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Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa

35-Millionen-Mark-Investition in Bremerhaven trägt wesentlich zur Lösung des TBT-Hafenschlickproblems bei

19.07.2001

Neuer Freilaufkanal leitet schwebstoffarmes Oberflächenwasser aus der Weser in den Überseehafen – Staatsrätin Winther:


"Interessante Landmarke am Deich ist lohnendes Ziel für Spaziergänger"


"Der beste Schlick ist der, der gar nicht erst anfällt und deshalb auch nicht entsorgt werden muss." Mit diesen Worten hat die Staatsrätin und Bremerhaven-Beauftragte beim Senator für Wirtschaft und Häfen, Sibylle Winther, am Donnerstag (19.7.2001) die Fertigstellung des neuen Freilaufkanals kommentiert. Bei einem Ortstermin in der Seestadt ließ sie sich von Dr. Hans-Werner Vollstedt vom Hansestadt Bremischen Hafenamt (HBH) über das erfolgreich beendete Bauvorhaben informieren. Die 35-Millionen-Mark-Investition trägt erheblich zur Lösung des Hafenschlickproblems in Bremerhaven bei.

Bei der Entsorgung von mit dem Schadstoff Tributylzinn (TBT) belastetem Hafenschlick haben die HBH-Ingenieure in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand nach intelligenten Lösungen gesucht. Dies wurde erforderlich, nachdem das Land Niedersachen im Herbst 1997 ein Verklappungsverbot für mit TBT kontaminierten Schlick aus Bremerhaven erlassen hatte.

"Das HBH hat schnell und ausgesprochen professionell auf die neue Situation reagiert", sagte Staatsrätin Winther am Donnerstag. Unter großem Zeitdruck hatte die Hafenverwaltung ein Konzept mit diversen Einzelmaßnahmen entwickelt. Dabei ging es wesentlich darum, den Baggerguteintrag in den Überseehafen (1997: rund 270.000 Kubikmeter, Peilaufmaß) deutlich zu verringern und das Schlickaufkom-men damit massiv zu verringern.


Deutlich weniger Sedimente im Hafen

Durch den neuen Zuwässerungskanal wird schwebstoffarmes Oberflächenwasser aus der Weser in den Überseehafenbereich geleitet. Damit trägt das Bauvorhaben erheblich zur Verringerung der Baggergutmengen im Überseehafenbereich von Bremerhaven bei. Die vom HBH eingeleiteten Maßnahmen reduzieren die Sedi-mentzufuhr in die hinter Nord- und Kaiserschleuse gelegenen Hafenbecken auf nur noch 75.000 Kubikmeter pro Jahr, also auf unter 30 Prozent der Menge aus dem Jahre 1997.


Der neue Kanal, der die Weser mit dem südlichen Teil des Kaiserhafens I verbindet, ist insgesamt 240 Meter lang und 7 Meter breit. Im Deichbereich entstand ein Betriebsgebäude, das zwei Schützlinien mit je zwei hydraulisch betriebenen Rollschützen enthält.

Bei Hochwasser und geöffneten Schützen fließt das schwebstoffarme Weserwasser im freien Gefälle in den Kaiserhafen I. Schutzdalben sichern den Freilaufkanal gegen mögliche Kollisionen mit Schiffen.


2,9 Millionen Mark ökologische Kosten

In den Gesamtkosten von etwa 35 Millionen Mark sind ökologische Kosten von rund 2,9 Millionen Mark enthalten. Weil das neue Wasserbauwerk in einem Biotop mit der Bewertung "mäßig ausgebauter Fluss" entstand, mussten Ausgleichsmaßnahmen eingeleitet werden. Dazu gehören künftig sogenannte "Blindschleusungen" (Schleusungen ohne Schiffsverkehr) am Bremerhavener Tidesperrwerk, die Fischen in der Geeste das Passieren der dortigen Schleuse erleichtern.

Außerdem wird auf dem Gebiet der Stadtgemeinde Bremerhaven am Spadener Markfleet ein Reinigungspolder angelegt. Der Polder soll auf einer etwa drei Hektar großen Fläche die Lebensmöglichkeiten für Wassertiere in der Geesteniederung verbessern.

Staatsrätin Winther verwies auch auf den touristischen Nebeneffekt des neuen Freilaufkanals: "Jetzt schiebt sich ein etwa 150 Meter langer Steg in die Weser. So entstand am Weserdeich eine interessante Landmarke – ein lohnendes Ziel für Spaziergänger, denen sich beim Blick auf Stadt und Strom ganz neue Perspektiven erschließen."