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Sonstige

Rettung durch Gefriertrocknung: Kraft Foods hilft dem Staatsarchiv Bremen

16.02.2011

Ungewöhnliche Hilfeleistung erhielt das Staatsarchiv Bremen durch Kraft Foods in einer prekären Notlage. Historisch bedeutende Originalbände der Weser-Zeitung aus dem Ersten Weltkrieg hatten einen Wasserschaden erlitten. Tropfwasser aus einer defekten Leitungsdichtung hatte im Archivbunker Am Dobben vier wertvolle Bände komplett durchnässt. Sie mussten nun schnellstmöglich fachgerecht getrocknet werden, um Schimmelbildung und Papierzerfall zu verhindern.

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Konrad Elmshäuser (links) mit Bärbel Kern, Leiterin Kraft-Foods Company-Archive und Norbert Verhaagh, Werksleiter Kraft Foods Elmshorn, freuen sich über die Rettung der wertvollen Bände

Schockfrostung und anschließende Gefriertrocknung sind in einem solchen Unglücksfall das Mittel der Wahl. Dabei muss es allerdings schnell gehen. Da in den deutschen Restaurierzentren derzeit alle Kapazitäten der durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs belegt sind, erinnerte sich der Leiter des Staatsarchivs, Dr. Konrad Elmshäuser, an die Gefriertrocknung bei der Deutschlandzentrale von Kraft Foods in Bremen und setzte sich mit Bärbel Kern, Leiterin des Kraft Foods Company Archivs, in Verbindung. Das Unternehmen half tatsächlich schnell und großzügig und zeigte sich dabei sehr flexibel: In Bremen-Hemelingen steht zwar der modernste Gefriertrockner der Welt – er war aber komplett ausgelastet und lief auf Hochtouren. „Im Löskaffee-Werk Elmshorn gab es jedoch noch eine Möglichkeit. Und deshalb wurde in Windeseile ein Taxi vom Bremer Staatsarchiv in unser dortiges Werk geschickt. Im Gepäck waren eingewickelt in Folie die nassen Bände“, erklärt Bärbel Kern.

In Elmshorn nahmen sich Werksleiter Norbert Verhaagh und seine Mitarbeiter sofort der durchnässten Bände an. Sie wurden bei 50 Grad Minus „schockgefroren“, dann begann die Expertenarbeit: „Zum Gefriertrocknen der Folianten konnten wir nur unseren kleinen Versuchstrockner nutzen. Den mussten wir aber zunächst umbauen, damit die großen Bände überhaupt hineinpassen“, berichtet Verhaagh. Und weil seine Mitarbeiter über die Gefriertrocknung von Kaffee alles, über die Gefriertrocknung von Zeitungen aber praktisch nichts wussten, bastelten sie aus alten Ausgaben des Hamburger Abendblattes einen „Versuchs-Band“. Nach mehreren Versuchsreihen war die richtige Formel gefunden, um das Wasser aus den Zeitungen herauszubekommen.
Gestern wurden die Bände wieder dem Staatsarchiv Bremen übergeben. Dort waren Freude sowie Dank und Anerkennung für die Hilfsleistung groß: Die empfindlichen, fast 100 Jahre alten Zeitungsbände sind perfekt erhalten und haben keinerlei Schaden genommen. „Das glückliche Ende eines Notfalls, der ohne das tolle Engagement von Kraft Foods für uns nicht so glimpflich ausgegangen wäre“, freut sich Konrad Elmshäuser.

Foto: Staatsarchiv Bremen