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Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa

Hafenausbau in Bremerhaven: Bremer Senat dehnt Planung für CT IV bis zur Landesgrenze aus

05.02.2002

Stromkaje am Containerterminal “Wilhelm Kaisen” soll für vier Liegeplätze um insgesamt etwa 1700 Meter verlängert werden - Senator Josef Hattig: “Prognostiziertes Wachstum erfordert konsequentes Handeln”

Der Bremer Senat hat am Dienstag (5.2.2002) beschlossen, die Planung für Containerterminal IV auf die zweite Baustufe auszudehnen. Die Baustufen 1 und 2 umfassen damit den Bau von insgesamt vier Liegeplätzen an einem etwa 1700 Meter langen neuen Kajenabschnitt. Senator Josef Hattig: “Das prognostizierte Wachstum im Containerverkehr erfordert konsequentes Handeln.”

Im März 2000 hatte der Senat zunächst Mittel für die Planung einer aus zwei Liegeplätzen bestehenden Terminalerweiterung beschlossen. Mit ihrer aktuellen Entscheidung reagiert die Landesregierung auf eine Prognose der Verkehrswissenschaftler von Planco aus dem Sommer 2000. Die Wissenschaftler erwarten bis zum Jahre 2015 folgende Umschlagsmengen in Bremerhaven: 2000 (Ist) 2,7 Millionen TEU, 2005: 3,442 Millionen TEU, 2010: 4,165 Millionen TEU, 2015: 4,889 Millionen TEU. Dieser Erwartung liegt im Zeitraum von 2000 bis 2015 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Boxenumschlags von 4,3 Prozent zugrunde. Wird die erforderliche Kapazitätsreserve berücksichtigt, handelt es sich um 3,958 (2005), 4,789 (2010) und 5,683 Millionen TEU.

Durchschnittlich 4,3-prozentiges Wachstum als vorsichtige Prognose

Hattig: “Angesichts der jüngsten Wachstumsquoten im Bremerhavener Containerumschlag kann ein durchschnittlich 4,3-prozentiges Wachstum als vorsichtige Prognose gelten.” Von 1998 bis 2000 hatte sich der Boxenumschlag an der Wesermündung um insgesamt 50 Prozent erhöht und war damit stärker gewachsen als in fast allen Häfen der Welt.

Mit der auf vier Liegeplätze ausgelegten Terminalerweiterung will der Bremer Senat Marktanteile in der Hamburg-Antwerpen-Range sichern und neu hinzu gewinnen. Außerdem geht es darum, angesichts langer Planungsvorläufe zügig auf das absehbare Marktwachstum zu regieren, Planungssicherheit zu schaffen und mit der durchgehenden Baumaßnahme die Baukosten zu senken.

Kapazität wird auf 5,6 Millionen TEU erweitert

Mit der im Jahre 2007 geplanten Inbetriebnahme des letzten von vier CT IV-Liegeplätzen wird am Terminal eine Gesamtkapazität von 5,6 Millionen TEU vorhanden sein. Dies wird nach Hattigs Worten auch den Planungsanforderungen der Reeder entsprechen und Kapazitätsengpässe an der bestehenden Anlage vermeiden.

An der Stromkaje werden die prognostizierten Containermengen laut Planco bis 2015 eine deutliche Zunahme der Schiffsankünfte bewirken. Gegenüber 1999 bedeutet dies eine Zunahme des Containerschiffsverkehrs nach Bremerhaven um etwa 70 Prozent. Die Zahl der Post-Panamax-Schiffe mit mehr als 4500 TEU-Stellplätzen wird sich bis 2015 noch stärker erhöhen.

Daraus leitet Planco bis Mitte nächsten Jahrzehnts einen Bedarf für vier neue Großschiffsliegeplätze ab. Für Stellplatz- und Arbeitsfläche bedeutet dies einen Erweiterungsbedarf von gut 90 Hektar. Durch den Ausbau von Kaje und Terminal bis zur Landesgrenze kann der Bedarf gedeckt werden.

Hafenausbau schafft neue Arbeitsplätze

Wie Hattig ergänzte, sicherten der Containerumschlag und die damit verbundenen Dienstleistungen im Jahre 2000 die Arbeitsplätze von insgesamt etwa 36000 Beschäftigten in Bremen, Bremerhaven und dem Umland. Sie waren auf dem Terminal, in der Hafenwirtschaft sowie in der hafenabhängigen und -bezogenen Industrie tätig. Als Folge des weiteren Ausbaus rechnet das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik auf der Basis der erwarteten Mengenentwicklung damit, dass die Zahl der vom Container abhängigen Arbeitsplätze bis 2005 auf 42300, bis 2010 auf 47500 und bis 2015 auf 51300 steigen wird. Dies wären 43 Prozent mehr als im Jahre 2000.

Laut ISL werden nach einer Vollauslastung des Terminals mit einem Umschlag von jährlich 5,6 Millionen TEU in Bremen und Bremerhaven sowie im Umland mit weiteren rund 4700 Jobs sogar bis zu 56000 Arbeitsplätze vom Container abhängen. Die erwartete positive Rentabilität soll durch eine Untersuchung belegt werden.

Reine Baukosten von etwa 480 Millionen Euro

Zur Zeit erarbeitet die Hafengesellschaft BremenPORTS eine Kostenberechnung für den Terminalausbau. Die bisher vorliegenden Kostenermittlungen führen zu folgender Schätzung: Infrastruktur von CT IV (Gelände, Fläche, Deiche, Ver- und Entsorgung) sowie terminalnahe Infrastruktur (Kajenbereich) sind mit Investitionen von rund 346 Millionen Euro verbunden. Für Kompensationsmaßnahmen, Grunderwerb, Immissionsschutz sind weitere 114 Millionen Euro erforderlich. Insgesamt werden die reinen Baukosten bei rund 480 Millionen Euro liegen.

Um bedarfsgerecht bis Ende 2007 den Gesamtausbau zu vollenden, muss das Planfeststellungsverfahren für CT IV bis Ende Dezember 2002 eingeleitet werden. So ist ein Baubeginn im Mai 2004 möglich. Ziel des Senats ist es, zeitliche Verzögerungen zu vermeiden und die Planfeststellung möglichst in einem Verfahren durchzuführen.

Kostenvorteil von etwa 25 Millionen Euro

Ein direkter Vergleich der Baukosten - einerseits als durchgehende Maßnahme, andererseits mit zwei voneinander getrennten Bauabschnitten - ergibt einen Kostenvorteil von etwa 25 Millionen Euro, wenn die vier Liegeplätze als Gesamtprojekt konzipiert werden. Die Ursachen dafür liegen unter anderem in geringeren Ausgaben für den Einsatz von Baugeräten, zum Beispiel bei der Nassbaggerei und beim Rammen der Spundwandbohlen sowie beim Deichbau.

Im Frühjahr wird der Senat die Finanzierung von CT IV beschließen. Senator Hattig: “Dabei ist zu prüfen, inwieweit der künftige Terminalbetreiber an der Finanzierung der terminalnahen Infrastruktur beteiligt werden kann.”