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Senatskanzlei

10 Jahre Weltkulturerbe Rathaus: Am 7. Juli wird gefeiert

25.06.2014
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Bürgermeister Jens Böhrnsen erläutert das Programm zum Jubiliäumstag und was das Prädikat "Welterbe" für Rathaus und Roland bedeutet.

Die Freude und der Jubel in Bremen waren groß, als Anfang Juli 2004 das Welterbe-Komitee der UNESCO entschied: Das Bremer Rathaus und der Roland gehören fortan zum Welterbe der Menschheit. Zehn Jahre sind nunmehr vergangen, seit die herausragende geschichtliche, politische und künstlerische Bedeutung von Rathaus und Roland mit dieser Auszeichnung gewürdigt wurden. Am Montag, dem 7. Juli lädt Bürgermeister Jens Böhrnsen alle Bremerinnen und Bremer ein, das 10. "Welterbe-Jubiläum" im Rahmen einer besonderen Veranstaltung gemeinsam zu feiern. "Wir in Bremen sind stolz auf dieses wunderschöne Rathaus, das alle Besucherinnen und Besucher ausnahmslos begeistert. Für uns ist es kein Museum, sondern ein Haus mitten im Leben", so der Bürgermeister. Das Bremer Rathaus ist das einzige europäische Rathaus des Spätmittelalters, das nie zerstört wurde. Im Laufe der Jahrhunderte ist es nur sehr maßvoll verändert worden. Stets diente es als Ort der Repräsentation und Zusammenkunft, als Verwaltungszentrum und Regierungssitz.

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Weltkulturerbe Rathaus und Roland

Wer das Jubiläum mitfeiern möchte, ist am 7. Juli herzlich zu einer Kaffeetafel auf dem Bremer Marktplatz eingeladen. Ab 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen (gespendet von der Konditoren-Innung) umsonst und draußen für alle. Bürgermeister Jens Böhrnsen wird die Gäste begrüßen, ein stummer Fanfarenzug des Festivals "La Strada" sorgt für eine besondere Einstimmung. Besonderer Höhepunkt dieses Tages ist allerdings die Präsentation der "Kundigen Rolle". Dieses überaus wertvolle originale Schriftstück aus dem Jahr 1489 ist erst kürzlich nach Bremen zurückgekommen. Die sieben Meter (!) lange Pergamentrolle enthält Zusätze zum damaligen Bremer Recht, das 1303 erstmals in einem Stadtrechtsbuch zusammengefasst wurde. Ergänzungen hielt man seinerzeit auf jener Pergamentrolle fest, die bisher als verschollen galt. Im Mai 2014 kam sie dann durch glückliche Umstände wieder in den Besitz Bremens. Sie wird am Montag, dem 7. Juli ab 11 Uhr in der Oberen Rathaushalle ausgestellt, ergänzt durch Übersetzungen. Das Rathaus ist offen, jeder kann kommen und dieses wertvolle Schriftstück in Augenschein nehmen (bis 19 Uhr).

Auch der Bremer Ratskeller als "köstliches Fundament" des Welterbes ist am Jubiläumstag mit seinen Produkten dabei. Und wer mag, kann um 14 und 16 Uhr an einer einstündigen Führung durch den Ratskeller teilnehmen (10 Euro) – Wein und Trüffel inbegriffen. Oder auf dem Marktplatz sich ein kleines Wein-Seminar mit Produkten aus der Deutschen Wein-Welt gönnen (5 Euro).

Das Jubiläum "10 Jahre Weltkulturerbe" ist im Übrigen eingebunden in einen ungewöhnlichen Jubiläumsreigen: So feiert "La Strada" vom 4. bis 6. Juli sein 20. Internationales Festival der Straßenkünste und die Bremer Shakespeare-Company blickt auf eine 30-jährige Spielzeit zurück. Ein gemeinsamer thematischer Schwerpunkt wird alle drei Jubiläen verbinden – es ist das Thema "Freiheit". So wird es am 4. und 5. Juli (Freitag und Samstag) am Dom eine ganz besondere Inszenierung mit der französischen Gruppe "Cie l`homme debout" geben – es geht um Venus und die Geschichte der Freiheit. Im Mittelpunkt steht ein Mensch, der auf seiner Suche nach Freiheit auch auf den Bremer Roland trifft – jene steinerne Figur, die seit über 600 Jahren auf dem Bremer Marktplatz Freiheit und Unabhängigkeit der Stadt symbolisiert.

Welterbe Rathaus – eine besondere Verpflichtung
Bremen hat als Welterbe-Stadt eine besondere Verpflichtung, das Rathaus zu erhalten und zu pflegen. "Um den Zustand des über 600 Jahre alten Gebäudes zu erhalten, muss regelmäßig etwas getan werden", betont Verwaltungschefin Kornelia Buhr. So sind beispielsweise 2006 das Holzwerk sowie das Senatsgestühl in der Oberen Rathaushalle restauriert worden, ein Jahr später haben die großen Wandbilder sowie die Bilder in der Güldenkammer eine Auffrischung erhalten. Unter großer medialer Aufmerksamkeit wurde 2012 der große Teppich im Senatssaal komplett erneuert – das kunstvolle Werk nach dem Entwurf von Rudolf Alexander Schröder (1913) musste komplett in einem Stück neu geknüpft werden. Ein schwieriges Unterfangen war es, den 800 kg schweren Teppich über die Treppe in den Senatssaal zu wuchten. Zu Hilfe kamen Bremer Ruderer, die mit vereinten Kräften die Herausforderung meisterten.

2011 beispielsweise sind die alten lederbezogenen Rathausstühle durch neue ersetzt worden. Eine ausgefallene Aktion – denn Bremerinnen und Bremer konnten für 444 Euro Pate oder Patin eines der schönen neuen Sitzgelegenheiten mit dem Bremer Wappen werden und sich mit einem Namensschild am Stuhl als Spender verewigen lassen. Im Oktober 2013 waren es die prachtvollen Schiffsmodelle, die gereinigt und restauriert werden mussten – einmal abgesehen davon, dass immer einmal wieder Räume und Flure neu gestrichen, Fußböden oder Leitungen erneuert werden müssen. Groß war die Freude auch darüber, dass 2008 das große Wandgemälde mit dem Wal zurück an seinen angestammten Platz ins Rathaus kam, ebenso wie das Bild mit dem Schwertfisch, dass seit 2012 frisch restauriert wieder die Obere Halle schmückt.
Profitiert hat Bremen auch vom Förderprogrammen für Investitionen in nationale UNESCO-Welterbestätten des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, das für 2009-2013 aufgelegt wurde. Daraus flossen 600.000 Euro nach Bremen, mit denen zahlreiche Maßnahmen finanziert werden konnten.

Welterbe der Menschheit
Rückblick: Der 2. Juli 2004 war ein Datum, auf das sich in Bremen höchste Aufmerksamkeit konzentrierte. An diesem Tag fiel im weit entfernten Suzhou in China eine Entscheidung, die für Bremen von allergrößter Bedeutung war und ist. An diesem Tag hat das Welterbe -Komitee der UNESCO auf seiner 28. Sitzung beschlossen, "das Rathaus und den Roland auf dem Marktplatz zu Bremen" in die Welterbeliste aufzunehmen. Damit war entschieden: Rathaus und Roland gehören zum Welterbe der Menschheit. Klar, dass diese Nachricht in Bremen mit großer Freude als eine wunderbare Auszeichnung und Anerkennung aufgenommen wurde.

"Das Rathaus und der Roland zu Bremen sind ein einzigartiges Zeugnis für bürgerliche Autonomie und Souveränität, wie diese sich im Heiligen Römischen Reich entwickelten", so heißt es u.a. wörtlich in der Begründung des Gutachtens, das der positiven Jury-Entscheidung zugrunde lag. Verschiedene Faktoren hatten dazu geführt, dass Bremen mit dem Antrag bei der UNESCO schließlich Erfolg hatte. Um den Titel "Welterbe der Menschheit" bemühen sich weltweit zahlreiche bedeutende Kultur- und Naturstätten. Hohe Hürden sind zu überwinden, um auf die Liste zu kommen.

1972 hatte die UNESCO eine internationale Konvention für das Kultur- und Naturerbe der Menschheit verabschiedet. Sie ist seither das bedeutendste Instrument weltweit, um Kultur- und Naturstätten von außergewöhnlich universellem Wert zu erhalten. In dieser Konvention sind die Bedingungen festgelegt, die erfüllt werden müssen, um als Welterbe der Menschheit anerkannt zu werden. Denkmäler werden nur dann in die Liste aufgenommen, wenn sie die Kriterien der "Einzigartigkeit" und der "Authentizität" erfüllen. Auch muss ein überzeugender Erhaltungsplan vorgelegt werden. Diese und andere Voraussetzungen erfüllten das Rathaus und der Roland in Bremen und konnten damit einer strengen Prüfung standhalten.

Unverändert und authentisch erhalten: Gründe für die Auszeichnung
Für das Bremer Rathaus war ausschlaggebend, dass es ein außergewöhnlich gut geeignetes Beispiel für den europäischen Bautyp des mittelalterlichen Rathauses ist. Seit seiner Errichtung wurde das Rathaus im Kern unverändert und authentisch erhalten und dabei kontinuierlich instand gesetzt und gepflegt – eine Voraussetzung dafür, als Welterbe anerkannt zu werden. Dem Bremer Rathaus wird bescheinigt, dass es vom ersten gotischen Bau – einem so genannten Saalgeschoßbau - Anfang des 15. Jahrhunderts über die umfangreiche Fassadengestaltung zwei Jahrhunderte später bis hin zum Anbau des neuen Rathauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine bauliche und funktionale Authentizität bewahrt hat. Zahlreiche deutsche Rathäuser wurden während des 2. Weltkrieges zerstört, an vielen wurden Änderungen vorgenommen. Das Bremer Gebäude jedoch ist in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben.

Bis heute bewahrt blieb auch die Funktion der beiden übereinander liegenden Rathaushallen. Die obere Etage für repräsentative Zwecke, die untere für die Nutzung durch das "Volk", heute für alle Bürgerinnen und Bürger. So kam die Bevölkerung in Kontakt mit den Regierenden – was bis heute so geblieben ist.

Das Bremer Rathaus wurde speziell für die Nutzung durch den Rat einer Stadt gebaut, die nach Autonomie strebte. Und auch das hat seine Aktualität nicht verloren: Noch immer ist das Bremer Rathaus der Sitz einer Landesregierung. Es hat damit seine ursprüngliche Funktion über die Jahrhunderte hinweg bewahrt. Die Architektur und das Skulpturenprogramm des Hauses symbolisieren nicht nur die Beziehung der Stadt zu Kaiser und Reich. Sie verdeutlichen auch zugleich die vom Rat praktizierte Politik der souveränen Selbstregierung.

Die besondere Bedeutung des Bremer Rathauses liegt für die UNESCO auch in seinem künstlerischen und stilistischen Wert: Heute präsentiert es sich mit seiner Hauptfassade im Stil der sogenannten Weser-Renaissance und gilt als hervorragendstes Beispiel dieses Stils. Die Maßnahmen in der Renaissance griffen aber nicht in die mittelalterlichen Attribute des Baus – beispielsweise die symbolbehafteten Sandsteinfiguren – ein. Sie verblieben bis heute an ihrem ursprünglichen Platz. So verbindet der Bau politische Ideen des Mittelalters mit europaweiten Entwicklungen am Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Urkunde zum 600. Geburtstag des Alten Rathauses übergeben
Es traf sich gut, dass Bremens Rathaus am 6. Mai des 2005 seinen 600. Geburtstag feierte. So konnte die Übergabe der UNESCO-Urkunde eingebunden werden in einen großen Festakt in der Oberen Rathaushalle, zu dem die damalige Vizepräsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Verena Metze-Mangold, angereist war. Sie übergab das für Bremen so wichtige Schriftstück an den damaligen Bürgermeister Dr. Henning Scherf. Gäste aus Bremens Partnerstädten hatten sich zur musikalischen Umrahmung der Zeremonie eingefunden - das Kammermusikensemble Capella Gedanensis aus Gdansk und der Riga Bay Chorus. Ein Senatsempfang sowie ein Weinfest, zahlreiche Vorträge, Führungen und Ausstellungen würdigten seinerzeit das für Bremen einzigartige Ereignis. So bot sich für Interessierte die Gelegenheit, alle deutschen Welterbestätten im Rahmen einer Großbilderausstellung in der Unteren Rathaushalle kennen zu lernen. Eine weitere höchst interessante Schau zeigte historische Rathäuser unserer Region als zentrale Baudenkmäler, die über Jahrhunderte das Stadtbild großer Kommunen geprägt haben – ergänzt durch Exponate des Bremer Staatsarchivs.

Fotos: Senatspressestelle

BU1: Prof. Dr. Konrad Elmshäuser, Leiter des Staatsarchivs, Hermann Kleen, Sprecher des Senats, Bürgermeister Jens Böhrnsen, Kornelia Buhr, Leiterin der Rathausverwaltung, Landesdenkmalpfleger Prof. Dr. Georg Skalecki und Klaus Sondergeld, Geschäftsführer in der Wirtschaftsförderung Bremen für den Bereich Standortmarketing (v.l.) bei der Pressekonferenz.

BU2: Weltkulturerbe Rathaus und Roland