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Sonstige

Philosophenköpfe laden ein …es darf gedacht werden

Neue Ausstellung im Gerhard Marcks Haus

28.02.2013

Was macht denn Friedrich Nietzsche auf dem Bügelbrett? Und wieso trägt ausgerechnet Arthur Schopenhauer ein pinkfarbenes Haarkleid und sieht aus wie ein Punk? Da kann schon ins Grübeln kommen, wer im Gerhard Marcks Haus auf die dort versammelten Philosophenköpfe trifft. Wen es in den nächsten Tagen oder Wochen in die neue Ausstellung des Bildhauermuseums Am Wall 208 treibt, der wird staunen, wird amüsiert oder vielleicht auch irritiert sein, ganz sicher aber nachdenklich werden – und genau das ist auch so gewollt. „Denkinseln“ nennt die niederländische Künstlerin Eveline van Duyl ihre riesigen, außergewöhnlich gestalteten Porträts, die bis zum 2. Juni in den Räumen des Museums zu sehen sind.

Jean-Jacques Rousseau, Desiderius Erasmus und Jean-Paul Satre, JPG, 136.2 KB
Jean-Jacques Rousseau, Desiderius Erasmus und Jean-Paul Satre

„Meine Werke spekulieren mit der Neugier“, sagt Eveline van Duyn. 24 überlebensgroße Büsten von Philosophen verschiedenster Jahrhunderte und Denkweisen hat die Künstlerin geschaffen und sie kurzerhand auf Bügelbretter montiert. Gewöhnlich stehen solch ehrwürdige Porträts auf Sockeln, wirken dadurch eher unnahbar und fremd. Hier freilich kommen sie auf diesen verblüffenden „Denkinseln“ ganz nah, jedes für sich ein Unikat. „Gedanken sind leicht und flüchtig“, erklärt Dr. Yvette Desyve, Kurautorin der Ausstellung. „ Und auch ein Bügelbrett ist leicht und flüchtig, denn es lässt sich einfach zusammenklappen und an einen anderen Ort bringen“.

Köpfe aus unzähligen bunten Stoffresten zusammengesetzt oder aus Gummi geformt, mit Teppichresten geschmückt oder aus Seilen geknüpft. Nietzsche mit einem Bart aus Pferdehaar, Wittgenstein mit einer Nase aus Holz - der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Alle sind sie da: Hegel und Sartre, Sokrates und Seneca, Hannah Ahrend und Russell, Heidegger und Kant. So, wie sie präsentiert werden, sollen sie die Besucherinnen und Besucher anregen, durch die Philosophiegeschichte zu wandern oder sich ganz einfach an der bunten Sinnlichkeit der Bildwerke zu erfreuen. Nur Walter Benjamin ist mit einer Installation vertreten, es ist das jüngste Werk der Künstlerin. Zwei große Denker fehlen: Descartes und Voltaire – beide stehen im Atelierhaus „Roter Hahn“ in Gröpelingen und verbinden auf diese Weise die „Denkinseln“ der Stadt miteinander.

Wer mehr möchte, kann aus einem vielseitigen Begleitprogramm auswählen und sich tiefer einlassen. Diese Inhalte und Vermittlungsarten wurden zusammen mit Studenten der Universität Bremen, der Philosophischen Gesellschaft, dem Landesinstitut für Schulen, Kultur vor Ort und dem Theater Bremen entwickelt. Ab Sonntag, dem 3. März öffnen sich die Räume der neuen Ausstellung, um interessierten Besuchern die Philosophiegeschichte näher zu bringen und Raum zum Nachdenken zu öffnen. Ganz im Sinne von Immanuel Kant: „Habe Mut. Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“.

Die Ausstellung „Eveline van Duyl. Denkinseln“ im Gerhard Marcks Haus ist dienstags und mittwochs von 10-18 Uhr, donnerstags von 10-21 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10-18 Uhr geöffnet.

Foto: Focke Strangmann