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Senatskanzlei

„Ein in Beton gegossenes Verbrechen“

Neues Buch über den U-Boot-Bunker „Valentin“ erschienen

22.09.2010

„Es ist ein wichtiges Buch für das bremische Gedächtnis. Ich bin dankbar, dass es diese Aufarbeitung gibt“. Mit diesen Worten kommentierte heute (22.9.2010) Bürgermeister Jens Böhrnsen das neue Buch über die Geschichte des monströsen Bunkers Valentin in Bremen-Farge. Das Bauwerk war eines der größten Rüstungsprojekte der NS-Kriegsmarine. Geschützt vor alliierten Bombenangriffen, sollten hier U-Boote gebaut werden. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten täglich an dem Bunker unter menschenunwürdigen Bedingungen, die meisten von ihnen waren Zwangsarbeiter. Viele überlebten den Einsatz nicht. „Der Bunker ist ein in Beton gegossenes Verbrechen“, so Herbert Wulfekuhl von der Landeszentrale für politische Bildung, der Herausgeberin des Buches.

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Der Historiker und Autor Dr. Marc Buggeln hat ein Buch vorgelegt, in das viele neue Erkenntnisse und neu gefundene Dokumente eingeflossen sind. Zentrales Anliegen des Buches ist es, das Schicksal der Zwangsarbeiter sichtbar zu machen. Anhand ausgewählter Biographien lässt sich nachvollziehen, wer die Menschen waren, die von den deutschen Behörden zur Arbeit an dem U-Boot-Bunker nach Bremen-Nord verschleppt wurden und wie sehr die traumatischen Erfahrungen ihr weiteres Leben bestimmten. Ausführlich werden die Bedingungen auf der Baustelle und in den Lagern beschrieben.

Zu den neuen Erkenntnissen gehört, dass schon im Winter 1941/42 mehr als 150 sowjetische Kriegsgefangene, die beim Bau zweier großer Tanklager arbeiten mussten, innerhalb von drei Monaten ums Leben kamen. Mehr als 1000 Zwangsarbeiter starben in der Umgebung der Baustelle, hunderte wurden in Massengräbern beigesetzt. Das Buch benennt auch die Täter bis hin zu den Verantwortlich vor Ort. Untersucht wird auch, wie ganz unterschiedlich sich die Bevölkerung der Umgebung verhielt, Schließlich bezieht die Publikation auch die zahlreichen wechselhaften Debatten in Bremen über den Umgang mit dem Bunker mit ein.

Die nun vorliegende Gesamtdarstellung wird für den Aufbau der Gedenkstätte nützlich sein. Der Senat hat unlängst entschieden, dass die Landeszentrale für politische Bildung die wissenschaftliche Konzeption für die geplanten Gedenkstätte Bunker Valentin umsetzen soll. Der Bunker soll ein Ort des Gedenkens, der Erinnerung und der politischen Bildung für die nachwachsende Generation werden.

Marc Buggeln, Bunker „Valentin“, Marinerüstung, Zwangsarbeit und Erinnerung, edition temmen, ISBN 978-3-8378-4004-9, 16,90 Euro

Foto: Senatspressestelle