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Die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz

Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt: Veranstaltung zur Psychiatriereform

03.08.2016
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Senatorin Eva Quante-Brandt

Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung und deren Angehörige sollen künftig stärker einbezogen werden, wenn es um therapeutische und psychiatrische Angebote geht. Bei der Veranstaltung der Reihe "Psychiatrie 2.0 – die Bremer Psychiatrie bewegt sich" machte Gesundheitssenatorin Quante-Brandt am heutigen Mittwoch (03.08.2016) deutlich, dass ihr die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet ein wichtiges Anliegen ist: "Die Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen in die Planung und Umsetzung psychiatrischer Angebote ist ein wichtiger Ansatz, den wir in Bremen bereits erfolgreich praktizieren, den wir aber weiterentwickeln möchten." Die gleichberechtigte Beteiligung bei Belangen der eigenen Genesung und die rechtzeitige Einbeziehung der Angehörigen soll noch stärker der Leitsatz für die Behandlung und Steuerung des psychiatrischen Hilfesystems sein.
Im Rahmen des Fachtages wurde die Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen in einem Workshop aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

So wurde zum Beispiel das Modell der Genesungsbegleiter am Beispiel des Klinikums Reinkenheide in Bremerhaven vorgestellt. Angelika Lacroix, Pflegedienstleitung am Klinikum Reinkenheide, berichtete von den Erfahrungen, die das Klinikum Reinkenheide seit vielen Jahren mit dem Einsatz von Genesungsbegleitern in den psychiatrischen Stationen gemacht hat. Die Klinik Reinkenheide war die erste, die Genesungsbegleiterinnen und - begleiter fest auf dem regulären Arbeitsmarkt ohne Bezuschussung und als Teil des betreuenden Teams als eigene Berufsgruppe auf einer Station einstellte.

Genesungsbegleiterinnen und -begleiter sind Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung mit einer EX-IN-Ausbildung, die die Patientinnen und Patienten begleiten und aus ihrem eigenen Erfahrungswissen anderen Menschen in seelischen Krisen Unterstützung von Betroffenen zu Betroffenen geben können. Durch persönliche Gespräche entsteht hier oft zügig ein tragfähiges Vertrauensverhältnis. Psychiatrie-Erfahrene wachsen in eine neue aktive Rolle hinein. Auch wenn noch einiges zu tun auf dem Weg zu einem kooperativen Miteinander, hat Bremen bereits eine gute Strecke zurückgelegt: so wurde mit der Zustimmung aller Fraktionen festgelegt, dass die zukünftige Entwicklung der Psychiatrie in Bremen unter Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen erfolgt.

Das wird auch ausdrücklich im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Land Bremen betont. Schon jetzt sind Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige in allen wichtigen psychiatrischen Gremien zur Planung und Evaluation der psychiatrischen Versorgung auf regionaler - und Landesebene beteiligt. Bei verschiedenen psychiatrischen Organisationen sind Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige in Steuerungsgremien und Ethikkommissionen beteiligt.

Senatorin Quante-Brandt betonte: "Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleiter in der psychiatrischen Versorgung leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung einer Psychiatrie, die die Anliegen und Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt." Aus diesem Grund soll mit einem Teil der im Bremer Haushalt bereitgestellten Mittel zur Weiterentwicklung der Psychiatriereform im Land Bremen auch gezielt die Beschäftigung von GenesungsbegleiterInnen unterstützt werden.

Zur Veranstaltungsreihe Psychiatrie 2.0:
Mit der Veranstaltungsreihe zur Bremer Psychiatrie möchte die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz den fachöffentlichen Diskurs über die zukünftige Ausgestaltung der psychiatrischen Angebote und Strukturen im Land Bremen weiterführen. Der Austausch über Modelle und Projekte im Land Bremen mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort soll die bestehende Praxis reflektieren, zukünftige Entwicklungsschritte beschreiben und somit Impulse für die Weiterentwicklung der Bremer Psychiatrie geben.