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Sonstige

Die Bremer Straßenbahn AG teilt mit:
Prognos-Studie ermittelt Nahverkehr als einen der wichtigsten Standortfaktoren

07.04.2000

Firmen und Betriebe suchen Anschluss an öffentliche Verkehrsangebote,
Verkehrsunternehmen und Wirtschaftsförderung lassen Potenziale ungenutzt und müssen stärker im Standortmarketing kooperieren

Die Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz ist für deutsche Unternehmen ein entscheidendes Kriterium bei der Standortwahl. Doch im Standortmarketing von Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Wirtschaftskammern spielt der Nahverkehr bislang nur eine Nebenrolle. Und abgesehen von den erfolgreich eingeführten Jobtickets, haben viele Verkehrsdienstleister bislang nur wenige differenzierte Angebote für die Zielgruppe "Großkunden Wirtschaftsunternehmen" entwickelt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Prognos AG.

Die Baseler Strategieberater haben im Auftrag des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr (MWMTV) sowie von 17 Verkehrsverbünden und -unternehmen die Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs als Standortfaktor untersucht. Bundesweit wurden 602 Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten befragt. Zusätzlich führten die Schweizer Wirtschaftsforscher Expertengespräche mit Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Wirtschaftskammern und haben Internetauftritte und Informationsunterlagen analysiert.

Die Verkehrsanbindung ist für deutsche Unternehmen der zweitwichtigste Standortfaktor – direkt nach dem Angebot qualifizierter Arbeitskräfte. Dabei legen Firmen und Betriebe nicht nur Wert auf ein gut ausgebautes örtliches Straßennetz und direkte Autobahnanschlüsse, sondern gleichermaßen auf ein attraktives Nahverkehrsangebot. Wichtige Entscheidungsmomente bei der Standortwahl sind der Prognos-Umfrage zufolge, dass

  • Haltestellen für Mitarbeiter und Kunden gut erreichbar sind
  • Busse und Bahnen zuverlässig und pünktlich fahren
  • und eine möglichst direkte Anbindung an den Hauptbahnhof gewährleistet ist.

Weniger Bedeutung haben dagegen Faktoren wie Lohnniveau, Steuerbelastung, Förderprogramme, Freizeitwert oder die räumliche Nähe zu Zulieferern und Forschungseinrichtungen. So lautet der überraschende Befund der Prognos-Studie.

Die von Prognos befragten Unternehmen bewerten den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes, Linienanbindungen und Fahrpläne generell als gut – in Innenstädten und Stadtteilzentren sogar als sehr gut. Allerdings vermissen sie Beratungsangebote und Serviceleistungen zur effizienten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Sie erwarten sowohl von der Wirtschaftsförderung und den Kammern als auch von den Nahverkehrsunternehmen verbesserte Informationen und maßgeschneiderte Angebote – etwa auch zu den Jobtickets, die bislang nur von knapp zehn Prozent der Firmen in den von Prognos untersuchten Regionen genutzt werden. Dabei zeige mehr als jedes zweite Unternehmen ohne Jobticket Interesse an einem solchen Angebot.

Ein enormer Bedarf – so Prognos – bestehe zudem beim Geschäftsreisemanagement. Denn hier könne ein zugeschnittenes Nahverkehrsangebot den Unternehmen echte Gewinnchancen bieten. Laut Umfrage erfolgen 70 Prozent aller Geschäftsfahrten in einem Radius von 50 Kilometern, also im Nahverkehrsraum. Ein entsprechendes Nahverkehrsangebot könne folglich dabei helfen, den Geschäftswagenbestand gering zu halten und die damit verbundenen fixen Kosten zu minimieren.

Aus den Ergebnissen der Prognos-Studie lässt sich folgendes Fazit ziehen: Das öffentliche Verkehrsangebot hat bei Wirtschaftsunternehmen inzwischen ein weitaus besseres Image als bislang angenommen wurde. Allerdings ist die Bedeutung, die der Nahverkehr als wirtschaftlicher Standortfaktor erreicht hat, von allen Seiten deutlich unterschätzt und sind die Wirtschaftskunden als Zielgruppe vernachlässigt worden.

Die Schweizer Wirtschaftsforscher weisen in ihrer Studie deutliche Defizite im Nahverkehrs-Marketing nach: Das Nahverkehrsnetz komme in den Informationsunterlagen der Städte, Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Kammern sowie im Internet und auch in der direkten Beratung ansiedlungs- und umzugsinteressierter Unternehmen zu kurz. Bei der Information über die Verkehrserschließung dominiere der Fernverkehr mit Autobahn-, Luftverkehrs-und Fernbahnanschlüssen. Nur in den Bereichen Einzelhandel und Tourismus sei der Nahverkehr inzwischen Bestandteil des Stadtmarketings, nicht aber bei der Gewerbeförderung.

Auch seitens der Nahverkehrsunternehmen gebe es nur wenige Beratungsangebote für Unternehmenskunden, die neue Standorte planen und erst kürzlich umgezogen sind. In der Regel richte sich das Marketing der Verkehrsdienstleister an Einzelkunden und im Berufsverkehr an einzelne Pendlerinnen und Pendler. Auf mittelständische Firmen und Betriebe gerichtete differenzierte Angebote sind bislang eher die Ausnahme als die Regel.

Hier gilt es, für die Zukunft anzusetzen: "Nahverkehrsunternehmen und die Wirtschaftsförderung haben in ihrer Funktion als Dienstleister für die Wirtschaft gleiche Interessen und müssen daher stärker miteinander kooperieren", konstatieren die Schweizer Strategieberater. Eine gute Nahverkehrserschließung mache einen Standort für ansiedlungsinteressierte Unternehmen interessanter und trage auch zur Zufriedenheit ansässiger Unternehmen bei. So könne mit weniger Abwanderung gerechnet werden. Und die Verkehrsbetriebe können mit maßgeschneiderten Angeboten neue Kunden gewinnen und längerfristig binden.

Für die Kooperation von Wirtschaft und Nahverkehr mit einem zielgruppengerichteten Unternehmensmarketing sieht Prognos bundesweit durchaus einige gute Beispiele: In der Positivliste finden sich unter anderen das Stadtmarketing mit Mobilitätsberatung durch die Stadtwerke Bonn, die kartografische Standortinformation des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg oder das Firmen-Abo "MobilCard" im Großraum Hannover, das zur Expo um spezifische Angebote wie Halbjahres-Abonnements ergänzt wurde. Ebenfalls zur Nachahmung empfohlen sind Projekte wie der Standortatlas in Nürnberg sowie eine Broschüre und eine CD-Rom mit den ÖPNV-Leistungsangeboten in Halle an der Saale. Vorbildlich bewertet werden die spezialisierten Abteilungen zur Großkundenberatung, wie sie sich im Hamburger Verkehrsverbund und im Großraum-Verkehr Hannover finden. Auch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat sich dieses Themas bereits angenommen und geht mit auf den Mittelstand zugeschnittenen Jobtickets und Rabattmodellen verstärkt auf die Wirtschaft zu.

Einen weiteren Ansatz zur Zusammenarbeit stellt Prognos mit der Möglichkeit des Nahverkehrs-Sponsorings durch die Wirtschaft vor, also der Finanzierung von Linien oder Haltestellen. Interessant ist hier die Kooperation der Essener Wirtschaftsförderung mit dem lokalen Verkehrsunternehmen EVAG: Um einen städtebaulich integrierten Gewerbepark M1 mit besonders ansprechenden Haltestellen auszustatten, haben beide zusammen einen Wettbewerb zur Gewinnung von Sponsoren für das Haltestellen-Design ausgeschrieben.

Die Auftraggeber der Studie – neben dem MWMTV und dem VDV sind das die Verkehrsverbund Rhein-Ruhr GmbH, die Stadtwerke Bonn, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, die Stadtwerke Braunschweig, die Bremer Straßenbahn AG, die Rheinische Bahngesellschaft AG, die Essener Verkehrs-AG, die Hallesche Verkehrs-AG, die Hamburger Hochbahn AG, die S-Bahn Hamburg GmbH, die üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG, die Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH, die Kölner Verkehrsbetriebe AG, die Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH, die Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg, die Stadtwerke Wiesbaden AG und die Saarbahn GmbH – wollen diese Ansätze weiter verfolgen und künftig in gemeinsamen Strategiesitzungen mit den Wirtschaftsförderungsgesellschaften und den Wirtschaftskammern zielgruppengerechte neue Angebote für Wirtschaftsunternehmen entwickeln.

Die Prognos-Untersuchung zeigt dazu zahlreiche Möglichkeiten auf. Denkbar sind spezielle, auf einzelne Firmen und Betriebe zugeschnittene Tarifangebote für Jobtickets oder übertragbare Netzkarten für regionale Geschäftsreisen. Zusätzliche Serviceangebote wie eine abendliche Heimfahrtgarantie für die Unternehmensangehörigen oder die Übernahme des Reisemanagements kommen ebenfalls in Betracht. Als Zielorientierung vorgegeben wird ein umfassendes Mobilitätsmanagement mit einem Kombi-Paket aus Dienstleistungen im Nahverkehr und unternehmensintegrierten Car-Sharing-Angeboten. Auch hier gehen zahlreiche Verkehrsunternehmen, zum Beispiel die Stadtwerke Wiesbaden, bereits mit gutem Beispiel voran.

Kontakt:

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, VDV
Friedhelm Bihn, Pressesprecher
Kamekestraße 37 - 39, 50672 Köln
Telefon: (0221)7979-123
Telefax: (0221 ) 514272
eMail: bihn@vdv.de

Die Auftraggeber der Prognos-Studie:

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Köln
Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand
Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Verkehrsverbund Rhein-Ruhr GmbH, Gelsenkirchen
Stadtwerke Bonn
Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
Stadtwerke Braunschweig
Bremer Straßenbahn AG
Rheinische Bahngesellschaft AG
Essener Verkehrs-AG
Hallesche Verkehrs-AG
Hamburger Hochbahn AG
S-Bahn Hamburg GmbH
üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG
Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH
Kölner Verkehrsbetriebe AG
Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH
Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg
Stadtwerke Wiesbaden AG
Saarbahn GmbH