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Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

Bremen betreibt Vorsorge im Klimawandel: Fachleute diskutieren Anpassungsmaßnahmen zum Erhalt des Bremer Feuchtgrünlandes

15.02.2017

Der Klimawandel hat vielfältige Folgen, die auch regional spürbar werden. Meeresspiegelanstieg, Starkregen, Hitzewellen und Trockenheit sind einige Phänomene, auf die sich Bremen einstellen muss. Sie haben Einfluss auf zukünftige Nutzungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft oder auf den Schutz von Pflanzen und Tieren unserer bisher gemäßigten Klimaregion.

Unter Federführung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr werden deshalb in Bremen Lösungsansätze für den vorsorgenden Umgang mit Klimafolgen entwickelt und geeignete Anpassungsmaßnahmen umgesetzt.

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Überflutungspolder in Brokhuchting ©h a n e g, Urs Siedentopf

Besonders empfindlich gegenüber den erwarteten Veränderungen bei Temperaturen, Niederschlägen und Wasserverhältnissen sind die für Bremen typischen Feuchtwiesen, die sich als Grünlandring um die Stadt ziehen. Blockland, Borgfelder Wümmewiesen oder die Ochtumniederung bei Brokhuchting haben nicht nur eine hohe Bedeutung als Naherholungsgebiet und landwirtschaftliche Nutzfläche. Sie sind gleichzeitig Lebensraum vieler seltener und geschützter Arten, die auf hohe Wasserstände und feuchte Böden angewiesen sind. Hierzu gehören Wiesenvögel wie Kiebitz oder Rotschenkel ebenso wie unter den Pflanzen die Kuckuckslichtnelke oder das Sumpfläusekraut. Kritische Faktoren des Klimawandels, wie eine zunehmende Trockenheit im Frühjahr und Sommer, haben starken negativen Einfluss auf das Überleben dieser Arten. Da der Klimawandel keine Rücksicht auf den Schutzstatus der betroffenen Flächen nimmt, sind auch Naturschutzflächen betroffen, für deren Sicherung Bremen eine besondere Verantwortung hat.

In diesem Themenfeld findet aktuell ein umfangreiches Forschungsvorhaben (KommKlima) statt, welches mit insgesamt 2,15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert wird. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Jahre mit Veränderungen in der Wasserversorgung der Grünlandflächen werden in den Gebieten "Ochtumniederung bei Brokhuchting" und "Niedervieland" vorsorgende Anpassungsmaßnahmen durchgeführt, welche die Unabhängigkeit der Biotope von Klimaveränderungen stärken. So soll u. a. das Wasser über die Fleete und Gräben stärker in den Grünlandflächen zurückgehalten werden. Gleichzeitig werden neue Strategien zur Ausbreitung gefährdeter Wiesenpflanzen entwickelt und erprobt. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung wird die Wirksamkeit der Maßnahmen analysiert und es werden kontinuierlich begleitende Hinweise zur Optimierung der Maßnahmen und des Managements dieser Gebiete gegeben.

Eine besondere rechtliche Relevanz in Genehmigungsverfahren und Bauvorhaben hat die Frage nach der Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels bei der Festlegung sogenannter Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft. Die Integration von Ökosystemleistungen sowie klimawandelbedingten Unsicherheiten in die Eingriffsregelung soll auch in Zeiten des Klimawandels die Finanzierung, Akzeptanz und den langfristigen Erfolg von Kompensationsmaßnahmen ermöglichen. Die Ergebnisse sollen in grundsätzliche Empfehlungen für die bundesweit gültige naturschutzrechtliche Eingriffsregelung eingehen.

Das Förderprojekt KommKlima hat eine Laufzeit von sechs Jahren und gilt als innovatives Projekt mit bundesweiter Strahlkraft zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung.

Projektträger für den Praxisteil des Forschungsvorhabens ist die Hanseatische Naturentwicklung GmbH (h a n e g) als verantwortliche Stelle für die Herstellung und das Management von Kompensationsmaßnahmen und Naturschutzflächen in Bremen. Die Gesellschaft setzt in enger Abstimmung mit dem Umweltressort die Anpassungsmaßnahmen um. Forschungspartner ist das Institut für Umweltplanung an der Leibniz Universität Hannover, vertreten durch Frau Prof. Christina von Haaren. Das Projekt startete im April 2016. Seitdem erfolgen die Vorbereitungen zur Umsetzung der Maßnahmen und der Begleitforschung ab Frühjahr 2017.

Die bisherigen Ergebnisse und das weitere Vorgehen werden am 16. Februar 2017 erstmals in der projektbegleitenden Arbeitsgruppe vorgestellt und erörtert. Neben den Projektträgern aus Bremen und Hannover werden Vertreterinnen und Vertreter der Fördermittelgeber, Expertinnen und Experten der Universitäten und Hochschulen in Bremen, Oldenburg, Göttingen und Berlin sowie der Naturschutzbund Deutschland an der Ausrichtung und Evaluierung des Projektes mitwirken. Eine Einordnung in die bremische Gesamtstrategie erfolgt durch die Vorstellung der regionalen Klimaszenarien für die Metropolregion Bremen-Oldenburg aus dem abgeschlossenen KLIMZUG-Projekt "Nordwest2050" sowie durch die Präsentation zur Klimaanpassungsstrategie Bremen und Bremerhaven durch den verantwortlichen Projektleiter beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.

"Die Klimaanpassungsstrategie für Bremen und Bremerhaven wird aktuell unter Federführung meines Ressorts erarbeitet. Als ein Handlungsfeld mit besonderer Schlüsselfunktion wurde das aktive Management von Naturschutzflächen identifiziert", sagte Umweltsenator Joachim Lohse. "Und genau da setzt das Forschungsvorhaben KommKlima an und konkretisiert die in der Strategie geforderten Maßnahmen", so Petra Schäffer, Geschäftsführerin der Hanseatische Naturentwicklung GmbH. Es zeigt beispielhaft Wege auf, wie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaveränderungen und deren Folgen im Bremer Naturschutz gestärkt werden kann. "Damit ist Bremen Vorreiter in der vorsorgenden Anpassung an die Folgen des Klimawandels", so Senator Lohse weiter.

Ansprechpartner für Presseanfragen:
Kerstin Kunze, Projektleiterin KommKlima
Hanseatische Naturentwicklung GmbH, Konsul-Smidt-Str. 8p, 28217 Bremen
Tel. 0421 27700-46,
kunze@haneg.de
www.haneg.de

Hanseatische Naturentwicklung GmbH
Die Hanseatische Naturentwicklung GmbH (h a n e g) verantwortet seit 1999 die Entwicklung von mehr als 13.000 ha Naturschutzflächen. Für private und öffentliche Kunden ist diese stadteigene Gesellschaft mit neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie einem interdisziplinären Netzwerk von spezialisierten Partnern in rund 80 Projekten und erweiternden Forschungsvorhaben aktiv. Schwerpunkte sind das Management und die Pflege von Flächen in Natur und Landschaft sowie die Koordination von standardisierten Kartierungen der Flora und Fauna in Bremen.

Foto: h a n e g, Urs Siedentopf