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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport

Zu viele Pflegeheimplätze in Bremen

22.06.2012

In dieser Woche wurde die Studie „Pflegeheim-Atlas Deutschland 2012“ in Berlin vorgestellt. Darin wird dargestellt, dass aufgrund der demografischen Entwicklung 32 zusätzliche Altenpflegeheime im Land Bremen gebraucht würden mit über 2.000 zusätzlichen Plätzen.

Anja Stahmann, Senatorin für Sozialer, Kinder, Jugend und Frauen, weist darauf hin, dass es sich hierbei um die Darstellung einer Immobilienberatung handelt. Von Immobilien- und Unternehmensberatern werde manchmal ein „Pflegeheimboom“ herbeigeredet, der bisher tatsächlich nicht feststellbar ist. Aufgrund der demografischen Entwicklung kann es bei der Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 zwar zu Zuwächsen von durchschnittlich circa zwei Prozent pro Jahr kommen. In den letzten Jahren ist die Zahl der in Heimen gepflegten Menschen in Bremen dennoch gesunken. Im Land Bremen gibt es bereits jetzt etwa 1.000 freie Plätze in Altenpflegeheimen. Die circa 6.200 Plätze in den Bremer Altenpflegeheimen würden bis 2020 ausreichen, ohne dass ein einziges Pflegeheim zusätzlich gebaut werden müsste.

„Im Pflegeheim-Atlas Deutschland 2012 wird dies nicht beachtet, und die Überkapazitäten werden in der Prognose fortgeschrieben und noch erhöht“, sagte Anja Stahmann.
Mit jedem neuen Heim sinke die Belegungsrate in den Häusern, die zurzeit im Durchschnitt bei 84 Prozent in Bremen und 76 Prozent in Bremerhaven liegt. „Damit sinkt der Ertrag der Betreiber, und Experten mahnen uns immer wieder: Dann wächst auch die Gefahr, dass die Qualität der Pflege leidet.“ Außerdem drohten weitere Insolvenzen. „Schließungen sind immer mit Härten für Heimbewohnerinnen, Heimbewohner und ihre Angehörigen verbunden“, so die Senatorin weiter.

Sie warnt daher vor einer Spekulationsblase bei Pflegeimmobilien: „Investoren sollten sich nicht von zweifelhaften Darstellungen der demografischen Entwicklung blenden lassen.“ Diese könnten keine seriöse Marktanalyse, solides kaufmännisches Denken und die Orientierung an den Wünschen pflegebedürftiger Menschen ersetzen.

„Wir sind froh, dass Dreiviertel aller Pflegebedürftigen in Bremen sich zuhause pflegen lassen können. Das wird mit dem Engagement von Familien, Ehrenamtlichen, Beratungsstellen, Pflegediensten, der Wohnungswirtschaft und anderen bewirkt. Gute Pflegeheime muss es geben, aber wir setzen auf Alternativen, zum Beispiel auf Nachbarschaftshilfe, Tagespflegen und Pflegewohngemeinschaften. Die einseitige Orientierung auf Pflegeheime ist längst überholt. Sie entspricht nicht den Wünschen der Menschen.“