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Sonstige

Die Bremische Hafenvertretung e.V. (BHV) auf rechtweisendem Kurs
Gestern Jahresmitgliederversammlung der BHV im World Trade Center

16.06.2000

„Ich rufe sehr gern in Erinnerung, dass die Bremischen Häfen im vergangenen Jahr mit einem Gesamtumschlag von 36 Mio. t. ihr bisher bestes Jahresergebnis erzielt und damit ihre gute Wettbewerbsposition in der Nordwest-Range weiter ausgebaut haben“. Das hob Helmut H. Detken, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Bremischen Hafenvertretung e.V., gestern (15.06.2000) im Rahmen der Ordentlichen Jahresmitgliederversammlung seiner Organisation im World Trade Center hervor.

Wie Detken weiter betonte, habe das seit Jahren ungebrochene Wachstum bei den Containerverkehren auch 1999 wieder entscheidend zur insgesamt positiven Umschlagsentwicklung beigetragen. Mit 21,9 Millionen Tonnen hätten die genormten Boxen um rund 20,3 Prozent zugelegt. Auf TEU umgerechnet ergebe sich ein Plus von etwa 22 Prozent auf 2,2 Millionen Standardcontainer. Rückläufig habe sich dagegen der konventionelle Stückgutumschlag entwickelt, der um etwa 0,6 Millionen Tonnen auf 5,2 Millionen Tonnen abgenommen habe. Auch der Massengutumschlag habe mit einem Minus zu Buche geschlagen. Mit insgesamt 8,95 Millionen Tonnen sei das Ergebnis des Massenguts um rund 1,5 Millionen Tonnen hinter dem Vorjahresumschlag zurückgeblieben.

Ein erneutes Rekordergebnis habe dagegen Europas führender Autohafen Bremerhaven erreicht. Mit 1,13 Millionen Einheiten, die über die Anlagen der BLG Automobile Logistics und den Euro-Terminal im Fischereihafen gerollt seien, habe der Automobilumschlag ein Glanzlicht in der Hafenstatistik gesetzt. Zum siebten Mal in Folge habe die Seestadt bei den Exporten ihr Vorjahresergebnis gesteigert. Und mit mehr als 600.000 Einheiten sei der Import um rund 100.000 Einheiten übertroffen worden.

Das außerordentlich starke Wachstum im Containerverkehr hat nach Aussagen des BHV-Geschäftsführers mehrere Ursachen. Neben der im Januar 1999 beendeten Vertiefung der Außenweser-Fahrrinne auf 14 Meter unter Seekartennull wirkten sich vor allem die Fusion der BLG Container GmbH & Co. mit der Hamburger Eurokai zur EUROGATE-Gruppe und die Kooperation mit der weltweit führenden Reederei Maersk-Sealand aus. So habe das Gemeinschaftsunternehmen NTB (North-Sea Terminal Bremerhaven GmbH) 756.000 TEU umschlagen, eine Menge, die laut ursprünglicher Planung erst für das Jahr 2003 prognostiziert sei.

Wichtigstes Fahrtgebiet der Bremischen Häfen mit 40 Prozent des gesamten Containeraufkommens bleibe nach wie vor Nordamerika. Rund sieben Prozent Zuwachs hätten die Verkehre mit den USA und Kanada erreicht. Vor allem das starke Wachstum der US-Wirtschaft sei für eine weitere Stärkung des wichtigsten Fahrtgebiets, der nordamerikanischen Ostküste, verantwortlich. Auf niedrigerem Niveau, dafür aber mit prozentual höheren Zuwachsraten, hätten sich die Verkehre mit Mittelamerika und der Karibik entwickelt. Die 1998 verlorengegangenen Marktanteile in der Ost- und Südostasienfahrt hätten im Jahresverlauf 1999 wieder zurückgewonnen werden können. Vor allem die Überwindung der Asienkrise habe dazu beigetragen, dass der Umschlag von Containern aus und für Häfen in Fernost um rund 40 Prozent auf 409.000 Standardcontainer (TEU) zulegte.

Der konventionelle Stückgutumschlag sei 1999 auf 5,2 Millionen Tonnen zurückgefallen, nachdem er noch in den Jahren zuvor konstant bei 5,9 Millionen Tonnen gelegen habe. Vor allem der Eisen- und Stahlumschlag sei nachfragebedingt um 800.000 t auf 1,2 Millionen Tonnen zurückgegangen. Dagegen habe sich der Umschlag von Waldprodukten mit etwa einer Million Tonnen auf dem Niveau des Vorjahres behauptet.

Wie Detken weiter betonte, habe der Güterumschlag im Industriehafen mit rund 4,3 Mio. t das Niveau des Vorjahres erreicht. Mit hohen Investitionen habe beispielsweise die Weserport GmbH in den vergangenen Jahren ihre Anlagen optimiert. An drei Terminals mit insgesamt 1.300 Meter Kailänge würden Panmax-Schiffe bis 230 Meter Länge und 10,7 Meter Tiefgang festmachen können. Ab Sommer dieses Jahres werde in Bremen-Oslebshausen die Industriehafenschleuse um 1,5 Meter auf 9,5 Meter unter Normalnull vertieft. Für das Projekt seien Investitionskosten von rund 24 Millionen Mark vorgesehen. Nach Fertigstellung der Arbeiten könnten dann vier Panmax-Schiffe pro Hochwasser geschleust werden. Für die im Industriehafen tätigen Unternehmen mit rund 3.000 Arbeitsplätzen würden sich daraus zahlreiche Vorteile ergeben.

Die Durchfuhrverkehre inklusive Transshipment seien 1999 um rund zehn Prozent auf insgesamt 4,5 Millionen Tonnen angewachsen, hob Detken hervor. Damit hätten die Transitverkehre erneut einen Anteil von 12,5 Prozent am Gesamtumschlag der Bremischen Häfen erreicht. Mit Abstand wichtigster Transitpartner sei auch im Berichtsjahr das Nachbarland Österreich. Das Ladungsvolumen steigerte sich um rund 100.000 Tonnen auf nunmehr 544.441 Tonnen. Highlights setzten erneut die Transitverkehre nach Tschechien (275.000 Tonnen) und Ungarn (250.000 Tonnen). Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen, Polen und Russland gehörten ebenfalls zu den wichtigsten Bestimmungs- bzw. Ursprungsländern im Seetransit über die Bremischen Häfen. Erfreulich sei ferner, dass die Bremischen Häfen auch wieder in den alten Bundesländern Fuß gefasst hätten. Bis auf die durch den Rhein wettbewerblich schwierigen Einzugsbereiche Hessen und Rheinland-Pfalz hätten die Bremischen Häfen ihre Stellung auf relativ hohem Niveau in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Saarland und Bayern weitgehend gefestigt. Stärkstes Partnerland sei jetzt Niedersachsen, das Nordrhein-Westfalen vom ersten Platz verdrängt habe. Der Umschlag mit Ostdeutschland gestalte sich weiterhin schwierig, jedoch habe das Vorjahresergebnis um 23 % auf 415.000 Tonnen gesteigert werden können.

Der BHV-Geschäftsführer wies ferner darauf hin, dass mit der Internationalisierung sich auch die bremische Verkehrswirtschaft den Anforderungen der Globalisierung stelle. Allianzen, Joint Ventures und gezielte Kooperationen seien prägende Bestandteile dieses Prozesses, der sich zweifellos weiter fortsetzen werde. Der Aufbau von Netzwerken sei das Ziel. Nur mit komplexen Netzwerken und logistischer Kompetenz lasse sich die Forderung der Märkte nach zuverlässiger, weltumspannender Transportlogistik erfüllen. Die Bremischen Häfen würden dieser Forderung gerecht.

Die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft sei deswegen umstrukturiert worden und habe sich inzwischen mit ihren Einzelunternehmen, mit strategischen Allianzen, Joint Ventures und Beteiligungen zu einem umfassenden Dienstleister für den Außenhandel entwickelt.

Dabei könne die Tatsache, dass bei den Kunden eine gewisse Tendenz zu zentral angebotenen Dienstleistungen zu beobachten sei, die Stellung der Bremer Seehafenspedition und die langjährige Arbeitsteilung innerhalb der bremischen Seehafenverkehrswirtschaft empfindlich beeinträchtigen.

Darüber hinaus habe beispielsweise die Gründung reederei-eigener Seehafenbüros bereits zu einem erheblichen Bedeutungsverlust des freien Bremer Schiffsmaklergewerbes geführt.

Die Bremische Hafenvertretung habe sich auf diese externen und internen Strukturveränderungen einzustellen.

Bei der internationalen Orientierung im Zuge des laufenden Globalisierungsprozesses dürfen die Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Anlagen in Bremen selbst natürlich nicht vernachlässigt werden, forderte Detken. Die reine Umschlagsmengenverschiebung zugunsten Bremerhavens mit den modernen Container- und Auto - Terminals dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass zum Beispiel auch der Bremer Industriehafen mit seiner Vielzahl von Unternehmen und etwa 3000 Mitarbeitern bei breites Leistungsspektrum biete. Ebenso sei es im Neustädter Hafen, wo leistungsfähige Terminals auf Forstprodukte und Projektgeschäfte spezialisiert seien.

Nicht zu vergessen seien auch die traditionellen Hafenreviere rechts der Weser, in denen etwa 300 Unternehmen mit zahllosen Spezialdienstleistungen befasst seien, auch wenn sich das Umschlagsgeschäft selbst von dort auf andere Anlagen verlagert habe. Die Restrukturierung dieses großräumigen, zusammenhängenden Areals unter besonderer Berücksichtigung der bedeutenden Außenhandelsinteressen Bremens sei eine zukunftsweisende Herausforderung.

Dem neuen Präsidenten der Bremischen Hafenvertretung e.V., Senator Josef Hattig, bescheinigte Detken, ein ausgewiesener Marketing-Fachmann zu sein. Der ehemalige Geschäftsführer der Brauerei Beck & Co. und frühere Präses der Handelskammer Bremen habe sich zum Ziel gesetzt, die Bremischen Häfen weiter zu modernisieren und so ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Er begrüße die Entwicklung neuer Kooperationsmodelle für die norddeutschen Häfen, weil damit der Konkurrenz aus den Westhäfen langfristig Paroli geboten werden könne. So würden beispielsweise Niedersachsen und Bremen bei der Vermarktung ihrer Häfen künftig enger zusammenarbeiten. Eine entsprechende Verabredung hätten Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Peter Fischer und Senator Josef Hattig bereits im August 1999 getroffen mit der Devise, dass man nicht länger durch die „Niedersachsen-„ oder „Bremen-Brille“ schauen dürfe, sondern den Westhäfen Paroli bieten müsse. Nur durch Zusammenarbeit könne eine dauerhafte Überlebensfähigkeit der norddeutschen Häfen gesichert werden.

Die Zusammenführung der Ressorts Hafen und Wirtschaft habe auch für die BHV eine neue Situation geschaffen. Die Fragestellung laute: Ist die BHV in ihrer bisherigen Konstruktion sinnvoll? Der kritischen Diskussion habe sich die Bremische Hafenvertretung selbstbewusst gestellt und in einer umfangreichen Benchmarking-Analyse mit den Häfen Hamburg, Rotterdam, Antwerpen und Standorten in Niedersachsen nachgewiesen, dass sie die privaten und staatlichen Mittel vergleichsweise effektiv einsetze und nutze. Obwohl die Notwendigkeit der BHV unbestritten sei, werde sie doch einige strukturelle Veränderungen vornehmen. Dazu zählten die Schließung bzw. Zusammenlegung von Büros, die Einrichtung neuer Repräsentanzen, die Konzentration von Akquisitionsaktivitäten in der Bremer Zentrale und die Entwicklung neuer Service-Angebote.

Während sich praktisch alle Unternehmen der bremischen Seehafenverkehrswirtschaft – einschließlich der umstrukturierten BLG – in erster Linie ihren Unternehmenszielen verpflichtet sähen und nicht dem Standort Bremen/Bremerhaven, sei die BHV auch künftig die einzige unternehmensneutrale und dabei strikt auf die Bremischen Häfen ausgerichtete Akquisitions-, PR- und Marketingsorganisation. Auch eine „neue“ BHV werde diese Aufgabe nur in einem engen Dialog mit ihren Mitgliedsunternehmen durchführen. Sie werde jedoch künftig erfolgs- und erlösorientierter am Markt agieren müssen, um sich dem externen und internen Strukturwandel anzupassen, konkrete Akquisitionserfolge zu erzielen, Einnahmeverluste zu kompensieren und eine qualifizierte Arbeitsfähigkeit zu sichern.

Darüber hinaus wäre die BHV auch in der Lage, weitergehende Dienstleistungen unter Ausnutzung ihrer Vor-Ort-Kenntnisse und –Verbindungen anzubieten und zu übernehmen, so z.B. im Bereich der Unternehmensansiedlung für die Bremer Investitionsgesellschaft, im Bereich der Tourismusförderung für die Bremer Touristik Zentrale oder im Bereich des allgemeinen Stadtmarketings für die Bremen Marketing GmbH. Gleiche Angebote sollten auch den entsprechenden Bremerhavener Institutionen unterbreitet werden, meinte Detken.

Den Mitgliedern der Bremischen Hafenvertretung würden künftig weiter verbesserte Dienstleistungsangebote zur Auswahl stehen. Dabei werde zwischen einem Basispaket, das im Mitgliedsbeitrag enthalten sei, und einem kostenpflichtigen Zusatzpaket unterschieden.

Die Mitarbeiter der Bremischen Hafenvertretung hätten im vergangenen Jahr erneut vielfältige Aktivitäten durchgeführt. Kunden und Geschäftspartner seien betreut, neue Kontakte hergestellt und bestehende vertieft worden. Insgesamt seien 1999 mehr als 4.500 physische Akquisitionsbesuche durchgeführt worden. Die Zahl der BHV-Veranstaltungen habe sich auf mehr als 4.500 summiert.

Zu den Veranstaltungshighlights zählten die Düsseldorfer „boot“, die „Eurocargo“ in Düsseldorf, die Hannover-Messe, die „transport ‚99“ in München, die „TransRussia“ in Moskau, die „Kieler Woche“, der 35. Kapitänstag mit Gästen aus den Partnerländern Hamburg/Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die Logistik-Messe in Prag, der „Tag der deutschen Seehäfen“ in Weingarten und Stuttgart, der 16. Deutsche Logistik-Kongress in Berlin, der Deutsche Außenwirtschaftstag in Bremen sowie eine Veranstaltung im Rahmen der Außenweservertiefung.

Die ökonomische Situation im Umfeld der Häfen habe sich grundlegend gewandelt, fuhr Detken fort. Globalisierung, Öffnung der Europäischen Union für neue Mitgliedsstaaten, Marktverhalten großer Reederkonsortien, Deregulierungstendenzen auf staatlicher Seite, knappe Haushaltsmittel – all dies habe die Rahmenbedingungen verändert, unter denen die Bremischen Häfen arbeiteten und wirtschafteten. Umso wichtiger sei es, die Entscheidungsprozesse im Hafen zu beschleunigen und Betriebsabläufe auf geänderte Bedingungen einzustellen.

Die von Senator Hattig geplante Port Authority solle vor allem den Hafen wirtschaftlich-unternehmerisch führen, für hohe Kostentransparenz sorgen und die ökonomische Nutzung der Flächen optimieren. Dazu solle sie u.a. eine einheitliche Führung der Häfen und die Weiterentwicklung zu einer „Systemeinheit Hafen“ wahrnehmen, für die bedarfsgerechte Bereitstellung der Hafeninfrastruktur verantwortlich sein, die Bewirtschaftung von Hafengrundstücken, Vergabe von Erbbaurechten, Vermietung und Verpachtung von Hafenflächen und Grundstücken managen, den Betrieb von Anlagen und Schleusen führen, Dienstleistungen im Hinterlandverkehr (Ganzzüge, Container-Shuttles usw.) sowie auf technischem Gebiet anbieten und hoheitliche Aufgaben übernehmen. Außerordentlich wichtig sei dabei, dass die „Port Authority“ die Flächenpolitik und –vermarktung – auch und gerade mit Hilfe der Bremischen Hafenvertretung - verantwortlich managed und die Ansiedlungen für den Hafenbereich formuliere und entscheide. Zudem solle die „Port Authority“ - nicht weniger wichtig - den Aufbau von Marketing-, Werbe- und Akquisitionsmaßnahmen in enger Kooperation mit bestehenden

Einrichtungen vorantreiben. Die Bremische Hafenvertretung begrüße die Absicht des Senats, unter der Port Authority auch die Marketing-, Akquisitions-, Werbe- und PR-Aktivitäten neu zu ordnen. Die BHV, die im Konzept eine maßgebliche Rolle spiele, werde die Aufgaben mit der von ihr gewohnten Professionalität angehen und bewältigen.

Abschließend wies Detken darauf hin, dass die Bremische Hafenvertretung noch in diesem Jahr personelle Kapazitäten und Bürofazilitäten für den Aufbau eines „Short Sea Shipping Promotion Centres“ aufbauen werde, das mit Partnerbüros in ganz Europa ein Netzwerk bilden werde und die Idee „From Road to Sea“ vermarkten solle. Neben Bremen bildeten Standorte in Schweden, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Großbritannien ein europäisches Netzwerk.