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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Erstes Übergangswohnheim für Flüchtlinge in Holzrahmenbauweise wird eröffnet

Senatorin Stahmann: Etwas mehr Individualität für mehr Integration

01.07.2016
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Senatorin Stahmann

Erstmals ist in Bremen ein Übergangswohnheim in der neuartigen Holzrahmenbauweise bezugsfertig geworden. Heute, 1. Juli 2016, hat die Sozialbehörde als Auftraggeberin die Einrichtung in der Blumenthaler Ermlandstraße an den Träger ASB übergeben. Die neue Unterkunft bietet Platz für 250 Geflüchtete. Sie steht auf dem rund 8.000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Tennis-Clubs Blumenthal und wurde in einer Bauzeit von vier Monaten errichtet.

"Turnhallen und alle Zelte, bis auf eines, haben wir inzwischen geräumt", sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport. "Nach und nach können wir den Geflüchteten nun angemessenen Wohnraum und damit wieder etwas mehr Privatsphäre bieten." Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Übergangswohnheims an der Ermlandstraße leben derzeit noch in Nutunterkünften in Bremen Nord und in anderen Bereichen der Stadt. Die Umzüge werden im Laufe der kommenden Wochen stattfinden. "Im Unterschied zu den Notunterkünften können die Bewohnerinnen und Bewohner im Übergangswohnheim ihre eigenen Mahlzeiten zubereiten", sagte Senatorin Stahmann. "Das gibt ihnen ein Stück ihrer Individualität zurück. Und es ist ein wichtiger Schritt zur Integration, allein weil sie jetzt ihre täglichen Einkäufe selbst besorgen können und müssen."

Die technische Konzeption für die Holzrahmenbauten hatte Immobilien Bremen (IB), Anstalt des öffentlichen Rechts, gemeinsam mit dem Hersteller und in enger Abstimmung mit der Senatorin für Soziales entwickelt. Planung und Bauaufsicht lagen beim Bremer Büro "Architekten Plus". Es entstanden vier zweigeschossige, um einen Innenhof gruppierte Wohngebäude sowie ein kleines Haus am Eingang für die Versorgungs- und Technikanlagen. Dort befinden sich auch das Büro und der Gemeinschaftsraum.

Das verwendete Bausystem basiert auf vorgefertigten, einfach zu montierenden Einzelteilen aus Grobspanholz, die vor Ort zu Wohnmodulen mit einer Größe von 13,50 x 6,75 Meter zusammengefügt und mittels spezieller Steckverbände miteinander verbunden wurden. "Dieses Verfahren ermöglicht eine relativ kurze Bauzeit", sagte IB-Geschäftsführerin Susanne Kirchmann. Die Holzbauten können voraussichtlich bis zu 60 Jahre lang zum Wohnen genutzt werden.

"Die mit entsprechenden Brandschutzanlagen und Dreischeiben-Fenstern ausgestatteten Gebäude werden mit Wärmepumpen beheizt und verfügen über eine überdurchschnittlich gute Dämmung, weshalb die Anforderungen der geltenden Energie-Einsparverordnung (EnEV) unterschritten werden", sagte Susanne Kirchmann weiter. "Zur positiven Energiebilanz trägt auch die Gebäudetechnik bei. So werden die Räume ausschließlich durch LED-Lampen beleuchtet."

Jedes der Wohngebäude besteht aus mehreren "Modulen" (Wohnungen), in denen bis zu zehn Personen leben. Jedes Modul ist aufgeteilt in zwei Schlafräume, eine Küche sowie vier Sanitärräume mit WCs und Duschen. In einem der Wohngebäude sind die Wohnungen größer und auf Familien ausgelegt – mit zwei Schlafzimmern und einem zusätzlichen Wohnraum.

Die Gesamtkosten für das Bauprojekt belaufen sich auf rund 6,3 Millionen Euro und liegen damit um rund 20 Prozent unter den Kosten für eine vergleichbare Anlage in Massivbauweise, erläuterte IB-Geschäftsführerin Susanne Kirchmann.

In den Holzrahmenbauten an der Ermlandstraße werden bis zu 250 Geflüchtete eine neue Heimat finden, JPG, 41.7 KB
In den Holzrahmenbauten an der Ermlandstraße werden bis zu 250 Geflüchtete eine neue Heimat finden

Zahlen zum Wohnraum und zum Zuzug von Flüchtlingen in Bremen in 2016
Insgesamt hat die Sozialbehörde die Zahl der Plätze in Bremens Übergangswohnheimen auf derzeit rund 3.000 ausgebaut. Zum Vergleich: Ende 2015 waren es noch rund 2.300 Plätze, Ende 2014 rund 1.200 und Ende 2013 exakt 755. Darüber hinaus haben im Jahr 2014 knapp 1.000 Menschen eine eigene Wohnung in der Stadt Bremen bezogen, im Jahr 2015 waren es fast 2.000 (Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor).

Darüber hinaus verfügt Bremen aktuell noch über rund 3.000 Plätze in Notunterkünften, darunter das Hartmannstift in Vegesack, Hallen auf dem Brinkmann-Gelände sowie an der Scharnhorst-Kaserne, in denen einfache Wohnkabinen abgetrennt sind. Hinzu kommen ein umgenutzter Baumarkt in Oslebshausen, umgebaute Produktionshallen in Osterholz, das frühere Bundeswehrhochhaus sowie zwei Kirchengebäude. "Von den Notplätzen sind derzeit rund 60 Prozent belegt", sagte Senatorin Stahmann, knapp 1.300 Plätze würden aktuell freigehalten: "So haben wir etwas Luft für den Fall, dass die Zahl der neu ankommenden Geflüchteten plötzlich wieder ansteigen sollte." Freigegeben hat die Sozialbehörde seit Jahresanfang unterdessen über 2.500 Plätze in Turnhallen und Zelten.

Darin schlägt sich die Tatsache nieder, dass die Zahl der neu Ankommenden seit Jahresende 2015 beständig zurückgeht. Während die Zentrale Aufnahmestelle des Landes im November noch 1.937 Menschen registriert hat, waren es im Juni nur noch 175. Dennoch hat das Land Bremen in der ersten Hälfte dieses Jahres fast genauso viele Menschen aufgenommen wie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres, das mit 10.274 Geflüchteten in die Geschichte eingeht als das Jahr mit dem stärksten Zuzug seit der Nachkriegszeit. So kamen in der ersten Jahreshälfte 2015 exakt 2.213 Geflüchtete nach Bremen, bis zum 30. Juni 2016 waren es 2.255. "Diese Zahlen zeigen, dass wir uns nicht zurücklehnen können, sondern weiter an dem Bau von guten Unterkünften und bezahlbaren Wohnungen festhalten müssen", sagte Senatorin Stahmann.

Das Bundesland Bremen nimmt nach dem Königsteiner Schlüssel 0,96 Prozent aller Menschen auf, die in der Bundesrepublik Zuflucht suchen. Davon werden 80 Prozent der Stadt Bremen und 20 Prozent der Stadt Bremerhaven zugeordnet.

Die zehn Hauptherkunftsländer bundesweit waren im Juni: Syrien (16,01 Prozent), Afghanistan (14,42 Prozent), Irak (7,51 Prozent), Russische Föderation (7,35 Prozent), Eritrea (7,08 Prozent), Nigeria (3,95 Prozent), Somalia (3,67 Prozent), Iran (3,17 Prozent), Gambia (2,37 Prozent) und Pakistan (2,37 Prozent).

Fotos: Pressereferat der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport