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Landesbeauftragte für Frauen:
"Frauen brauchen mehr Gleichstellung im Beruf - und in der Familie!"

10.05.2000

Dies forderte die Bremer Landesbeauftragte für Frauen, Ulrike Hauffe, zum Auftakt der internationalen Tagung "Von den NachbarInnen lernen - Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Europa", die heute im Rahmen der Bremer Europawoche stattfindet. Konzepte und Praxis der Kinderbetreuung in England, Holland, Dänemark, Schweden und Frankreich werden dort vorgestellt und mit der Situation in Deutschland verglichen. Ziel ist es, von den europäischen Nachbarländern zu lernen.

"Verglichen mit unseren NachbarInnen ist die Betreuungssituation für Kinder in Deutschland noch sehr entwicklungsbedürftig. Insbesondere die Versorgung der 0 bis dreijährigen Kinder mit Krippenplätzen ist in Deutschland mit 7,4 % (Ost immerhin 32 %, West nur 4,1 %!) viel zu niedrig. Auch die Versorgung der Schulkinder mit Hortplätzen weist große Defizite auf.

"Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsmarktchancen von Frauen und ist eine wesentliche Ursache für die fortdauernde Ungleichheit zwischen Frauen und Männern im Beruf," so Ulrike Hauffe. Noch immer ist der durchschnittliche Verdienst von Frauen um ein Drittel niedriger als der der Männer. Teilzeitarbeit als Indiz für eine Übernahme von Erziehungs- und Familienverantwortung wird zu 90 % von Frauen geleistet. Die Rückkehr in den Beruf ist angesichts der Arbeitsmarktsituation schwierig. Verschwindend gering ist mit 2 % der Anteil der Männer im Erziehungsurlaub.

Zwar sind in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Reihe von Fortschritten erzielt worden, z.B. der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für 3 bis 6-Jährige oder eine höhere Anrechnung der Kindererziehungszeiten bei der Rente. Aktuell liegt ein Gesetzentwurf der Bundesregierung, der Verbesserungen beim Erziehungsurlaub und Erziehungsgeld vorsieht, wie die Anhebung der Einkommensgrenzen und der Anspruch auf Ermäßigung der Arbeitszeit für beide Eltern in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.

Insgesamt kann und muss der wachsenden Wunsch von Frauen nach Berufstätigkeit durch gute Kinderbetreuung noch besser berücksichtigt werden. Ein Blick über den nationalen Tellerrand zeigt, dass fast alle vorgestellten europäischen Länder höhere Beschäftigungsquoten von Frauen aufweisen.

Ulrike Hauffe: "Wir haben eine gut ausgebildete Frauengeneration, die Familienverantwortung nicht auf Kosten ihrer Berufstätigkeit will und die nicht mehr bereit ist, einseitig die Belastungen zu tragen. Dem muss diese Gesellschaft endlich Rechnung tragen."