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Senatskanzlei

Yfaat Weiss wird mit dem Hannah-Arendt-Preis 2012 ausgezeichnet

Verleihung im Bremer Rathaus – Öffentliches Kolloquium

27.11.2012

Der Historikerin Yfaat Weiss ist in diesem Jahr der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken zuerkannt worden. Am Freitag, dem 7. Dezember überreichen um 18:00 Uhr die Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann und Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung Berlin, im Bremer Rathaus die Auszeichnung. Die Laudatio hält Doug Saunders, britisch-kanadischer Journalist und Autor des Buches „Arrival City“. Der mit 7500 Euro dotierte Preis wird von der Stadt Bremen und der Heinrich Böll Stiftung an Personen verliehen, die mit ihren Interventionen das „Wagnis Öffentlichkeit“ angenommen haben. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Yfaat Weiss ist eine israelische Historikerin der jüngeren Generation, die mit ihren akribischen Studien zu Vertreibung und Erinnerung (nicht nur in Israel) weithin Aufmerksamkeit erregt hat. 2012 erschien die deutsche Übersetzung ihres Buches „Verdrängte Nachbarn. Wadi Salib - Haifas enteignete Erinnerung“. Darin schildert die Autorin die Vertreibung arabischer Einwohner während des Krieges 1948 und die Proteste marokkanischer Juden 1959 in Wadi Salib, dem ehemaligen Armenviertel Haifas.

Die internationale Jury urteilte: „Durch ihre Forschungen öffnet Frau Weiss den Blick für ein neues Denken über das Zusammenleben von ethnischen Gruppen und Minoritäten in Israel. Ebenso nüchtern wie akribisch dekonstruiert sie den Verlauf von Enteignungen, Vertreibungen und Inbesitznahmen in Israel und ihre Auswirkungen auf das kollektive Gedächtnis der verschiedenen Gruppen.“ Mit ihrem genauen Blick schärft Yfaat Weiss den Blick für das zivilgesellschaftliche Potential in ihrem Land. Umsichtig geht sie mit der Frage um, inwieweit die offizielle Geschichtspolitik, den Holocaust zur einzigen Gründungserzählung in Israel zu erheben, zu einem Problem im Zusammenleben der dortigen Gruppen geworden ist. In der Perspektive ihrer Erzählweise erscheint schon heute eine multikulturelle Gesellschaft in Israel, die auf dem Wege ist, zu einer pluralen Gesellschaft zu werden. Daran mitzuwirken ist ein großer Verdienst von Frau Weiss.

Am Sonnabend, dem 8. Dezember von 10:00 – 13:00 Uhr lädt die Heinrich Böll Stiftung zu einem öffentlichen Kolloquium mit der Preisträgerin ins Institut Français, Contrescarpe 19, Bremen, ein. Yfaat Weiss und Douglas Saunders diskutieren „Über ‚das Recht, Rechte zu haben‘ – Civil Society in einer Gesellschaft der Minderheiten“. Der Eintritt ist frei.

Über die Preisträgerin:
Yfaat Weiss, geboren 1962 in Haifa, ist Professorin im Fachbereich für jüdische Geschichte und zeitgenössisches Judentum an der Hebräischen Universität in Jerusalem und leitete 2008 bis 2011 die dortige Fakultät für Geschichte sowie derzeit das Franz Rosenzweig Minerva Forschungszentrum. Neben jüdischer Geschichte befasst sich Weiss mit der Vergangenheit Deutschlands und Zentraleuropas. Die Historikerin verbrachte zahlreiche Forschungsaufenthalte im deutschsprachigen Raum, unter anderem am Simon-Dubnow-Institut in Leipzig sowie am Hamburger Institut für Sozialforschung.

Kontakt: Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich Böll Stiftung, Peter Rüdel,
T 0421-35 23 68 ruedel.boell@arcor.de, www.boell-bremen.de