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Der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen

Landlotsen suchen Zwischennutzer

26.10.2007

Senator für Wirtschaft und Häfen stellt Flächen in der Überseestadt zur Verfügung

Bremen ist als Stadtstaat durch ein begrenztes Flächenpotential gekennzeichnet. Folglich ist die Entwicklung von innerstädtischen Gewerbeflächen im Bestand sowie Brach gefallener bzw. stark untergenutzter Gebiete ein wichtiger Schwerpunkt der bremischen Gewerbeflächenpolitik.

Bei der Umstrukturierung dieser Gebiete kommt es dazu, dass Gebäude leer stehen oder Flächen brach fallen, die an einzelnen Standorten teilweise nur zögernd vermarktet werden können. Diese partiell längerfristig ungenutzten Räume wirken störend, produzieren auf der Quartiersebene ein negatives Image und bewirken so Attraktivitätsverluste der Standorte und erschweren deren Vermarktung. Einer solchen Entwicklung können zeitlich befristete Zwischennutzungen entgegenwirken.

Einen besonders geeigneten Ort für Zwischennutzungen stellt als größtes Projekt der Bremer Stadtentwicklung die Überseestadt dar. Die Neuerschließung des Gebietes über das Hansator, das Überseetor und die Eduard-Schopf-Allee sowie die Ansiedlung des Bremer Großmarktes und der Hochschule für Künste im Speicher XI lösten eine Entwicklungsdynamik aus, die bis heute anhält.

Die zum Büro- und Atelierhaus mit Gastronomie umgebaute Alte Feuerwache, das sanierte Hafenhochhaus, die Umwandlung des Speichers 1 und des Schuppens 2 am Europahafen in zeitgemäß genutzte Gebäude für Arbeit und Freizeit, die kurz vor der Baufertigstellung stehenden Bürogebäude Port 4 und Port 5 sowie das zum modernen Dienstleistungszentrum umgebaute Kaffee-Quartier sind Zeugen eines überaus erfolgreichen Stadtumbau-Prozesses. Die begonnen oder bereits weit fortgeschrittenen Arbeiten an weiteren Bürogebäuden, darunter so herausragende Projekte wie den Weser Tower belegen den gelungenen Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Trotz dieser großen Entwicklungsdynamik, ist eine bauliche Fertigstellung der gesamten Überseestadt kurzfristig noch nicht zu erwarten. Bis 2025 geht der aktuelle Planungshorizont und bis dahin werden auch Baustellen und Brachflächen zur Überseestadt gehören.

„Diese Situation schafft viel Platz für kreative, abwechslungsreiche Nutzungskonzepte, die Ihrerseits zur Attraktivierung des Gebietes beitragen können“, so der Senator für Wirtschaft und Häfen, Ralf Nagel anlässlich der Auftaktveranstaltung des Projekts „ Landlotsen, Zwischennutzungsagentur Bremen“ im Alten Zollamt am Hansator. „Freiräume im Stadtgefüge können soziale und kulturelle Keimzellen für wertvolle und bereichernde Projekte sein, die sich andernorts nicht erproben können. Besonders in einem so einmaligen, kreativen Umfeld mit engster Innenstadtanbindung wie der Überseestadt bieten sich viele denkbare Möglichkeiten für erfolgreiche, den Standort bereichernde Zwischennutzungen.“

Zwischennutzung meint die zeitlich begrenzte Nutzung einzelner Flächen oder Gebäude für verschiedenste Projekte. Die Nutzer profitieren dabei von sehr preisgünstigen Mietzahlungen und sorgen im Gegenzug für die Instandhaltung und den Schutz des Geländes oder des Gebäudes, müssen im Falle einer anstehenden Baumaßnahme die Fläche räumen.

Nagel verwies darauf, dass mit einem solchen Konzept andernorts bereits sehr gute Erfahrungen gemacht worden sind. „Wir wollen das Thema deshalb systematisch angehen und haben mit der Gründung einer Zwischennutzungsagentur einen verlässlichen organisatorischen Rahmen geschaffen“. In den kommenden zwei Jahren wird das Bremer Büro für Stadt und Regionalplanung BPW baumgart+partner unter dem Logo „Landlotsen – Zwischennutzungsagentur Bremen“ die Initiierung und Umsetzung von zeitlich befristeten Nutzungen in der Überseestadt unterstützen.

Die Betreiber von Zwischennutzungen sind oft so unterschiedlich wie die Projekte selbst. Von Vereinen, Bürgerinitiativen, kommunalen Beschäftigungsträgern, öffentlichen oder halböffentlichen Gesellschaften bis hin zu Privatunternehmern reicht das Spektrum der Zwischennutzer. Oft wirken ganze Netzwerke an der Umsetzung einer Idee mit, wie Beispiele nachbarschaftlicher Spiel- und Erlebnisgärten aus Berlin und Leipzig zeigen. Dort wurden in Zusammenarbeit verschiedener Vereine, neu gegründeter Bürgerinitiativen, städtischer Ämter und öffentlicher Beschäftigungsträger brachliegende Flächen zu intensiv genutzten Erlebnisräumen umgestaltet.

Bei der Auftaktveranstaltung des Projektes steckte Projektleiter und Mitinhaber des Büros BPW baumgart+partner, Frank Schlegelmilch einen breiten Rahmen: „Alles ist denkbar, von der dreitägigen Großveranstaltung, über mehrmonatige Skulpturenausstellungen bis hin zu Outdoor-Freizeitsport mit mehrjähriger Laufzeit. Unsere Aufgabe als Landlotsen wird es dabei sein, gemeinsam mit interessierten Nutzern oder Projektträgern geeignete Flächen zu ermitteln und die Projekte in der Startphase bei den notwendigen Abstimmungsprozessen mit den zuständigen Behörden zu betreuen.“

Schlegelmilch stellt eine Vielzahl von Projekten aus anderen Städten vor, die zeigen was hier wachsen könnte: Crossgolf, Autokino, BMX-Rad-Strecke, Hochseilgarten, temporäres Wohnen in Containern, ein Stadtteil- und Skulpturenpark als Begegnungsort, Sonnenblumen-Labyrinth, Drachenfest, Konzert, Zirkus, Jahrmarkt, Auto-Verkaufsmesse, Regatten, Mobile Kulturausstellungen oder Mobiles Theater, Flohmärkte, öffentlichkeitswirksame Experimentierflächen für Zukunftsindustrien, Werbeaktionen, Mietergärten, Inline-Hockey, Verkehrsübungsplatz, Wohnmobilstellplatz umreißen schlagwortartig die ersten Ideen des Büros.

Ein konkretes Vorhaben zeichnet sich für den Frühsommer 2008 ab. Geht alles glatt, laden ab Frühsommer 2008 mehrere Spielfelder Beach-Volley-Ball und eine angeschlossene Gastronomie an der Konsul-Smidt-Straße zum sportlichen und geselligen Miteinander ein.

Unter www.landlotsen.deExternes Angebot werden nähere Informationen und Kontakt zu den Landlotsen angeboten. Dies gilt natürlich auch für andere Vorhaben, die zu ihrer Verwirklichung auf bezahlbare, gut erreichbare Flächen angewiesen sind. Frank Schlegelmilch betont: „Wir wollen dazu beitragen, in diesem ganz besonderen Stadtteil Bremens weitere Akzente zu setzen.“