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Senatskanzlei

Senat schafft Voraussetzung für Sanierung von Osterholz-Tenever

22.08.2000

Aus der heutigen Senatssitzung (22.8.2000):

Auf der Grundlage eines unter der Federführung der Bremer Investitionsgesellschaft BIG erstellten Berichts hat der Senat heute – vorbehaltlich der Zustimmung der parlamentarischen Gremien - wichtige Voraussetzungen für die Umgestaltung und Sanierung von Osterholz-Tenever geschaffen. Danach wird die Bremer Investitionsgesellschaft BIG ermächtigt, sich an einer Projektgesellschaft zu beteiligen, die mit dem Ankauf der Krause-Wohnungen und der Umsetzung eines städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Konzeptes betraut werden soll. Der Senat geht dabei davon aus, dass sich neben der GEWOBA und der BIG ein weiterer Gesellschafter maßgeblich an der Projektgesellschaft beteiligen wird, so dass der Anteil der BIG auf bis zu 33,3 Prozent begrenzt wird. Der Senat erwartet, dass die für die Umsetzung des Sanierungskonzeptes nötigen Mittel durch Erlöse aus Vermögensveräußerungen rechtzeitig erzielt werden.

„Wir wollen einem lebendigen, aber unter den Bausünden der Vergangenheit nachhaltig leidenden Stadtteil endlich die dringend benötigte Zukunftsperspektive geben. Wir wollen Lust machen, in Tenever zu wohnen, und Mut machen, nach Tenever zu ziehen. Wir wollen die Nachbarschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft erhalten und stützen, indem wir auch der Architektur wieder ein menschliches Maß geben“, erklärte der Präsident des Senats, Bürgermeister Henning Scherf.

„Der Senat betrachtet sein Engagement für die sogenannten Krause-Wohnungen als entscheidenden Schritt zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse in diesem Stadtteil. Mit dem geplanten Maßnahmepaket will der Senat dazu beitragen, die Attraktivität Bremens insgesamt als Wohnstandort zu steigern und damit im Sinne des Sanierungsprogramms Abwanderung zu verhindern“, so der Senator für Finanzen, Bürgermeister Hartmut Perschau.

„Tenever bekommt Zukunft“, erklärte die Senatorin für Bau und Umwelt, Christine Wischer. „Ich bin sehr froh darüber, dass sich der Senat in seiner Gesamtheit zu dieser riesigen Aufgabe bekannt hat. Damit haben wir sehr gute Voraussetzungen geschaffen, diesem schwierigen Stadtteil eine neue Perspektive zu eröffnen, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und mit intelligenten städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Konzepten dem Stadtteil selbst ein neues, positives Profil zu geben.“

„Der Senat hat sich bei seinem Beschluss nicht nur von Wirtschaftlichkeitsberechnungen leiten lassen. Mit der grundlegenden Sanierung von Osterholz beweist die Große Koalition Handlungsfähigkeit und sozialpolitische Verantwortung gegenüber einem besonders problematischen Stadtteil und den dort lebenden Menschen,“ erläutert Wirtschaftssenator Josef Hattig den heutigen Senatsbeschluss.

Das mit vier renommierten Planungsbüros erarbeitete, im Detail noch auszugestaltende Konzept sieht vor, die Krause-Wohnungen durch Rückbaumaßnahmen von derzeit 1419 um rund ein Drittel zu reduzieren und den verbleibenden Teil nachhaltig zu sanieren und zu modernisieren. Die Wohnfläche schrumpft damit von heute 98.000 auf ca. 81.000 m². Die Gesamtzahl der Wohnungen in Tenever soll somit von 2.650 auf 2.400 sinken. Weitergehende Rückbaumaßnahmen sollen im Rahmen der weiteren Planungen geprüft werden.

Zur Zeit leben in Osterholz Tenever ca. 6000 Menschen. Die aktuelle Leerstandsquote beträgt rund 25 Prozent mit steigender Tendenz, ist in den einzelnen Wohnanlagen allerdings sehr unterschiedlich ausgeprägt: Während sie bei den Krause-Wohnungen im Durchschnitt fast 40 Prozent beträgt, stehen derzeit nur etwa 10 Prozent der GEWOBA-Wohnungen leer.

Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen soll vor allem folgenden Zielen dienen:
 Entwicklung eines attraktiven, zukunftsfähigen Stadtteils
 Erreichung einer ausgewogenen Bewohnerstruktur
 Nachhaltige Verbesserung des Images von Osterholz-Tenever

 Schaffung eines attraktiven Wohnungsbestands als Voraussetzung für eine dauerhafte Vermietung

Insgesamt verspricht sich der Senat durch die Umsetzung des Konzeptes eine wesentliche Aufwertung des gesamten Ortsteils als Wohn- und Wirtschaftsstandort und eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität. Trotz des Rückbaus sieht der Senat gute Chancen, die aktuelle Einwohnerzahl zu halten und ggf. zu erhöhen. Ohne die geplante grundsätzliche Aufwertung des Stadtteils würde, der Leerstand kurzfristig weiter ansteigen, die bestehenden sozialen Probleme im Stadtteil würden sich weiter verschärfen.

Nach dem geplanten Erwerb der Krause-Wohnungen im Wege der Zwangsversteigerung sieht das städtebauliche Konzept eine Fülle von baulichen Maßnahmen in Tenever vor:
 Instandsetzung und Modernisierung von 1028 Wohneinheiten
 Abriss von rund 30 Prozent der Krause-Wohnungen

 Veränderung der Gebäudeerschließung
 Rückbau von Gebäuden an der Otto-Brenner-Allee
 Rückbau, Sanierung und Umgestaltung von Tiefgaragen

 Neubau von Gemeinschaftseinrichtungen
 Neugestaltung von Verkehrsflächen
 Gestaltung des Wohnumfeldes und der Freiräume.

Ein wohnungswirtschaftliches Konzept ist gemeinsam von der GEWOBA, dem Amt für Wohnung und Städtebauförderung und dem Ortsamt Osterholz unter Beteiligung der BIG erarbeitet und mit dem Sozialressort abgestimmt worden. Dabei spielt insbesondere der Erhalt der sozialen Infrastruktur eine wichtige Rolle. Daneben werden als Handlungsfelder beschrieben:
 Bauliche und städtebauliche Aufwertungsstrategien
 Entwicklung von tragfähigen Nachbarschaften
 Umnutzung von Wohnraum für gewerbliche Nutzungen
 Bereinigung der Eigentumsverhältnisse
 Vermarktung der Wohnungen und Unterstützung der Eigentumsbildung
 Verbesserung des Images des Wohngebietes.

Zur Umsetzung der Sanierung wird derzeit von einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren ausgegangen. Die Gesamtkosten werden mit 186 bis 204 Millionen Mark kalkuliert. Die Kosten für Bremen – insbesondere für die geplanten Rückbaumaßnahmen und die nötige Asbestsanierung – werden sich nach derzeitigen Stand auf bis zu 41 Mio. Mark belaufen, die durch Vermögensveräußerungen aufgebracht werden sollen.

Senatorin Christine Wischer: „Es gibt noch eine Fülle von Problemen zu bewältigen, bis der Umbau des Stadtteils beginnen kann. Dieses riesige Investitionsprojekt für Tenevers Zukunft beweist schon jetzt, dass der Senat seine Verantwortung für Wohnungs- und Sozialpolitik entschlossen nutzt.“

Außerdem hat der Senat heute seine Auffassung bekräftigt, dass – entsprechend der Lösung für Tenever – auch für die Krause-Wohnungen in Bremerhaven/Leherheide eine Lösung gefunden werden muss. Er hat den Magistrat deshalb gebeten, einen entsprechenden Lösungsvorschlag in Zusammenarbeit mit der BIG/BIS zu entwickeln.

Der Aufsichtsrat der BIG hat dem Gesamtkonzept heute ebenfalls zugestimmt.