördlichen Vorgängen in den Bestandsgebieten, eine Unterstützung bei Verlagerungs- und Erweiterungsabsichten und die Erschließung leerstehender privater Gewerbeflächen. Erforderlich wird in vielen Fällen auch der Einsatz städtebaulicher Instrumente, Altlastensanierungen, eine Verbesserung der Standort- und Arbeitsumfeldqualität und imageprägende Marketingaktivitäten.


Um dies zu erreichen, sieht das Handlungskonzept ein umfangreiches Aktivierungsprogramm vor. Wischer: „Die Erfahrungen zeigen, dass die Vermarktung einer Fläche, die mehr als 3 Jahre brach liegt, ohne einen besonderen Anstoß durch die öffentliche Hand kaum gelingen kann. Deshalb werden wir Geld in die Hand nehmen müssen, um die Flächen wieder vermarktungsfähig zu machen.“ Im Investitionssonderprogramm stehen für das Pilotprogramm Mittel in einer Höhe von 3,7 Mio Euro zur Verfügung. Wischer: „Damit haben wir erstmals Geld zur Verfügung, um Revitalisierung und Mobilisierung von Gewerbeflächen systematisch betreiben zu können. Wenn es gelingt, mit Hilfe des Aktivierungsprogramm jährlich 5 bis 10 ha an Bestandsflächen zu mobilisieren und dem Markt zuzuführen, wäre damit ein wichtiger Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklungspolitik geleistet. Mit einem sparsamen Umgang mit der Ressource Boden verbindet sich umweltpolitisches Erfordernis mit stadtentwicklungspolitischem Verstand.“


Als Beispiele zu konkreten Projekten nannte Wischer die Habenhauser Brückenstraße (die Verkehrsfläche soll zu Gunsten neuer Gewerbeflächen reduziert werden) und den Neustadtsgüterbahnhof. Aber auch die Achse Friedrich-Humbert-Str., die Verbindung zwischen dem IUB und dem Zentrum Vegesack, soll in Kürze attraktiv ausgebaut werden.