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Lebensmittelhygiene – Brutstätten für Keime vermeiden

13.07.2004

Tipps der Verbraucherzentrale Bremen:


Viele Verbraucher und Verbraucherinnen reagieren mit großer Besorgnis, wenn Meldungen über Schadstoffe in Lebensmitteln veröffentlicht werden. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Bremen zu Recht, denn wer frisches Obst und Gemüse verzehrt, sollte sich nicht vor Pestizidrückständen, wer Eier und Geflügel isst, nicht vor Antibiotika oder wer Toast und Knäckebrot knabbert, nicht vor Acrylamid fürchten müssen.

Doch es gibt noch andere Risiken, die häufig unterschätzt werden. Gemeint sind die Gefahren durch Mikroorganismen, die sich – ganz besonders im Sommer – rasend schnell vermehren und zu teilweise schweren Erkrankungen führen können. Dabei kann es sich um eine Infektion handeln oder sogar um eine Vergiftung, da bestimmte Erreger Toxine (Gifte) bilden können. Zu den Mikroorganismen zählen u.a. Bakterien, Schimmelpilze und Hefen. Sie sind mikroskopisch klein und können erst bei starker Vermehrung mit bloßem Auge, z. B. als Pilzbelag, erkannt werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung berichtet, dass in Deutschland in jedem Jahr etwa 200.000 Erkrankungen durch verdorbene Lebensmittel bekannt werden, fast ein Drittel davon sind Salmonellen-Infektionen. Doch geschätzt wird, dass die tatsächliche Zahl 10 bis 20mal so hoch ist, also bis zu 4.000.000 Fälle jährlich. Wie heftig eine solche Erkrankung ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, in erster Linie von der Art des Erregers, von der Anzahl der Keime und vom Immunsystem des Menschen. Die Palette der Symptome reicht von einer leichten Übelkeit über schweren Brechdurchfall bis hin zur Muskel-Lähmung, Stillstand des Atemsystems und zum Tod des Patienten. So sind Risikogruppen, wie Säuglinge und Kleinkinder, alte Menschen und solche, deren Abwehrsystem infolge einer Erkrankung geschwächt ist, besonders gefährdet. In der Vergangenheit ist es beispielsweise immer wieder zu schweren Salmonelleninfektionen in Altersheimen gekommen.

Durch entsprechende Konzepte und Hygienestandards konnten die Risiken in der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln deutlich gesenkt werden. Ein zusätzliches Problem sind die Tierbestände. Nutztiere können Krankheitserreger tragen, ohne klinische Symptome zu zeigen. Auch die Lagerung und die Zubereitung tierischer Produkte gelten als kritisch. Zu Hause sollte jede/r so sorgfältig wie nur möglich im Umgang und bei der Zubereitung von Lebensmitteln sein.

Tipps der Verbraucherzentrale:

· Kühlketten möglichst kurz unterbrechen, d.h. mit empfindlichen Lebensmitteln immer sofort nach Hause fahren; Tiefkühl-Produkte bei längerem Transport in Papier einschlagen oder aber in einer Isoliertasche transportieren; auch zu Hause nie antauen lassen;

· Vorsicht bei Speisen mit rohen Eiern wegen der Salmonellengefahr, also z.B. bei Tiramisu oder Pudding mit Eischnee: die Eier sollten ganz frisch sein, im Sommer ist eher ein Verzicht ratsam – besonders für Risikogruppen;

· Vorsicht auch beim Umgang mit rohem Geflügel: gründliche Reinigung von allem, was mit der Auftauflüssigkeit in Berührung gekommen ist, der Wischlappen gehört in die Kochwäsche;

· Inhalte von unter Druck stehenden Konserven („Bombagen“) oder Einmachgläsern auf keinen Fall verzehren: es besteht die Gefahr von Botulismus, einer potentiell tödlich verlaufenden Vergiftung durch Bakterien;

· an- oder aufgetaute Eiscreme nicht wieder einfrieren: es besteht die Gefahr, dass sich vorhandene Keime während der Auftauphase stark vermehren; Salmonellen z.B. werden durch das Wiedereinfrieren nur „lahm gelegt“, jedoch nicht abgetötet,

· bei in Folie abgepackten tierischen Lebensmitteln das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht bis zum Schluss „ausreizen“: Untersuchungen z.B. von verpacktem Lachs haben gezeigt, dass er bereits vor Ablauf eines Mindesthaltbarkeitsdatums verdorben sein kann;

· immer beachten, dass aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdaten nur für die ungeöffnete Verpackung gelten; empfindliche Lebensmittel dann auch möglichst schnell aufbrauchen;

· Spül-/Wischlappen in der Küche sehr häufig wechseln: alle zwei Tage, noch besser jeden Tag – sie sind wahre Brutstätten für Keime.


Fragen zu diesem Thema beantwortet die Ernährungsabteilung der Verbraucherzentrale: di von 10.00 bis 13.00 Uhr und do von 14.00 bis 16.00 Uhr unter der Rufnummer 0421/1607754.