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Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa

Tourismus in Bremen trotzt Finanzkrise

Nur leichter Rückgang der Übernachtungszahlen / Mehr Gäste aus dem Ausland

26.02.2010

Der Wirtschaftsfaktor Tourismus in Bremen bleibt stabil. Trotz Finanzkrise und rückläufiger Geschäftsreisen wurden im Jahr 2009 1.339.407 Übernachtungen in Bremer Beherbergungsbetrieben verzeichnet. Mit einem leichten Minus von 1,8 Prozent ist dies das zweitbeste Ergebnis, das seit Aufzeichnung der Übernachtungszahlen gezählt wurde. Nur im Ausnahmejahr 2008 kamen mehr Gäste in die Stadt. Im Land Bremen liegen die Übernachtungszahlen mit 1.639.093 (- 0,7 Prozent) sogar fast genau auf Vorjahresniveau. Bei den Übernachtungen aus dem Ausland konnte die Stadt Bremen sogar noch zulegen. Ein klares Plus von 6,5 Prozent verzeichnete das Statistische Landesamt Bremen, während die Zahlen bundesweit um drei Prozent zurück gingen.

In ihrer Jahrespressekonferenz am heutigen Freitag (26. Februar 2010) präsentierten der neue Senator für Wirtschaft und Häfen, Martin Günthner, die Bremer Touristik-Zentrale, der Verkehrsverein und das Statistische Landesamt Bremen Neues aus der Tourismusbranche der Stadt.

Aktuelle Studie bestätigt wirtschaftliche Relevanz des Tourismus in Bremen

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche Tourismus und die guten Beschäftigungsperspektiven hob Wirtschaftssenator Günthner hervor. Eine aktuelle Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) lieferte gerade die neuesten Zahlen für Bremen. Demnach bestreiten inzwischen 33.400 Personen im Land Bremen (28.700 Stadt Bremen) ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus. Bei der letzten Studie 2004 waren es noch 30.000. Durch den Tourismus generiert das Land Bremen einen Brutto-Umsatz von mehr als 1,7 Milliarden Euro. „21 Millionen Euro bleiben davon jährlich als Steuereinkommen im Land“, so Günthner. „Bremen profitiert davon, dass Städtereisen nach wie vor im Trend liegen“, sagte der Senator. In Zukunft werde es wesentlich darauf ankommen, die attraktiven touristischen Angebote in Bremen weiter zu entwickeln und zielgerichtet zu bewerben.

Auslandsmärkte wachsen

Über die Entwicklung der Gästeankünfte und Übernachtungszahlen berichtete Dr. Andreas Cors vom Statistischen Landesamt Bremen. „Januar und Februar 2009 fingen mit einem Minus von 16 bzw. elf Prozent bei den Übernachtungen noch sehr verhalten an“, so Cors. Einen starken Rückgang verbuchten die Hotels vor allem bei den Geschäftsreisen. Diese machen rund 70 Prozent der Übernachtungen aus. Gründe dafür waren neben einem Ausgabestopp bei den Unternehmen auch das sehr gute Vergleichsjahr 2008. Doch schon im März zogen die Übernachtungen wieder an, und besonders der Mai war aufgrund des Kirchentages mit 133.428 Übernachtungen der zweitbeste Monat, der jemals verzeichnet wurde.

Sehr positiv entwickelten sich die Übernachtungszahlen der ausländischen Gäste, die ungefähr 25 Prozent des Gesamtübernachtungsvolumens ausmachen. An Platz eins und zwei liegen nach wie vor die Übernachtungen aus Großbritannien (34.596 Übernachtungen) und den Niederlanden (27.405). Einen großen Sprung nach vorne machten jedoch die Finnen auf Platz drei (27.205, + 60,7 Prozent) mit einem Plus von 60,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Finnland in 2007 noch auf Platz 8) und die Norweger (25.847, + 42,5 Prozent). Diese Steigerungen sind besonders auf die neuen günstigen Flugverbindungen in die Hansestadt und die entsprechende intensive Bewerbung zurückzuführen.

Mehr Hotelbetten in Bremen

Einen Blick auf die Situation der Hotels und Übernachtungsbetriebe in Bremen warf Fritz Rößler, Vorsitzender des Verkehrsvereins der Freien Hansestadt Bremen e. V. und Präsident des DeHoGa Bremen. Aus seiner Sicht gestaltete sich das Jahr 2009 recht unterschiedlich für die Hotels, je nachdem, wie stark sie von den Übernachtungen der Geschäftsreisenden abhängig sind. Dieser Schwerpunkt spiele auch eine große Rolle bei der Mehrwertsteuerproblematik. Für einige Hotels kämen die Vorteile der Steuersenkung nicht zum Tragen, da sie aufgrund von Nettoverträgen mit Geschäftsreisenden keinen Mehrertag hätten. Dennoch würden in Bremen von Hotels derzeit über vier Millionen Euro in Investitionen gesteckt und viele neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die Bettenauslastung für das Gesamtjahr lag bei einem Wert von 42,8 Prozent. Insgesamt waren 2009 74 Betriebe mit knapp über 8.000 Betten geöffnet und wurden vom Statistischen Landesamt erfasst, das sind knapp 200 Betten mehr als im Vorjahr. Weitere Hotelprojekte wie das Courtyard by Mariott am Hauptbahnhof oder das Atlantic Hotel am Bredenplatz sind im Bau und werden demnächst eröffnen.

Touristisches Marketing 2009/2010

Über die Marketingaktivitäten der Bremer Touristik-Zentrale berichtete BTZ-Geschäftsführer Peter Siemering. Im vergangenen Jahr waren allein 57.868 Anrufe im Service-Center der BTZ eingegangen, das sind etwa 200 Anrufe pro Tag. 402.775 Besucher kamen in die Tourist-Informationen, und knapp 140.000 Touristen machten eine der mehr als 30 verschiedenen Führungen der Touristik-Zentrale mit. Damit ließen sich zirka 380 Gäste täglich durch die BTZ professionell und unterhaltsam die Stadt zeigen. Im vergangenen Jahr vermittelte die BTZ 53.644 Übernachtungen (davon 17.593 im Kongressbereich) und betreute mehr als 15.000 Kongressteilnehmer bei Großkongressen wie dem Massenspektrometriekongress IMSC mit 2.500 Teilnehmern oder dem Intensivmedizinischen Symposium mit über 4.000 Teilnehmern. „Die BTZ schafft es bereits seit ihrer Gründung, ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu präsentieren und erfüllte auch in 2009 ihren Wirtschaftsplan“, berichtete Siemering.

„Neben der Betreuung unserer Gäste vor Ort in Bremen sind wir aber auch auf über dreißig Messen weltweit mit unseren Bremen-Angeboten vertreten“, berichtet Siemering. Besonders auf das Auslandsmarketing wurde in 2009 verstärkt der Fokus gesetzt. „Hier arbeiten wir eng mit unserem guten Partner, dem City Airport Bremen, zusammen.“ Gemeinsame Anzeigenkampagnen mit der Fluggesellschaft Ryanair, weltweite Pressearbeit mit einer Gesamtauflage von über 100 Millionen Exemplaren, Internetkampagnen, Kontakte zu Reiseveranstaltern, Online-Newsletter oder spezielle Angebote für Firmen – die Marketingpalette der BTZ ist groß und bunt. „Wir freuen uns, dass die weitere Finanzierung der touristischen Werbeaktivitäten für Bremen zunächst gesichert ist, knapp, aber planbar“, so Siemering.

Auch für 2010 stehen wieder viele Aktionen auf dem Programm, um die touristischen Höhepunkte der Stadt zu bewerben. Zu Beginn des Jahres hatte bereits das Musical „Elisabeth“ im Musical Theater über 33.000 Besucher angezogen. Die Ausstellung „Rizzis Welt“ in der Messehalle, das Open-Air-Opernspektakel Turandot auf der Seebühne und Großveranstaltungen wie die Special Olympic National Games und der Tag der Deutschen Einheit werden ebenfalls für volle Hotelzimmer, gute besuchte Restaurants und Umsatz im Einzelhandel in Bremen sorgen. Auch die Wissenswelten arbeiten fleißig an ihren neuen Sonderausstellungen wie die Schau „Was die Welt bewegt“ im Überseemuseum oder dem Nachfolger der „Formen.Farben.Fantasien“-Ausstellung im Universum Bremen. Im Kongressbereich stehen unter anderem der weltgrößte Weltraumkongress COSPAR und der 47. Kongress der Deutschen Psychologischen Gesellschaft auf dem Programm.

Einem riesigen Publikum präsentiert sich Bremen mit seinem Auftritt auf der Weltausstellung EXPO in Shanghai. Um auch die touristischen Vertreter – speziell aus China – mit Informationen zu versorgen und einen direkten Kontakt herstellen zu können, gibt es inzwischen das „Shanghai Liaison Office“, ein Büro in der chinesischen Metropole, das von der BTZ in 2009 gegründet wurde.

„Bremen behauptet sich weiter im nationalen Tourismus. Es gibt auch in diesem Jahr viel zu tun, um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen, im Wettbewerb der deutschen Großstädte weiter zu wachsen, in der Welt in der Tourismusindustrie zu werben und die privaten Städtereisenden für Bremen zu begeistern“, meint Siemering und blickt zuversichtlich auf das laufende Jahr.