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Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Das Zentralkrankenhaus Sankt-Jürgen-Strasse wird noch umweltfreundlicher

19.12.2000

Mit Hilfe eines Umweltmanagementsystems soll dieses Ziel erreicht werden

Das Zentralkrankenhaus Sankt-Jürgen-Strasse ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Mit seinen 18 Fachkliniken und diversen Instituten und Diensten bietet es ständig eine hohe Qualität in der Patientenversorgung. Gleichzeitig aber belastet dieses hochtechnisierte und komplexe Dienstleistungsunternehmen die Umwelt erheblich. "Dies wollen wir noch stärker als bisher verändern. Mit dem Aufbau eines Umweltmanagementsystems nach der Öko-Audit-Verordnung der Europäischen Gemeinschaft stellt sich unser Haus der Herausforderung, den betrieblichen Umweltschutz kontinuier-lich weiter zu verbessern", betonte Walter Bremermann als Verwaltungsdirektor des Zentralkrankenhauses Sankt-Jürgen-Strasse am Mittwoch, 20. Dezember, vor JournalistInnen. Von den kommunalen Häusern in Bremen wird das Zentralkrankenhaus das erste sein, das ein Umweltmanagementsystem nach der Öko-Audit-Verordnung aufbaut. Die Verordnung ist bereits 1993 von der EG verabschiedet worden und war zunächst nur für gewerbliche Unternehmen gedacht. Seit der Erweiterung 1998 können sich auch Krankenhäuser mit ihrer nicht geringen Umweltrelevanz aus freien Stücken dazu verpflichten, den Umweltschutz vor Ort schrittweise zu verbessern.


Im Krankenhaus gibt es viele unterschiedliche Abfälle. Es wird Wasser verbraucht und es entsteht Abwasser, das mit den verschiedensten Stoffen belastet ist und zur Kläranlage transportiert werden muss. Zudem gibt es Emissionen in Form von Schadstoffen, Abwärme und Lärm. In den Kliniken wird auch mit Gefahrstoffen und Medikamenten gearbeitet. Es werden umweltrelevante Geräte und Anlagen wie z.B. Röntgengeräte und Klimaanlagen betrieben. Und es wird Material verbraucht, das hergestellt und entsorgt werden muss.


Krankenhausökologin Dr. Sabine Ehlken verdeutlichte, um welche Mengen und Kosten es allein im Zentralkrankenhaus Sankt-Jürgen-Strasse geht. So hat das Haus 1999 ca. 13 Millionen Kilowattstunden Strom und 30 Millionen Kilowattstunden Wärme verbraucht und dafür 3,3 Millionen DM ausgegeben. 820 000 DM mussten aufgebracht werden, um 1800 Tonnen Abfall zu entsorgen. 154 Millionen Liter Abwasser wurden in die Kanalisation gespült und mit ihnen 1,3 Millionen DM. Diese Wassermenge entspricht 425 000 Liter pro Tag. Damit kann jeder einzelne seinen Wasserbedarf über 10 Jahre decken.


Mit Hilfe des Umweltmanagementsystems sollen Ressourcen eingespart sowie Abfall, Abwasser und Energieverbrauch mehr und mehr reduziert und damit Kosten gesenkt werden. Dazu Sabine Ehlken: "Wir wollen über die Einhaltung aller relevanten rechtlichen Vorgaben zum Umweltschutz hinaus gehende Verbesserungen für unsere Umwelt erreichen".


Nach Angaben von Walter Bremermann hat der Umweltschutz im Zentralkrankenhaus Sankt-Jürgen-Strasse nicht erst mit der Entscheidung, ein Umweltmanagementsystem aufzubauen, einen hohen Stellenwert. Bereits seit einigen Jahren werde daran gearbeitet, den Umweltschutz zu verbessern und die Umweltauswirkungen zu reduzieren. Im einzelnen sei schon viel erreicht worden. Beispielhaft nannte Bremermann die Wertstoffsammlung und damit die verbundene Reduzierung des Restabfalls, das Getrenntsammeln von Weißblech, die Einrichtung einer Schrottannahme, -demontage und –sammelstelle, die Abfallreduzierung und dadurch mögliche Abschaffung der Restmüllpresse in der Zentralküche, die Eigendesinfektion des infektiösen Abfalls, die Umstellung auf sonderabfallarme Bestimmungsmethoden im Zentrallabor, das Fotochemikalien-Recycling, das Xylol- und Alkoholrecycling, die Reduzierung des Wasserverbrauchs, die Verringerung des Verpackungsaufwandes verschiedener Produkte, die Einführung quecksilberfreier Fieberthermometer, die Umstellung auf Fernwärme und die Feinregulierung der Heizung, das Verwenden lösemittelarmer Farben und Kleber, der Einsatz FCKW-freier Kühlschränke, die Durchführung von Energiesparprojekten sowie die Errichtung eines Zwischenlagers für Elektronikschrott und der Aufbau eines Recyclinghofes.


Die Etablierung eines Umweltmanagementsystems wird ein gutes Jahr dauern und von externen SpezialistInnen begleitet werden. Für Anfang des Jahres ist durch ein krankenhausinternes Projektteam geplant, eine Umweltpolitik in Form von Umweltleitlinien zu erarbeiten. Parallel dazu sollen in einer ersten Betriebsbegehung die Umweltauswirkungen des Krankenhauses erfasst und ökologische Schwachstellen erkundet werden. Aus den Ergebnissen dieser Ist-Analyse werden erste Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet. Außerdem ist diese Umweltprüfung Entscheidungsgrundlage für die Festlegung konkreter Umweltziele. Für diese erste Umweltprüfung werden MitarbeiterInnen zu internen Auditoren ausgebildet. Die weitere Bearbeitung der Ziele, also das Planen konkreter Maßnahmen und das Umsetzen dieser Maßnahmen erfolgt in verschiedenen Arbeitskreisen. In einem weiteren Schritt wird ein Umweltmanagementsystem aufgebaut, das zentrale Zuständigkeiten, Gremien und Arbeitsabläufe festlegt und dokumentiert.


Wichtiger Bestandteil des Umweltmanagementsystems ist die regelmäßige Durchführung von Umweltbetriebsprüfungen, die eine kontinuierliche Verbesserung des Umweltschutzes garantieren sollen. Die abschließend zu erstellende Umwelterklärung dient den Beschäftigten, den PatientInnen und Angehörigen, den LieferantInnen und der Öffentlichkeit als Information über die wesentlichen Umweltauswirkungen und Aktivitäten des Krankenhauses. Zum guten Schluss wird das ganze System von einem externen Umweltgutachter überprüft. Entspricht es den Vorgaben der Verordnung, wird dem Krankenhaus ein Qualitätssiegel verliehen.


Der Aufbau des Umweltmanagementsystems, das insgesamt 100.000 DM kostet, wird im übrigen vom Senator für Bau und Umwelt mit insgesamt 35.000,-- DM gefördert.