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Der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen

Offshore-Zentrum: Bremerhaven soll europaweit Spitze werden

29.09.2009

Senat fasst Grundsatzbeschluss für eine Schwerlast- Umschlagsanlage

Der Senat hat heute (29.09.2009) eine wesentliche Grundsatzentscheidung für den weiteren Ausbau Bremerhavens zu einem Zentrum der Offshore Windenergie getroffen. Dazu sollen die Planungen für den Bau einer Schwerlast-, Montage-, und Umschlagsanlage vorangebracht werden. Der Staatsrat für Wirtschaft und Häfen, Heiner Heseler: „Im kommenden Jahrzehnt werden wir die Boomphase der Offshore-Industrie erleben. Wenn Bremerhaven seine Chancen optimal nutzt, können wir europaweit eine Spitzenposition in dieser Wachstumsbranche einnehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die erforderlichen Prüfverfahren mit Hochdruck vorangetrieben werden.“


Im Zentrum der Überlegungen steht der Bau einer neuen Schwerlast-, Montage und Umschlagsanlage in Bremerhaven. Damit soll Bremerhaven zu einem der Basishäfen an der norddeutschen Küste für die Offshore-Windenergie werden. Hintergrund sind die sich abzeichnenden logistischen Anforderungen an den Aufbau der Windparks. Die ersten Offshoreprojekte in größeren Wassertiefen in der Deutschen Nordsee haben gezeigt, dass das Transport- und Installationsequipment für große Offshore-Windenergieanlagen und große Wassertiefen zurzeit nur sehr begrenzt am Markt verfügbar ist. Darum haben verschiedene Unternehmen und Reedereien bereits größere Transport- und Montageeinheiten im Bau bzw. deren Bau angekündigt. Diese Einheiten weisen Breiten von rund 40 m, Längen von rund 100 m, Tragfähigkeiten von mehreren 1000 t, leistungsfähige Bekranung bis zu 1400 t und Hubbeine in einer Länge von bis zu 80 m auf. Diese Transport- und Montageeinheiten sind so ausgelegt, dass sie die vormontierten Komponenten an einem Basishafen laden, dann direkt zum Offshorewindpark fahren, dort installieren und nach Beendigung der Installation wieder zurück zum Hafen fahren, um die nächsten Windenergieanlagen aufzunehmen.


Der Senat hat beschlossen, eine sehr genaue Prüfung eines möglichen Standortes in Bremerhaven für die Errichtung einer den Anforderungen der Offshore-Windenergieindustrie gerecht werdenden Schwerlast-, Montage- und Umschlagsanlage zu prüfen. Nach jetzigem Kenntnisstand kommen drei Varianten in Frage:


a) Ausbau und Verlängerung des Luneorthafens


b) Verladung über Containerterminal oder Kaiserhafen.


c) Neubau einer Schwerlast-, Montage- und Umschlagsanlage im Bereich des „Blexer Bogens“


Alle drei Varianten bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile, die im Detail sehr genau zu prüfen sind. Insbesondere bei der Variante Blexer Bogen ist mit erheblichen Eingriffen in bestehende Naturschutzgebiete zu rechnen. Bei den beiden anderen Varianten sind Schleusenrestriktionen bzw. konkurrierende Hafennutzungen zu berücksichtigen.


Der Senat erwartet bis Ende 2009 umfassende Ergebnisse zu den finanziellen, technischen, wirtschaftlichen, genehmigungsrechtlichen und ökologischen Implikationen aller drei Varianten, um nach Vorlage der Ergebnisse zu entscheiden, für welche Variante eine Genehmigungsplanung vorgenommen werden soll.


Klar ist aber die Botschaft, dass das Land die Vorkehrungen trifft, um den Unternehmen aus der Offshore-Windenergieindustrie am Standort Bremerhaven eine entsprechende Infrastruktur bieten zu können.


Dabei wird ebenfalls intensiv geprüft, ob eine private Finanzierung möglich und für den Standort Bremerhaven sinnvoll ist. Erste Gespräche mit Versorgern, Logistikern und Produzenten sind hierzu bereits eingeleitet.


Bremerhaven hat auf dem Weg zu einem europäischen Zentrum für die Wachstumsbranche Offshore-Windenergie bereits wesentliche Schritte zurückgelegt. Dank der Nähe zum seeschifftiefen Wasser, hervorragender Infrastrukturen und gezielter Entwicklung von Clusterstrukturen (Windenergieagentur Bremen/Bremerhaven, Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, FK Wind u.a.) haben sich bereits heute führende Unternehmen der Branche für den Standort entschieden. Die Entwicklung Bremerhavens zu einem Zentrum der Offshore-Windenergiewirtschaft wurde dadurch beschleunigt, dass zahlreiche Marktführer aus dieser Branche im Industriegebiet Luneort Entwicklungs- und Produktionsstätten aufgebaut haben. So konnten in den vergangenen drei Jahren ca. 16 ha Fläche an produzierende Unternehmen im Erbbaurecht vergeben und fünf ha verkauft werden. Das Land Bremen und die Stadt Bremerhaven haben mit Unterstützung aus Europäischen Fördermitteln ca. 44 Mio. Euro für die schwerlastgeeignete Herrichtung der vorhandenen Infrastruktur im südlichen Fischereihafen investiert. Von Seiten der Unternehmen wurden ca. 250 Mio. Euro investiert. Im Ergebnis konnten hierdurch bislang ca. 800 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der derzeit erreichte Stand markiert dabei erst einen Zwischenstand. In den kommenden Jahren ist mit weiteren mehreren 100 Arbeitsplätzen zu rechnen.


Windkraft auf See: Viel  Arbeit für Bremerhaven

Windkraft auf See: Viel Arbeit für Bremerhaven

Verschiedene aktuelle Studien und auch die erklärten Ausbauziele der EU sehen ein Wachstum der Offshore-Windenergie ab 2010 von rund 25% Jahr vor. Rund 70% des weltweiten Zubaus an Offshore-Windenergie wird danach in Europa stattfinden, wobei Großbritannien und Deutschland wiederum mit Abstand die größten Märkte darstellen. Es wird von einem jährlichen Zubau in Europa in Höhe von 2.500 MW Installationsleistung pro Jahr ab dem Jahr 2014 ausgegangen, dies entspricht je nach Größe der Anlagen zwischen 500 und 800 Windenergieanlagen/Jahr. Aus diesem Marktvolumen ergibt sich, dass in Europa eine Vielzahl von zusätzlichen Produktionsstätten für Komponenten von Offshore-Windenergieanlagen aufgebaut werden müssen. Die Produktionskapazitäten für Offshore-Windenergienanlagen in der Größenklasse 5 MW belaufen sich heute auf rund 150 Anlagen/Jahr in Europa. Daraus ergibt sich ebenfalls, dass es mehrere Standorte für den Montage und Umschlag an der deutschen Nordseeküste geben wird, und die auch an anderen Standorten laufenden Planungen (z.B. Emden und Cuxhaven) nicht in Konkurrenz zu einander stehen, sondern sich ergänzen.


Staatsrat Heseler betonte, dass der Senat entschlossen sei, das Projekt mit großer Kraftanstrengung und mit Zeitdruck voranzubringen: „Die weitere Entwicklung der Offshore-Windenergiewirtschaft bedeutet für Bremen und Bremerhaven eine große Chance eine neue und zukunftsträchtige Technologie einschließlich einer vollständigen Wertschöpfungskette, d.h. von der Entwicklung über Produktion sowie von Zulieferern und Dienstleistern an den Standort zu binden. Deshalb wollen wir für dieses wesentliche Infrastrukturprojekt gründlich aber so schnell wie möglich die Voraussetzungen schaffen. Deshalb sollen die nächsten Prüfungen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.“
Die BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH ist bereits beauftragt worden, hierzu erste Einzelgutachten zu vergeben und zu betreuen. Der Senator für Wirtschaft und Häfen hat hierfür im Rahmen des EFRE-Programms einen Betrag von 150.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Zur Umsetzung dieser Arbeitsschritte ist beabsichtigt, eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe unter der Federführung des Senators für Wirtschaft und Häfen einzusetzen, die im engen Austausch diese Prüfungen mit dem Ziel einer Aussage zur grundsätzlichen Realisierbarkeit eines solchen Vorhabens durchführt.