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Sonstige

Wladyslaw Bartoszewski - „Urgestein“ der deutsch-polnischen Verständigung besucht Bremen

15.09.2005

2005/2006 ist das Deutsch-Polnische Jahr – und in dessen Rahmen wird der ehemalige polnische Außenminister und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Wladyslaw Bartoszewski, während eines Deutschlandbesuches am Dienstag, 27. September 2005 auch nach Bremen kommen. Empfangen wird er an diesem Tag am Nachmittag im Rathaus (Obere Halle) von dem Präsidenten des Senats, Bürgermeister Dr. Henning Scherf sowie von Altbürgermeister Hans Koschnick. Dabei wird sich Prof Baroszewski auch in das Goldene Buch eintragen.


Bereits um 11.30 Uhr am Dienstag ist mit Wladyslaw Bartoszewski eine Lesung und Diskussion mit Schülern der Oberstufe im Ökumenischen Gymnasium, Oberneulander Landstraße 143A, geplant. Interessierte Bremerinnen und Bremer sind dazu herzlich eingeladen. Die Schule bittet aus organisatorischen Gründen um kurze telefonische Anmeldung (Telefon 25 67 07).


Um 20.00 Uhr steht dann noch eine weitere Lesung mit Diskussion auf dem Programm. Sie wird von der Stadtbibliothek Bremen, der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen im Wallsaal der Stadtbibliothek Bremen, Am Wall 201, veranstaltet.


Zum Hintergrund

Der polnische Humanist, Journalist, Wissenschaftler und Politiker Bartoszewski (geboren 1922) hat wie kaum ein anderer sein Lebenswerk der Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen gewidmet.

1940-1941 war er einer der ersten Auschwitz-Häftlinge, danach kämpfte er gegen die deutsche Besatzung. Bartoszewski war lange Jahre Mitarbeiter der katholischen Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“, Autor zahlreicher Bücher über die NS-Verbrechen in Polen, Lehrbeauftragter und Professor für Zeitgeschichte an Universitäten in Polen und Deutschland. Im kommunistischen Polen war er mehrfach inhaftiert, u.a. als Mitglied der demokratischen Opposition. Nach der Wende von 1989 war er Botschafter der freien Republik Polen in Wien, anschließend zweimal Außenminister. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen.

Unter dem Titel „Und reiß uns den Haß aus der Seele…“ liest Wladyslaw Bartoszewski aus seinen Erinnerungen, in denen er bewegend den Wandel des deutsch-polnischen Verhältnisses im Wechselspiel von Konflikt und Kooperation nachgezeichnet hat. Er bietet Einblicke in die Entspannungspolitik „von unten“, mit der vor allem polnische katholische Intellektuelle und viele Persönlichkeiten im Westen im Rahmen des damaligen Handlungsspielraums wesentliche Voraussetzungen für die bilaterale Verständigung geschaffen haben.


„Als siebzehnjähriger Pole habe ich am 28. April 1939 eine erschütternde Schimpfrede Hitlers vor dem Reichstag gegen Polen im Rundfunk gehört samt der Erklärung, dass der Nichtangriffspakt mit Polen für ihn nicht mehr gelte. 56 Jahre später, am 28. April 1995, konnte ich als polnischer Außenminister auf Einladung aller deutschen Parteien zu den Deutschen sprechen und eine Perspektive für die weitere positive Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen aufzeigen. In gewissem Sinn war mein Lebensauftrag für die deutsch-polnischen Beziehungen damit erfüllt“, schreibt Bartoszewski in seinen Erinnerungen. Dass er auch heute noch aktiv für die deutsch-polnische Verständigung kämpft, versteht sich für ihn von selbst.


Pressestimmen:

„Es sollte vor allem von der jüngeren Generation beider Staaten aufmerksam gelesen werden und uns allen ein steter Ansporn für mehr Mitmenschlichkeit, Solidarität und Friedfertigkeit im Interesse eines gemeinsamen Europas sein.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.08.2005)


„Eine Begegnung mit Wladyslaw Bartoszewski vergisst man nicht. (…) Wer die Gelegenheit nutzte, das Urgestein der deutsch-polnischen Beziehungen persönlich kennenzulernen, kann gut nachvollziehen, dass es auch die totalitären Systeme Nationalsozialismus und Kommunismus nicht geschafft haben, diesen Menschen zu zerbrechen.“ (Nachrichten 1/2005 der Robert-Bosch-Stiftung)



Der Besuch des ehemaligen polnischen Außenministers
wird koordiniert von:

Forschungsstelle Osteuropa, Universität Bremen,
Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen e.V.,
Stadtbibliothek Bremen und
Konrad –Adenauer-Stiftung Bremen.