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Der Senator für Finanzen

Typisch deutsch: "Pünktlichkeit, Bürokratie und Kartoffeln"

Bürgermeisterin Karoline Linnert spricht beim Stadtteilbesuch in Obervieland mit Teilnehmern von Integrationskursen

29.04.2016
Karoline Linnert (5. von links) zu Besuch beim Kurs von Radmilla Grabe (6. von links)., JPG, 98.5 KB
Karoline Linnert (5. von links) zu Besuch beim Kurs von Radmilla Grabe (6. von links).

Zwei wichtige Einrichtungen für den Bremer Süden standen auf dem Programm des Stadtteilbesuchs von Bürgermeisterin Karoline Linnert in Obervieland: das Klinikum Links der Weser (KLdW) und die VHS-Zweigstelle Süd. Zu Beginn besuchte die Bürgermeisterin die Volkshochschule in Kattenturm. Nicht zum ersten Mal. Sie erinnerte sich: „Hier habe ich einen sehr schönen Bronzegusskurs absolviert.“

Dr. Sabina Schoefer, Direktorin der Bremer Volkshochschule und kommissarische Leiterin der Zweigstelle Süd, empfing den Gast in den hellen, lichtdurchfluteten Räumen und gab gemeinsam mit Monika Brück einen Überblick über das breitgefächerte VHS-Angebot. „Hier herrscht den ganzen Tag Betrieb. Der erste Kurs startet wochentags um 8.30 Uhr und der letzte endet um 21.30 Uhr. Auch am Wochenende werden die Räume genutzt,“ berichtete Monika Brück. Neben den eigenen Räumen werden auch der Werkraum und die Lehrküche der benachbarten Schule genutzt. Rund 400 Veranstaltungen werden pro Jahr angeboten. Zu den Rennern gehören Gesundheitsangebote wie die Rückenschule, Yogakurse oder Ernährungstipps Auch ein spezieller Kurs für Angehörige dementer Familienmitglieder ist sehr gefragt. Dr. Sabina Schoefer betont: „Wichtig ist uns die enge Zusammenarbeit mit Initiativen und Institutionen aus dem Quartier. Das Angebot ist auf die speziellen Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten.“ Trotz staatlicher Zuschüsse und Ermäßigungen sei das VHS-Angebot für einige zu teuer. Dr. Schoefer: „Niedrige Gebühren sind für uns ein wichtiges Ziel. Wer wenig Geld hat kann bei der Restplatzbörse freie Plätze belegen und zahlt nur 20 Prozent.“ Mit Kunst- und Kulturangeboten wie malen, töpfern oder filzen lockt die Zweigstelle Süd auch Besucherinnen und Besucher aus anderen Stadtteilen an.

Ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen im Stadtteil ist die Sommerwerkstatt für Kinder und Jugendliche von 6 bis 14 Jahren. In den Sommerferien wird in Kooperation mit dem KLdW und dem Martinsclub eine bunte Angebotspalette zusammengestellt – vom Comiczeichnen bis zum Nähkurs, vom BMX-Anfängerkurs bis zur Einführung in den Bau von Lego-Robotern.

Karoline Linnert, Dr. Oberhoff und Michaela Püttmann (von links) auf der Entbindungsstation. Alle Zimmer sind mit Badewannen ausgerüstet. Das Thema Wassergeburt spielt bei den wöchentlichen Führungen eine Rolle. Rund zehn Prozent der Kinder kommen im KLdW so zur Welt., jpg, 43.6 KB
Karoline Linnert, Dr. Oberhoff und Michaela Püttmann (von links) auf der Entbindungsstation. Alle Zimmer sind mit Badewannen ausgerüstet. Das Thema Wassergeburt spielt bei den wöchentlichen Führungen eine Rolle. Rund zehn Prozent der Kinder kommen im KLdW so zur Welt.

Einen praktischen Einblick in das VHS-Angebot bekam die Bürgermeisterin beim Besuch zweier Kurse. Sahin Kitay leitet einen Kurs, in dem überwiegend Flüchtlinge aus Syrien Deutsch lernen. Er freut sich: “Die Gruppe ist hoch motiviert. Alle haben Lust zu lernen.“ Eine Tür weiter, im Kurs von Radmilla Grabe, geht es um die deutsche Geschichte, demokratische Grundregeln und das politische System in der Bundesrepublik. Themen wie die Rechte von Frauen, religiöse Vielfalt, Krankenversicherung oder Gewaltenteilung werden dort besprochen. Neugierig war Karoline Linnert, als sie sah, dass auch ein Punkt „typisch deutsch“ auf dem Stundenplan steht. Die spontane Antwort der Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer aus Lettland, Weißrussland, Bosnien, Kroatien, Kosevo, Albanien, Syrien, Russland, Moldavien und dem Iran auf die Frage, was das für sie sei: „Kartoffeln, Bürokratie, Pünktlichkeit und immer gut strukturiert.“

Die zweite Station des Stadtteilbesuchs war das Klinikum Links der Weser. Beim Gespräch mit der Klinikleitung wurde die Bedeutung des Hauses für die medizinische Versorgung deutlich. Jährlich werden rund 50.000 Patientinnen und Patienten stationär behandelt. Mit über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie einem Umsatz von 160 Millionen Euro per anno ist die Klinik auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das Herzzentrum Bremen am KLdW hat ein überregionales Einzugsgebiet. „Ein medizinischer Leuchtturm mit großem Zulauf. Wir platzen aus allen Nähten und wünschen uns eine Erweiterung“, erklärt Klinik-Geschäftsführerin Angela Peter.

Die Klinik ist von großer Bedeutung für die Bremerinnen und Bremer, sie wird aber auch von vielen niedersächsischen Patientinnen und Patienten genutzt. Karoline Linnert erklärt: „Bremen als Oberzentrum ist für viele Niedersachsen wichtig – nicht nur bei den medizinischen Angeboten, sondern beispielswiese auch im Kulturbereich. Die Qualität der Bremer Angebote überzeugt.“

Nach dem Gespräch stand ein Rundgang durch die Klinik auf dem Programm. Er startete in der Notaufnahme, wo circa 28.000 Patienten pro Jahr versorgt werden. Rund 50 Prozent müssen stationär weiter behandelt werden. „Hier wird niemand abgewiesen“, betonte der Leiter der Notaufnahme, Dr. Götz Herold. Am KLdW ist die erste staatlich anerkannte fachliche Weiterbildung im Bereich Notfallpflege in Deutschland eingerichtet worden. Im April diesen Jahres startete die zweijährige berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahme.

Der Kreißsaal bildete die zweite Station des Rundgangs. Obwohl schon zwei Mal vergrößert wird es dort häufig eng. Wenn möglich werden Patientinnen in andere Kliniken verlegt. „Auch wenn alle Räume voll sind – Notsituationen lösen wir natürlich immer hier im Haus,“ versichert Dr. Oberhoff. Karoline Linnert kennt das Problem: „Wir brauchen in den Bremer Kliniken mehr Kapazität im Bereich der Geburtshilfe.“ Die leitende Hebamme Michaela Püttmann berichtet, dass zunehmend Frauen mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen zur Entbindung kommen. „Wir helfen uns mit Kartensets, manchmal können fremdsprachige Kollegen aus der Klinik dolmetschen. Hilfreich ist es, wenn die Frauen zur Schwangerschaftsberatung in Begleitung eines Dolmetschers kommen.

Zum Abschluss des Rundgangs besuchte die Bürgermeisterin das RehaZentrum, das auch von Spitzensportlern genutzt wird. Klinik-Geschäftsführerin Angela Peter ist überzeugt, dass die Bedeutung der Rehabilitation in der medizinischen Versorgung noch wachsen wird. Dr. Götz Dimanski, Leiter des RehaZentrums, stimmte zu. Er wünscht sich einen zweiten Standort neben dem neuen Klinikneubau Mitte. Karoline Linnert: „Das neue Hulsberg-Quartier wird mit großer Bürgerbeteiligung entwickelt. Viele Nutzerwünsche konkurrieren dort um die zur Verfügung stehenden Flächen. Die Weichen für die weitere Entwicklung werden bis zum Sommer gestellt.“

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dagmar Bleiker, 0421-361-4072

Fotos: Senatorin für Finanzen