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Die Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation

Klimaschutz und ökologischer Ausgleich für den Offshore-Terminal Bremerhaven

Hafengesellschaft bremenports will den Bachlauf der Billerbeck naturnah gestalten und den dabei anfallenden Boden zur Vernässung des Großen Moores nutzen

13.02.2017
Einsame Ökolandschaft: Das Große Meer bei Bokel (Kreis Cuxhaven) verliert große Wassermengen an seine Umgebung. Die Hafengesellschaft bremenports will einen Wall am Rand des Moores mit Kleiboden und Erde verstärken. Wird das Wasser zurückgehalten, können sich hier mehrere Hektar neue wertvolle Moorfläche bilden. Quelle: Rüdiger Staats, bremenports
Einsame Ökolandschaft: Das Große Meer bei Bokel (Kreis Cuxhaven) verliert große Wassermengen an seine Umgebung. Die Hafengesellschaft bremenports will einen Wall am Rand des Moores mit Kleiboden und Erde verstärken. Wird das Wasser zurückgehalten, können sich hier mehrere Hektar neue wertvolle Moorfläche bilden. Quelle: Rüdiger Staats, bremenports

Pressemitteilung von Bremenports

Moore leisten einen wichtigen Beitrag gegen den Klimawandel. Doch die meisten dieser wertvollen Kohlendioxidspeicher wurden stark entwässert oder ganz trockengelegt. Auch das Große Moor am westlichen Rand von Bokel (Landkreis Cuxhaven) hat durch Entwässerung und Torfabbau stark gelitten. Die Hafengesellschaft bremenports will den Boden aus einer Kompensationsmaßnahme zur Renaturierung dieses Moores nutzen. Das anspruchsvolle Ziel hierbei: die Vernässung eines etwa 10 Hektar großen Polders und die damit verbundene Schaffung hochwertiger Hochmoorflächen.

Natürliche Barriere soll Entwässerung des Moorgebiets beenden

"Das Große Moor verliert viel Wasser an die Umgebung", sagt bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. Um diesen Zustand zu ändern, will die Hafengesellschaft einen Wall, der das Moor von angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen trennt, mit etwa 3000 Kubikmetern Erdreich verstärken. "So schaffen wir eine natürliche Barriere", sagt Howe, "und stoppen die permanente Entwässerung des Moores."

Woher das Material für die Verstärkung des Walls kommen soll, wissen die Bremerhavener Hafenplaner bereits: "Dafür wollen wir Kleiboden und torfhaltige Erde aus der nur wenige Kilometer entfernten Billerbeck-Niederung nutzen", sagt Howe. Das Material fällt an, wenn bremenports den stark begradigten Lauf der Billerbeck verlängert, um eine naturnahe Bach- und Auenlandschaft mit Mäandern zu schaffen - eines der ökologischen Ausgleichsprojekte, mit denen die Eingriffe durch den Bau des Offshore-Terminals Bremerhaven (POTB) ausgeglichen werden sollen.

Gewundener Bachlauf mit Kiesbett für Neunaugen und Meerforellen

Die Billerbeck ist ein Nebengewässer der Lune. "Der ökologische Zustand des Bachs ist schlecht", sagt bremenports-Mitarbeiter Ulrich Kraus. "Wir wollen dem Gewässer einen naturnahen gewundenen Lauf geben. Dafür wird ein etwa 5000 Meter langer Bachabschnitt umgestaltet. Wir verlängern die Billerbeck dadurch um mehrere hundert Meter."

Das Flüsschen soll außerdem ein Kiesbett bekommen, um Neunaugen und Meerforellen ein attraktives Laichgebiet zu bieten. "Die Renaturierung des Gewässers wird das FFH-Gebiet Billerbeck und Oldendorfer Bach zwischen Axstedt und Stubben ökologisch stark aufwerten", sagt bremenports-Chef Howe. "Das Umweltprojekt gehört zu den größten seiner Art in Niedersachsen. Wir stehen bereit und können die Maßnahme schnell umsetzen, wenn der OTB die juristischen Hürden genommen hat."

Gern würde Howe dann auch gleich das Projekt Großes Moor in Angriff nehmen: "Mit dem Bodenmaterial von der Billerbeck ließe sich der Wall in kurzer Zeit abdichten. Derzeit fließt das Wasser in einen Randgraben und ist für die natürliche Entwicklung des Moorgebiets für immer verloren."

Birken und Kiefern sollen weichen, damit das Torfmoos wieder wachsen kann

Kann das Wasser nicht mehr in den Graben sickern, wird sich das Bild des Großen Moores stark verändern. Weite Teile in diesem Bereich werden von Birken und Kiefern dominiert, die für entwässerte Moore typisch sind. "Wenn der Wall abgedichtet ist, sterben die Bäume im aufgestauten Wasser ab und das Torfmoos kann wieder wachsen", sagt Howe.

Ein lebendes und wachsendes Moor kann große Mengen Klimagase speichern. Zum einen wirken intakte Moorlandschaften als "Endlager" für Kohlendioxid. Zum anderen sorgt der Aufbau organischer Substanz dafür, dass der Atmosphäre CO2 entzogen wird. Howe: "Jeder Hektar vernässtes Moor steht jährlich für etwa 15 bis 30 Tonnen Kohlendioxid, die unser Klima nicht belasten."

Heiko Semken, der Vorsitzende des Fördervereins Großes Moor, begrüßt die Pläne von bremenports. "Unser Verein pflegt und entwickelt das Gebiet seit dem Abschluss der wasserbaulichen Maßnahmen im Jahr 2004. Sie haben dazu geführt, dass sich ein großflächiger Moor- und Heidebereich entwickelt hat. Er stellt einen wichtigen Lebens- und Rückzugsort für Tiere und Pflanzen dar, wird zunehmend aber auch als Erholungsbereich genutzt. Die von bremenports geplante Abdichtung des südlichen Randdamms wird die Wasserhaltung erheblich verbessern."

Die vor einigen Jahren umgesetzten Maßnahmen im Großen Moor wurden von den Gemeinden Bokel und Beverstedt angeschoben und begleitet. Sie zeigen nach Ansicht des Beverstedter Bürgermeisters Ulf Voigts, "dass sich die Natur durch das Eingreifen des Menschen positiv verändern kann". Das Biotop-Gebiet mit seiner Verbindung zu den Hollener Tannen werde gern für Fahrradtouren genutzt. "Die von bremenports geplante Maßnahme kann zu einer weiteren Stabilisierung führen. Ich hoffe, dass für die Zukunft weitere Flächen erworben werden können, um das Vorzeigeprojekt auszuweiten."

Foto: Rüdiger Staats, bremenports