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Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Aktiv regenerativ: Bremische Beiträge zum Klimaschutz

19.08.2002

Auf einer Pressekonferenz hat die Senatorin für Bau und Umwelt, Christine Wischer, heute (19.8.2002) die Bremischen Aktivitäten in Sachen Klimaschutz vorgestellt und dabei insbesondere die Chancen der KraftWärmeKopplung für eine klimaschonende Energiepolitik hervorgehoben. Wischer: „Die aktuellen Hochwasserereignisse in Deutschland und vielen weiteren Ländern Europas führen uns drastisch vor Augen, das nicht nur die Menschen in den Entwicklungsländern sondern auch der reiche Nordteil der Erde von den Folgen des Klimawandels direkt betroffen sein wird. Auch wenn noch über die Höhe des menschengemachten Anteils gestritten wird: Dass der Mensch einen Einfluss auf die Erderwärmung hat, stellt mittlerweile kaum ein Wetterforscher in Abrede.“


Nach Auffassung der Senatorin für Bau und Umwelt müssen sich vorrangig die Industrieländer zu ihrer Verantwortung als Vorreiter im Klimaschutz bekennen. stellen. Deutschland hat sich international verpflichtet, seine Emissionen an Treibhausgasen bis 2010 um 21% zu reduzieren. Deutschland hat als eines der ersten Länder das Kyoto-Protokoll ratifiziert und hat damit seinen Beitrag geleistet, das auf dem nächsten Weltgipfel in Johannesburg das internationale Klimaschutzabkommen in Kraft gesetzt werden kann.


Wischer: „Nur eine Politik der Vorsorge kann die bereits unvermeidlich angelegte Erwärmung der Erdatmosphäre in tolerablen Grenzen halten. Das ist auch ökonomisch der richtige Weg. Auf Dauer wird es billiger kommen, durch eine vorausschauende und effektive Klimaschutzpolitik die Entstehung von wetterbedingten Schäden zu vermeiden.“


Das Land Bremen trägt seinen eigenen Teil zur der Reduzierung der CO-2 Emissionen bei. Die wesentlichen Bausteine für eine nachhaltige Energiestrategie des 21. Jahrhunderts sind bekannt: Fossile Energieträger müssen effizienter genutzt werden und regenerative Energien verstärkt zum Einsatz kommen.


Wischer stellte insbesondere die Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung heraus.


· Kraft-Wärme-Kopplung ist eine besonders energieeffiziente Technik. Ca. 90% der im Erdgas enthaltenen Energie können in Form von Strom und Wärme für Heizung und Warmwasser für den Menschen nutzbar gemacht werden. Bei der herkömmlichen Stromerzeugung im Großkraftwerk werden ca. 60% der Energie nicht genutzt und werden in Form von Abwärme an die Umgebung abgegeben.


· Gerade in einem Stadtstaat wie Bremen bestehen für die KWK erhebliche Potentiale und der vermehrte Einsatz von dezentralen KWK-Anlagen könnte einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Allein ¼ der vom Senat angestrebten 700 000 Jahrestonnen CO2- Minderung könnte durch Zubau von KWK-Anlagen realisiert werden.


· KWK Anlagen von der Stange gibt es mittlerweile von der Kleinanlage als Heizungsersatz fürs Einfamilienhaus bis zum Kraftwerk für ganze Wohngebiete oder Industrieanlagen.


· Ein aktuelles Beispiel für vorbildliches Verhalten in Sachen Klimaschutz liefert die Bremer Heimstiftung. Die Heimstiftung stattet ihre Gebäude im Zuge einer Sanierung regelmäßig mit KWK Anlagen aus. Zur Zeit wird gerade die dritte Anlage seit 1998 diesmal im Haus Kattenesch installiert. Vorteil für die Umwelt: Der Einsatz eines BHKW bewirkt, dass die Versorgung des Gebäudes mit Strom und Wärme in Zukunft mit 54% geringeren CO2-Emissionen geleistet werden kann. Auch wirtschaftlich ist das Projekt ein Erfolg: Das BHKW amortisiert sich unter Einrechnung der Förderung innerhalb von 5,5 Jahren.


Invest
Förderung
 CO-2-Minderung
 
T€
T€
t/Jahr
Rablinghausen
 204,5
50,6
266
Rönnebeck
298,0
55,7
382
Kattenesch
259,4
60,3
426
 
761,9
166,6
1.074


Die Gesamte CO2 Minderung der Bremer Heimstiftung durch KWK überschreitet damit 1000 t im Jahr.


· Ein Vielzahl von Nachahmern ist ausdrücklich erwünscht. Die Rahmenbedingungen für den Einsatz haben sich gegenüber den letzten Jahren verbessert:

· Steigende Strombezugskosten bei leicht sinkenden Gaspreisen machen die Eigenerzeugung wirtschaftlich interessant.

· Seit wenigen Monaten gilt ein neues Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz des Bundes. Danach bekommen Betreiber für in KWK Anlagen erzeugten und ins öffentliche Netz eingespeisten Strom einen zusätzlichen Bonus.

· Er beträgt für KWK-Anlagen bis 2 MW elektrischer Leistung zunächst 2,65 c je kWh und sinkt alle 2 Jahre bis 2010 auf 1,94 c.

· KWK-Anlagen bis 50 kW el. Leistung erhalten den festen Betrag von 5,11 c je kWh für einen Zeitraum von 10 Jahren nach Inbetriebnahme.

· Darüber hinaus besteht für Gebäudebesitzer und Wohnungsbauunternehmen die Möglichkeit, Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung bei Modernisierungsmaßnahmen an Altbauten aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm mit einem Darlehn der KFW zu einem günstigen Zinssatz von zur Zeit 2,6% zu finanzieren.

· Mit einer KWK Anlage werden außerdem Steuern gespart: Für den selbsterzeugten Strom wird keine Stromsteuer (1,79c je kWh) fällig. Und die Mineralölsteuer für den Brennstoff Erdgas wird vollständig zurückerstattet. (0,35 c je kWh)

· Und nicht zuletzt: Das Land Bremen fördert den Neubau von KWK-Anlagen mit bis zu 30% der Investitionen. Das CO-2 Minderungspotential in diesem Bereich kann nur dann schnell und breit erschlossen werden, wenn der Einsatz dieser Technik sich für den Investor rentiert. Die Fördermaßnahmen des Bundes reichen dafür leider häufig nicht aus. Zusammen mit der Landesförderung dürfte es für Investoren jedoch in vielen Fällen mit wirtschaftlichen Vorteilen verbunden sein, diese umweltschonende Technik einzusetzen.


Der Ausbau der KWK ist gerade für einen Stadtstaat wie Bremen ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Energiepolitik im Interesse des Klimaschutzes.


In den letzten Jahren haben weitere vielfältige Aktivitäten im Bereich der Energiepolitik einen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen geleistet.


Insbesondere die Nutzung der Erneuerbaren Energien ist ein gutes Stück vorangekommen und wird auf eine breitere Basis gestellt.


Windkraft: Zur Zeit befinden sich sowohl im Bremen Industriepark als auch in Mahndorf Windparks im Bau. Insgesamt werden 11 Windkraftanlagen zu je 2 MW Leistung errichtet. Sie werden jedes Jahr rund 32 Mio. kWh Strom schadstofffrei erzeugen. Die Menge reicht aus, um rund 12 000 Haushalt in Bremen mit Windstrom zu versorgen. Mit der Realisierung dieser beiden Windparks ist Bremen beim Windkraftausbau eine erhebliches Stück vorangekommen. Die in Bremen installierte Windkraftleistung steigt von 11,5 auf 34,7 MW.


Wasserkraft: Mittlerweile sind hier die Weichen für eine privatwirtschaftliche Errichtung des Weserkraftwerkes ohne eine Förderung des Landes Bremen gestellt und die Chancen auf eine Realisierung deutlich gestiegen. Die Planungen zielen auf eine installierte Turbinenleistung von 5 MW. Nach der Realisierung können ca. 33 Mio. kWh Strom pro Jahr schadstofffrei erzeugt werden.


Geothermie: Unter Federführung der swb Bremerhaven haben sich verschiedene Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammengetan, um den Neubau des Alfred Wegener Instituts ab 2003 mit geothermisch erzeugter Wärmenergie zu versorgen. Technologisch wird dabei Neuland betreten: So wird die Wärme aus dem Erdinnern mit einem Ammoniakkreislauf an die Oberfläche geholt. (Üblich ist ein Wasserkreislauf) Und sie soll zweifach genutzt werden: Das dampfförmige Ammoniak treibt zunächst Stromturbinen an und die verbleibende Niedertemperaturwärme wird zur Beheizung verwendet. Mit der AWI-Anlage können 2370 MWh Wärme und 630 MWh Strom im Jahr schadstofffrei aus Erdwärme gewonnen werden. Mach in der Summe eine CO2 Reduzierung von 800 t im Jahr.


Biomassenutzung: Zur Zeit wird an der Realisierung eines Holzheizwerkes im Bereich der Überseestadt gearbeitet. Private Betreiber wollen dort eine Heizzentrale zur Versorgung der umliegenden Gewerbetreibenden, darunter auch den Speicher XI mit umweltfreundlicher Wärme aus einem Holzheizkessel versorgen. Durch den Einsatz von Holz als Brennstoff könnten die CO2 Emissionen jedes Jahr um 1600 t reduziert werden.


Solarenergie: Die Nutzung der Sonne findet in Bremen immer weitere Verbreitung. Dazu haben ausdrücklich auch die verschiedenen gut ausgestatteten Förderprogramme des Bundes beigetragen. In den 10 Jahren von 1991 bis 2000 wurden in Bremen 133 Fotovoltaikanlagen und 412 thermische Solaranlagen errichtet. Die Dynamik der Entwicklung ist ungebrochen: Bis Mitte 2002 sind im Land Bremen bereits knapp 800 Solarthermieanlagen mit einer Kollektorfläche von rund 7.700 m2 und 190 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 720 kWpeak installiert worden.


Um insbesondere bei der thermischen Nutzung der Solarenergie in Zukunft noch schneller voranzukommen, ist ein neues Förderprogramm geplant. Wenn insbesondere Neubauten, aber auch grundsanierte Gebäude im Zuge der Baumaßnahmen mit einer Solaranlage und einem Gasanschluss für Heizung, Kochen und den Betrieb weiterer Gasgeräte wie Wäschetrockner ausgerüstet werden, soll sich das Land an den Mehrkosten beteiligen.


Neben dem Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien leistet auch die Rationelle Energienutzung in Gewerbe und Haushalten einen wesentlichen Beitrag:

Die Breitenförderprogramme, mit denen die Rationelle Energienutzung in Wohngebäuden unterstützt wird, laufen sehr erfolgreich. Bei Energiesparmaßnahmen in den Bereichen Wärmeschutz im Wohngebäudebestand, Ersatz von Elektroheizungen und Ersatz von elektr. Warmwasserbereitung wurde mittlerweile mehrer tausend Projekte unterstützt. Die in den Jahren 1993 bis Ende 2001 realisierten Projekte tragen Jahr für Jahr mit über 11 000 Tonnen zur Reduzierung der CO2 Emissionen in Bremen bei.


Einen besondere Erfolg in Sachen CO2 ist durch die Nutzung der Abwärme der Müllverbrennungsanlage möglich geworden. Mittlerweile sind neben der Universität auch viele Unternehmen im Technologiepark und das Wohngebiet Weideamm III an das Wärmenetz angeschlossen. Gegenüber einer konventionellen Wärmeversorgung ergibt sich daraus eine CO2 Entlastung von 40 000 t im Jahr. Durch den weiteren Ausbau von Universität und Technologiepark wird sich der Vorteil für die Umwelt in naher Zukunft noch vergrößern.


Die zahlreichen energiepolitischen Aktivitäten sind in einer neuen Broschüre dokumentiert, die beim Senator für Bau und Umwelt zu beziehen ist.

Tel.: 0421 / 3614829 oder: www.bauumwelt.bremen.de