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Senatskanzlei

Pressemitteilung mit Foto Ein Care-Paket für den guten Zweck gepackt

06.07.2006

US-Botschafter Timken bei der Feier "60 Jahre Care-Paket" auf dem Marktplatz

„Es ist schwer vorstellbar für mich, dass vor vierhundert Jahren meine Vorfahren über diesen beeindruckenden Platz gingen“. Für den amerikanischen Botschafter William R. Timken ist der Besuch in Bremen auch eine ganz persönliche Begegnung mit der Geschichte seiner Familie. Das machte der Botschafter u.a. in seiner Rede heute Mittag (6.7.2006) auf dem Bremer Marktplatz während des Festaktes „ 60 Jahre Care Paket“ deutlich, an dem er gemeinsam mit Bürgermeister Jens Böhrnsen und Bürgerschaftspräsident Christian Weber teilnahm. Bei hochsommerlichen Temperaturen hatten sich zahlreiche Bremerinnen und Bremer versammelt, um bei der musikalisch von den „swinging fireballs“ untermalten open-air-Feier mit dem hohen Gast dabei zu sein. Unter ihnen auch der Bremer Adolf Geißler, der kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges die CARE-Pakete in der Hansestadt ausgefahren hatte. „Care ist ein ganz besonderes Symbol unserer jüngsten Vergangenheit. Wir werden nicht vergessen, wem wir das zu verdanken haben“ sagte Bürgermeister Jens Böhrnsen in seiner Ansprache.

(Der Wortlaut der Rede von Bürgermeister Jens Böhrnsen findet sich hier)


US-Botschafter William R. Timken (2.v.links) packt gemeinsam mit Bürgermeister Jens Böhrnsen(rechts) und Bürgerschftspräsident Christian Weber ein modernes Care-Paket. Ganz Links im Bild Herribert Scharrenbroich, Vorsitzender von "Care Deutschland".


„Care“ war einst ein Zauberwort in Deutschland. Es waren Pakete aus den USA, die den not leidenden Deutschen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Lebensmittel und Kleidung brachten. Vielen wurde so im zerstörten Deutschland das Überleben ermöglicht. Vor 60 Jahren, am 15. Juli 1946, erreichte das erste CARE-Paket mit der „American Ranger“ die bremischen Häfen. Bremen als amerikanische Enklave wurde zur Drehscheibe für die Hilfssendungen. Über die bremischen Häfen lief über Jahrzehnte hinweg der Nachschub für die in Deutschland stationierten amerikanischen Streitkräfte.

Die Initiative für diese Hilfe von Mensch zu Mensch ging damals von kirchlichen Vertretern in den USA aus. Unterstützt wurden sie von vielen Amerikanern, die selber oder deren Vorfahren einst über Bremerhaven aus Deutschland ausgewandert waren. Zu ihnen gehörte auch der heutige amerikanische Botschafter, der seinerzeit als Junge sein Taschengeld gespart hatte, damit die Familie CARE-Pakete packen konnte. „Durch die tätige Anteilnahme unzähliger Amerikaner fand Deutschland, das der ganzen Welt den Krieg erklärt hatte, den Weg zurück in die Gemeinschaft zivilisierter Staaten“, sagte Bürgermeister Böhrnsen u.a. während des Festaktes.

Bis zum Frühjahr 1962 wurden mehr als 300.000 Tonnen Hilfsgüter im Wert von über 380 Millionen Dollar aus den USA nach Deutschland transportiert. CARE-Pakete gibt es noch heute. Der Verein Care International Deutschland machte während der Feier auf dem Marktplatz in Bremen auch auf sein 25jähriges Bestehen aufmerksam. Diese Organisation unterstützt not leidende Regionen in der Welt, beispielsweise mit dem Bau von Schulen in Afghanistan, mit Saatgut für Tadschikistan oder dem Bau von Flüchtlingslagern im Sudan.



Ein modernes CARE-Paket wurde heute denn auch auf dem Marktplatz gepackt. Bürgermeister Jens Böhrnsen gab vor aktuellem WM-Hintergrund zwei Fußballer-Trikots mit hinein. Ein Trikot mit den Original-Unterschriften des schwedischen Fußball-Nationalmannschaft, die während der WM in Bremen Quartier gemacht hatten und eines der deutschen Fußball-Nationalelf. „So wie wir damals die Hilfe brauchten, so benötigen heute viele Menschen in der Welt unsere Hilfe“, so Böhrnsen. Botschafter Timken fügte ein offizielles Poster der amerikanischen Nationalelf hinzu. Das Paket wurde vom Vorsitzenden von Care International Deutschland,in Empfang genommen. Es soll im Internet bei ebay versteigert werden, der Erlös fließt in die Projekte der Stiftung "Care Deutschland".

Der amerikanische Botschafter Timken wird am heutigen Nachmittag, nachdem er sich auch im Haus der Bremischen Bürgerschaft in das Gästebuch eingetragen hatte und im Haus der Handelskammer empfangen worden war, in Bremerhaven erwartet. Dort wird er u.a. das Deutsche Auswandererhaus besuchen und den Container Terminal besichtigen.

[Foto: Andreas Weippert, Senatspressestelle]