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Die Senatorin für Finanzen

Sozial, ökologisch und trotzdem günstiger

25.04.2008

Senatorin für Finanzen eröffnet Fachtagung „Öffentlichen Einkauf aktiv gestalten – ökologisch, sozial und wirtschaftlich“

Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der bremischen Politik und Verwaltung, aus Umlandgemeinden, Großstädten sowie von Umweltverbänden und entwicklungspolitischen Initiativen haben auf Einladung der Senatorin für Finanzen gestern im „Haus des Reichs“ über öffentliche Einkaufspolitik diskutiert. „Die Bremer Verwaltung gibt jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag für den Einkauf von Produkten aus. Damit tragen wir eine große Verantwortung. Es geht einerseits um einen sparsamen Umgang mit Steuergeldern. Andererseits um ökologische Qualität und soziale Produktionsbedingungen. Wir wollen, dass der öffentliche Dienst dabei eine Vorbildrolle übernimmt“, erklärte Bürgermeisterin Karoline Linnert zu Beginn des Fachtags.

Zurzeit ist die Beschaffung von Produkten für die bremische Verwaltung auf rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt. Es gibt für bestimmte Produktgruppen, wie zum Beispiel Büromaterial, zentrale Einkaufsstellen. Ein Großteil der Einkäufe findet aber noch direkt über einzelne Dienststellen statt. Die Verwaltung tritt zu wenig als Großkunde auf und nutzt mögliche Preisvorteile nur unzureichend.

Eine Forschungsstudie der renommierte European Business School kommt zu dem Ergebnis, dass in privaten Unternehmen die Einkaufsabteilungen viel größere Marktkenntnisse besitzen, sich stärker auf wenige standardisierte Artikel konzentrieren und so erheblich kostengünstiger einkaufen können als der öffentliche Dienst.

Die Senatorin für Finanzen plant gemeinsam mit den anderen Ressorts, Einkaufsaktivitäten in einem gemeinsamen Dienstleistungszentrum zu bündeln. Hier sollen sich Einkaufsexperten nicht nur stärker über wirtschaftliche Fragestellungen austauschen, sondern sich auch mit Fragen ökologischer Produktqualität und den sozialen Herstellungsbedingungen beschäftigen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob Produkte durch Kinderarbeit hergestellt oder mit Umweltgiften belastet sind.

Für Staatsrat Henning Lühr ist klar, dass eine solche Einkaufspolitik nur funktionieren kann, wenn auch die Bedarfe der Nutzer und Anwender in der Verwaltung geklärt sind: „Früher haben wir versucht Putzmittel einzukaufen, die gut für die Umwelt waren, aber nicht sauber gemacht haben – das wurde natürlich nicht akzeptiert.“ Das Finanzressort will deshalb neben den Fachleuten in den Behörden auch Umweltverbände und das entwicklungspolitische Netzwerk Bremen einbinden, um mit den Senatsressorts sinnvolle Produktsortimente zu entwickeln: „Wir wollen das vorhandene know how nutzen und sind froh über den erfolgreich begonnen Dialog. Wichtig ist natürlich die Akzeptanz der späteren NutzerInnen. Nur wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, dass Sie optimale Produktqualitäten zu bestmöglichen Preisen bekommen, kann ein gemeinsamer Einkauf funktionieren“.

Fazit der Fachtagung war, dass der begonnene Dialog fortgesetzt werden soll. In die Überlegungen zum Aufbau eines Dienstleistungszentrums für öffentlichen Einkauf sollen nicht nur Impulse aus den begonnnen Projekten in Hamburg und Düsseldorf einfließen, sondern auch Anregungen von Initiativen und Verbänden. Auch die Forderungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, öffentliche Ausschreibung klarer, strukturierter und transparenter zu gestalten, sind auf Zustimmung der Verwaltungspraktiker getroffen.

Dass fairer Handel und ökologische Lebensmittel auch öffentlich diskutierte Themen sind, haben Auszubildende der Ausbildungsgesellschaft Bremen beim Schulzentrum Neustadt unter Beweis gestellt. Junge Hauswirtschafts- und Beiköchinnen-Azubildende haben für einen Tag die Versorgung der Tagungsteilnehmer/innen übernommen und dabei ausschließlich auf Öko-, Bio- und Fair Trade-Produkte zurückgegriffen.

Die Reihe „Reformmanufaktur Bremen“ wird in den nächsten Monaten mit Veranstaltungen zum Thema Gender Mainstreaming und zum Personalmanagement fortgesetzt.