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Der Senator für Inneres

Senator Thomas Röwekamp: „Wir müssen Kinder stark machen!“

27.01.2005

Innenressort und Polizei Bremen starten neues Präventionsprogramm in Bremer Grundschulen

„Im Kampf gegen Gewalt und den sexuellen Missbrauch gegen Kinder und Jugendliche kommt es darauf an, Kinder stark zu machen. Wir müssen alles dafür tun, um dieses Engagement auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen,“ erklärte der Senator für Inneres und Sport, Thomas Röwekamp, zum Auftakt des Präventionsprojektes „Kinder stark machen“ am Donnerstag (27.01.2005) in Bremen. „Ich freue mich, dass das Programm „Kinder stark machen“ nach der erfolgreichen Pilotphase im Norden der Hansestadt jetzt auf ganz Bremen ausgeweitet werden kann. Den beteiligten Polizeibeamtinnen und -beamten, Lehrkräften und Sponsoren danke ich ganz herzlich für ihre Unterstützung.“


Senator Röwekamp erläuterte gemeinsam mit Polizeipräsident Eckard Mordhorst die Ziele des Programms „Kinder stark machen“: Kinder, deren Eltern und Lehrkräfte sollen auf die Gefahren des sexuellen Missbrauchs sensibilisiert werden, um damit so genannte Tatgelegenheiten zu reduzieren. Weiterhin sollen die eigens geschulten Polizeibeamten in Grundschulklassen angstfrei und spielerisch die Thematik vermitteln. Den Kindern soll ein selbstständiges Erkennen von Gefahrensituationen nahegebracht werden. Kindgerechte Abwehr- bzw. Verhaltensweisen sollen ebenso erlernt werden wie der Abbau von Berührungsängsten gegenüber der Polizei. Die Eltern sollen angeregt werden, ihre Kinder altersgerecht aufzuklären.


Warum „Kinder stark machen“?

In der Vergangenheit gab es nach spektakulären Tötungsdelikten an Kindern und Kindesmissbrauchsfällen in Bremen und Umgebung große Beunruhigung in der Öffentlichkeit. Die Namen von Kindern wie Adelina, Dennis, Levke, Felix sind uns ständig präsent. Die Nachfrage nach Selbstbehauptungskursen für Kinder in Grundschulen steigt. Derzeit werden in Bremer Schulen so genannte „Defedingkurse“ (Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse) für Kinder von privaten Anbietern für 50.- Euro pro Kind angeboten. Diese Kurse sind nach Einschätzung der Polizei aber wenig professionell. Kinder, deren Eltern dieses Geld nicht bezahlen können, gingen zudem leer aus.


Mit dem neuen Präventionsprojekt „Kinder stark machen“ werden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte gezielt und unentgeltlich mit Kindern in den Grundschulklassen 3 und 4 arbeiten. Durch ein möglichst frühzeitiges Verhaltenstraining sollen Kinder zunächst im Hinblick auf die Gefährdung durch Fremdtäter sensibilisiert werden. Es werden bewusst keine Selbstverteidigungstechniken vermittelt, weil Kinder in diesem Alter Erwachsenen körperlich stets unterlegen sind. Sukzessive wird auch die potentielle Gefährdung aus dem sozialen Nahraum thematisiert. Dabei gilt es vorrangig, den Kindern ggf. vorhandene Schuldgefühle und Hemmungen zu nehmen und ihre Persönlichkeit zu stärken. Kinder sollen sich unter Anleitung mit ihrem Körper und Geschlecht, aber auch mit ihren Gefühlen bewusst auseinandersetzen, um einen möglichen Übergriff durch Selbstbewusstsein und Gegenwehr zu vereiteln. Ferner werden Verhaltensratschläge und Lösungsmöglichkeiten für Konfliktsituationen aufgezeigt. Den Kindern soll vermittelt werden, dass sie ein Recht haben, gegenüber Erwachsenen „Nein“ zu sagen.


„Alles, was die Selbstsicherheit eines Kindes stärkt, vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Opfer wird. Außerdem sollen Eltern, Erzieher und Lehrkräfte sensibilisiert und in die Lage versetzt werden, von Kindern ausgehende „Gefährdungssignale“ wahrzunehmen, zu bewerten und folgerichtig zu handeln,“ betonte Polizeipräsident Mordhorst.


Pilotprojekt in Bremen-Nord erfolgreich

Am 6. Mai 2004 startete in Bremen-Nord das Pilotprojekt „Kinder stark machen“ in einer Grundschule. Die Kriminalbeamtin Gaby Voß hat für die Selbstbehauptungskurse ein Konzept erstellt. Sie führte an fünf Tagen (pro Woche eine Schulstunde) einen Selbstbehauptungskurs mit Grundschülern der Klassen 2 und 3 durch. Der Start des Pilotprojektes wurde von der Presse begleitet und fand große Resonanz in der Öffentlichkeit. Bis heute haben sich über 40 Grundschulklassen für das Programm „Kinder stark machen“ in eine Warteliste eintragen lassen. Tendenz: zunehmend!

Fazit: Das Präventionsprojekt kam sehr gut bei den Kindern an und stieß auf große Zustimmung bei den Lehrern. Dabei wurde das Projekt von der Stiftung der DPolG (Deutsche Polizeigewerkschaft) finanziell unterstützt. Es wurden kleine Geschenke für die Kinder, wie Schlüsselanhänger und Teilnehmerausweise gesponsert. Weiterhin hat die Unfallkasse der Freien Hansestadt Bremen für die Weiterführung des Projektes finanzielle Unterstützung zugesagt.



Über 35 Beamtinnen und Beamte der Polizei Bremen geschult

Aufgrund der starken Nachfrage in der Öffentlichkeit war es dringend erforderlich, mehrere Kollegen auf freiwilliger Basis für das Präventionsprogramm zu gewinnen. Über das Intranet der Polizei Bremen wurde für das Projekt geworben. Über 30 Kolleginnen und Kollegen hatten spontan Interesse bekundet, sich in diesem Präventionsprogramm ausbilden zu lassen. Weil derartige Präventionsprojekte bundesweiten Qualitätskriterien unterworfen sind, hat sich die Polizei an die professionelle Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen „Schattenriss“ gewandt. Hier konnten zwei Pädagoginnen für die Fortbildung der Bremer PolizeibeamtenInnen gewonnen werden. Bislang wurde an vier Tagen ein ganztägiger Fortbildungslehrgang für das Präventionsprojekt „Kinder stark machen“ angeboten.


Eine enge Zusammenarbeit mit den aufgeführten Kooperationspartnern ist dabei eingeplant:

- Senator für Inneres und Sport

- Amt für Soziale Dienste

- Senator für Bildung und Wissenschaft

- Beratungsstelle Schattenriss e.V.


Am 25. November 2004 fand die vorläufig letzte Fortbildung statt. Somit verfügt die Polizei derzeit über 35 ausgebildete Kolleginnen und Kollegen, die nunmehr in die Grundschulen gehen können, um mit den Kindern zu arbeiten. Der Kurs läuft über fünf Wochen. Die Beamten unterrichten pro Woche 2 x 45 Minuten in der Schule.




Nach der bisherigen Planung soll das Projekt auch in Bremens Partnerstadt Danzig eingeführt werden.


Lehrerinnen und Lehrer, die Interesse an dem Präventionsprojekt haben, werden gebeten, sich an den Jugendbeauftragten der Polizei Bremen, Herrn Frank Kunze, Tel. 362-3802, zu wenden.