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"Haymatloz": Leben im türkischen Exil

15.12.2003

Ausstellung im Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bremen noch bis 22. Dezember geöffnet

"Haymatloz", dieses Wort stempelten die türkischen Behörden deutschsprachigen Flüchtlingen bei ihrer Einreise in die Fremdenpässe. Haymatloz heißt auch die Ausstellung, die Edzard Reuter kürzlich im FB Wirtschaft der Hochschule Bremen, Werderstraße 73, eröffnete. Sie ist noch bis zum 22. Dezember zu sehen. Der ehemalige Chef der DaimlerChrysler AG verbrachte selbst prägende Kinder- und Jugendjahre in der Türkei. Sein Vater Ernst Reuter, der spätere Bürgermeister von Berlin, fand dort Zuflucht.


Während in Nazi-Deutschland viele Menschen verfolgt und vernichtet wurden, lud Kemal Atatürk Wissenschaftler, Politiker und Künstler in die junge türkische Republik ein, um deren Modernisierung voranzutreiben. Ein einzigartiger Glücksfall für viele politische und jüdische Emigranten, der allerdings in Deutschland lange verborgen blieb.


Heute erhalten die Ereignisse von damals neue Aktualität: "Die Kreativität Europas hing immer davon ab, dass Völker sich integriert haben und zueinander gekommen sind - mit unterschiedlicher religiöser Abstammung, unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Traditionen und unterschiedlichen Kulturen." Edzard Reuter erinnerte in seiner Festrede daran wie selbstverständlich die türkische Bevölkerung die deutschen Fremden in ihrer Mitte aufnahmen. Dies habe mit zu dem epochalen geschichtlichen Wandel der Türkei beigetragen. Dessen sei man sich hierzulande nur wenig bewusst. Abschließend zog er eine Parallele zur gegenwärtigen politischen Entwicklung. Auch heute sei es geboten, voneinander zu lernen, aufeinander einzugehen und gegenseitiges Verständnis füreinander zu entwickeln: "Ich hoffe sehr, dass wir alle noch wissen, Fremde unserer Mitte aufzunehmen - und dass das "Voneinander-Lernen" Erfolg bedeuten kann- für alle Beteiligten.


Über 30 Tafeln erzählen vom Leben im türkischen Exil. Der Komponist Paul Hindemith war ebenso darunter wie die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, der Architekt Bruno Taut und der Schriftsteller George Tabori. Eduard Zuckmayer, der Bruder Carl Zuckmayers, übernahm neben der Leitung des neu gegründeten Konservatoriums in Ankara auch die Leitung der Musiklehrerschule. Bis in die vierziger Jahre hinein belegten deutsche Emigranten nahezu die Hälfte der Lehrstühle an der Istanbuler Universität.


Die Ausstellung in der alten Cafeteria der Hochschule Bremen, FB Wirtschaft, Werderstraße 73 ist täglich von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, außer Samstag und Sonntag.


Weitere Informationen erhalten Interessierte auch im Radio-Bremen-Online-Special unter www.radiobremen.de/magazin/gesellschaft/karriere/.


Rückfragen können Sie richten an: Ulrich Berlin (Pressesprecher), Hochschule Bremen, Neustadtswall 30, 28199 Bremen, Telefon: 0421-5905-2245; E-Mail: uberlin@hs-bremen.de