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Der Senator für Inneres

1.200 „Starke Hanseaten“ waren einen ganzen Tag lang im Einsatz

23.09.2002

Größte Katastrophenschutzübung Norddeutschlands erfolgreich abgeschlossen – Innensenator Kuno Böse dankt allen Beteiligten

Zum Abschluss der größten Katastrophenschutzübung Norddeutschlands erklärte der Bremer Innensenator Dr. Kuno Böse: „In einer ersten - noch vorläufigen – Bewertung des heutigen Tages bin ich zu einem durchaus positiven Ergebnis gekommen. Wir haben mit dieser Übung gezeigt, dass wir Starke Hanseaten sind und der Katastrophenschutz in Bremen gut funktioniert. Die im Verlaufe der Übung aufgetretenen Schwachstellen und Probleme werden wir genau analysieren. Diese Auswertung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Nachdem was ich an den Schadensstellen vor Ort beobachten konnte, haben die eingesetzten Katastrophenschutzkräfte heute wieder einiges dazu gelernt und wichtige praktische Erfahrungen sammeln können.“

170 Gäste und 50 Medienvertreter verfolgten am Sonnabend (21. September 2002), wie 1.200 Helfer an fünf verschiedenen Orten in Bremen und Niedersachsen auf insgesamt sechs Schadensereignisse reagierten. Die fach- und länderübergreifende Übung ist die Größte ihrer Art, die je in Norddeutschland durchgeführt wurde.

Bereits am Freitag Abend wurde vom Senator für Inneres, Kultur und Sport eine Katastrophenwarnung ausgesprochen. Gemäß dem simulierten Lagebild erwartete man schweren Sturm mit Windgeschwindigkeiten der Windstärke 11 in Böen 12. Darüber hinaus gab es eine Sturmflutwarnung, bei der mit einem Pegelstand zwischen fünf und sechs Metern über Normalnull gerechnet wurde. Aus diesen Warnungen entwickelte sich bis Samstag Morgen eine Katastrophenlage.


Sechs Schadensereignisse an fünf verschiedenen Orten

Die Deichverbände Links und Rechts der Weser meldeten Schäden an den Deichen. Im Bereich Hinterwerder in Hasenbüren mußte bei Niedrigwasser ein 50 m breites Loch im Deich geflickt werden. In Rekum musste der aufgeweichte Deich vor der nächsten Flutwelle gesichert und verstärkt werden. Im Neustädter Hafen trat bei einem Unfall auf dem Wasser Öl aus, dass von einer Spezialeinheit abgesaugt wurde.

Infolge des starken Sturmes fielen einige Bäume auf Bahngleise. Ein Regionalexpress mit zwei Waggons entgleiste, einer der Waggons kippte um und fing Feuer. Zehn Tote und 70 Verletzte mußten geborgen und versorgt werden. Zudem war die Unfallstelle für die Einsatzkräfte nur schwer zugänglich.

Gegen 13.00 Uhr explodierten zwei Autobomben vor einem Laborgebäude. Chemische und radioaktive Stoffe traten aus und kontaminierten Opfer, Gebäude und Umgebung der Anschlagstelle. Mehrere Personen mußten aus dem brennenden Gebäude geborgen werden und eine ABC-Spezialeinheit kümmerte sich um die Bergung der gefährlichen Stoffe. Durch die Wucht der Explosion und den anschließenden Funkenflug geriet der in der Nähe des Labors gelegene Wald in Brand. Im Wald hielt sich zur gleichen Zeit eine Gruppe Pfadfinder auf, die von Flammen und Qualm eingeschlossen wurde. Mit Hilfe von zwei Hundestaffeln konnte die Gruppe gefunden und anschließend aus dem brennenden Wald gerettet werden.


Katastrophenschutz-Führungszentrum hielt Fäden der Übung in der Hand

Überwacht, Koordiniert und gesteuert wurde die Übung aus dem Katastrophenschutz-Führungszentrum des Senators für Inneres, Kultur und Sport bei der Feuerwehr Bremen. Dort, in der Wache I am Wandrahm, liefen alle Kommunikations- und Entscheidungsfäden zusammen. In einem „Drehbuch“, erarbeitet von einer Lenkungsgruppe bei der Feuerwehr Bremen, waren die Schadensszenarien genau festgelegt. Der Übungsleiter konnte zudem, je nach Situation, „Einlagen“ dazu spielen. Stromausfall, eine versperrte Zufahrtsstraße oder das Schließen eines defekten Deichschartes kamen so im Laufe des Tages zu den Aufgaben hinzu.

Innensenator Dr. Kuno Böse erklärte: „Die Erfahrungen aus der Praxis haben uns gelehrt, das kein Einsatz wie der andere ist. An jedem Schadensort sind die örtlichen Verhältnisse anders und immer treten ganz unterschiedliche Probleme auf. Dies stellt enorme organisatorische und einsatztaktische Anforderungen an die Retter vor Ort. Mit der heutigen Übung haben wir versucht – und es ist uns auch gelungen - eine möglichst große Bandbreite an Einsätzen und schwierigen Schadenslagen zu trainieren.“

Neben den Gästen warfen insbesondere die 20 Schiedsrichter ein besonders strenges Auge auf den Übungsablauf. Sie beobachteten und bewerteten die Organisation und Arbeit an den Schadensstellen. In den kommenden Wochen werden ihre Bewertungen in die Auswertung der Übung einfließen. Etwa 50 Gäste und die Einsatzkräfte aus Berlin und Hamburg reisten bereits am Freitag Abend an und wurden in der Wilhelm-Kaisen-Kaserne in Burglesum untergebracht.


Dank an die Retter und Helfer – Werbung um Ehrenamtliche

„Mein besonderer Dank geht an die 1.200 Helfer, die heute hier im Einsatz waren. Viele von ihnen sind ehrenamtlich tätig und opfern ihre Freizeit für den Katastrophenschutz. Dies Engagement hat meine vollste Anerkennung. Ich hoffe wir können mit dieser Übung und der Berichterstattung darüber auch einige Jugendliche für die ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr, beim THW oder den Hilfs- und Rettungsorganisationen begeistern. Auf Nachwuchs sind wir in diesem Bereich dringend angewiesen.

Sehr gefreut hat mich vor allem die Beteiligung der auswärtigen Kräfte. Die Unterstützung der Feuerwehrleute aus Berlin, Hamburg und Niedersachsen hat uns zu wirklich ‚starken Hanseaten‘ gemacht,“ resümierte Dr. Böse abschließend.


Beteiligte Kräfte:

ADAC, Feuerwehr Bremen (Freiwillige Feuerwehr und Berufswehr), Berliner Feuerwehr, Feuerwehr Hamburg, Feuerwehr aus dem LK Osterholz /Niedersachsen, Polizei Bremen, Bundeswehr VBK20, Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, Realistische Unfalldarstellung (RUD) Jugendrotkreuz Oldenburg, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser-Hilfsdienst, Johanniter-Unfall-Hilfe, Gruppe Leitende Notärzte Bremen, KS Bereiche- Rettung und Technische Abwehr/Öffentliche Sicherheit/Soziales/Deichverteidigung und Gesundheit, Bundesgrenzschutz, Deutsche Bahn AG, Notfallseelsorge/Notfallnachsorge-Bremen, technisches Hilfswerk, Bremische Deichverbände am rechten- und linken Weserufer, Umweltschutz Nord GmbH & Co und Dehning & Co GmbH

Insgesamt: ca. 1.200 Personen und 250 Fahrzeuge