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Der Senator für Inneres

Verkehrsunfallentwicklung 2014 im Lande Bremen

23.04.2015

Im vergangenen Jahr ist bei der Polizei des Landes Bremen mit "Artus" ein neues, flexibleres Vorgangsbearbeitungssystem eingeführt worden. Damit einhergehend werden seitdem unter anderem die Verkehrsunfallzahlen anders, nämlich differenzierter erhoben. Durch die Umstellung auf ein anderes Zählverfahren, haben sich die Vergleichszahlen zu den Berichten der Vorjahre verändert. Wir weisen darauf hin, dass damit ein Vergleich mit den Vorjahren nur noch bedingt zulässig ist.
Gleichwohl ist festzustellen: Die Verkehrsunfallzahlen steigen weiter an. Ebenso die Zahl der Verunglückten, wobei der Anstieg hauptsächlich bei den Leichtverletzten festzustellen ist. Die Zahl der Schwerverletzten blieb nahezu konstant.

Verkehrsunfallstatistik 2014 mit Erläuterungen:

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Die Gesamtunfallzahlen(VU) haben sich in Bremen und Bremerhaven ungefähr gleich entwickelt. Sie sind weiter gestiegen. Die Zahl der Verunglückten im Land Bremen steigt weiterhin leicht an. Damit liegt Bremen im Bundestrend.

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In Bremerhaven hat sich die in der Statistik ausgewiesene Zahl der Getöteten auch deswegen deutlich erhöht, weil ab 2014 Unfälle auf der Autobahn, die im Bremerhavener Stadtgebiet verläuft, ebenfalls berücksichtigt werden. Drei Menschen starben in Bremerhaven auf der Autobahn. Während die Zahl der Schwerverletzten fast konstant geblieben, und in Bremerhaven sogar gesunken ist, ist die Zahl der Leichtverletzten und Getöteten wieder leicht angestiegen.

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Die Zahl der Verkehrsunfälle mit der Ursache Abstand/Geschwindigkeit ist wieder rückläufig, allerdings noch immer auf einem hohen Niveau.

Eine genauere Betrachtung hat ergeben, dass die Abstandsunfälle insbesondere in den Hauptverkehrszeiten angestiegen sind. Dabei ist es häufig zu Blechschäden gekommen. Es wird vermutet, dass vor allem Berufspendler während der Fahrt durch andere Einflüsse abgelenkt sind. Dies sind u.a. das Telefonieren mit und ohne Freisprecheinrichtung, Schreiben von Nachrichten mit Smartphones oder Tablets, intensive Unterhaltung mit anderen Fahrzeuginsassen und laute Musik.

Das Phänomen Unaufmerksamkeit bzw. Ablenkung wird europaweit als Schwerpunkt in der Verkehrsunfallforschung gesehen und war in diesem Jahr ebenfalls Thema auf dem Verkehrsgerichtstag. Zukünftig wird diese Entwicklung einer intensiven Betrachtung ausgesetzt sein und rechtlich auch einen neuen Rahmen für den § 23 der Straßenverkehrsordnung notwendig machen.

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Achtung! Vergleichbarkeit zu den Vorjahren nur bedingt möglich -siehe oben-

Leider sind die Unfallzahlen in der Zielgruppe der Kinder wieder erstmalig angestiegen. Obwohl die Radfahrausbildung an Schulen sehr intensiv von der Polizei begleitet wird, ist es nicht gelungen, das Erlernte in der Gruppe der Jugendlichen zu verfestigen. Die 15-jährigen Radfahrer verunglücken am häufigsten.
Die Bekämpfung von Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Kindern wird auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema sein. Insbesondere die Zahl der verunglückten Kinder wird im Focus bleiben und die Anstrengungen aller in der Verkehrssicherheitsarbeit Beteiligten erfordern.

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Achtung! Vergleichbarkeit zu den Vorjahren nur bedingt möglich -siehe oben-

Die Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Senioren sind in Bremen und Bremerhaven stark angestiegen. Dies hängt auch damit zusammen, dass präventive Maßnahmen diese Zielgruppe schlecht erreichen. Insbesondere Menschen ab 75 Jahren und älter sind für die Polizei insgesamt schlecht erreichbar. Spezielle Probleme oder auch Unfallbrennpunkte sind nicht erkennbar. Die Präventionsarbeit in diesem Bereich wird fortgeführt.

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Die besondere Aufmerksamkeit der Polizei auf sich fehlverhaltende Kfz-Führer und Radfahrer schlägt sich leider nicht in der Verkehrsunfallstatistik nieder. Die Zahlen beteiligter Radfahrer sind weiter steigend. Auch die Zahl der Verletzten ist weiterhin ansteigend. Die Gruppe der Pedelec-Fahrer ist eher unauffällig.
Die Unfallhäufungspunkte sind in der Stadt Bremen wie in 2013 der Stern, der Ostertorsteinweg/Vor dem Steintor und der Buntentorsteinweg.
Das Jahr 2014 mit seinem milden Winter hat auch dazu beigetragen, dass das Fahrrad fast ganzjährig zum Einsatz kam und somit auch mehr Unfälle registriert wurden.

Die TOP 3 der örtlichen Unfallbrennpunkte

Bei den "TOP 3 – Brennpunkten" wird nach der Anzahl der Verkehrsunfälle gesamt sowie nach der Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschäden an Verkehrsknoten differenziert. Um vor allem die schweren Verkehrsunfallfolgen zu reduzieren, konzentriert sich die Arbeit der sog. Verkehrsunfallkommissionen in Bremen und Bremerhaven insbesondere auf folgende Brennpunkte:

Bremen

  1. Am Stern
  2. Stephanibrücke (Strecke)
  3. Am Brill / Bürgermeister-Smidt-Straße

Bremerhaven

  1. Langener Landstraße / Cherbourger Straße
  2. Stresemannstraße / Grimsbystraße
  3. Co-lumbusstraße / Borriesstraße

Viele Verkehrsunfälle ereignen sich im ruhenden Verkehr, sogenannte Parkrempler, und haben eher leichtere Sachschäden zur Folge. Nahezu jeder vierte Verkehrsunfall geht in Bremen und jeder fünfte in Bremerhaven mit einem unerlaubten Entfernen vom Unfallort einher. Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort stellt eine Straftat dar. Die Polizei weist daraufhin, dass auch jeder Parkrempler polizeilich zu melden ist bzw. wenigstens der Austausch der Personalien zwischen den Unfallbeteiligten stattfinden muss.

Ausblick:
Die Optimierung der Verkehrsüberwachung im Bereich des ruhenden und fließenden Verkehrs ist in der Stadt Bremen ein wichtiger Baustein zur Senkung der Unfallzahlen und soll künftig dabei helfen, die Zahl der Verunglückten zu senken.

Die polizeiliche Verkehrssicherheitsarbeit hat im Jahr 2015 folgende Schwerpunkte und Ziele:

  • Eine weitere Senkung der geschwindigkeitsbedingten Verkehrsunfälle, insbesondere die Zahl der Verletzten
    U.a. werden hierzu weiterhin verstärkt Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt
  • Eine Senkung bei den Fahrradunfällen mit Personenschaden
  • Dem Phänomen "Unaufmerksamkeit / Ablenkung" mit gezielten präventiven Aktionen begegnen
  • im Jahr 2015 sind verschiedene präventive Aktionen gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) geplant
  • Der Gefährdungssituation von Fußgängern im Stadtgebiet eine besondere Beachtung schenken, um gerade älteren Mitbürgern die Mobilität zu erhalten
  • Der Gefährdungssituation von Kindern weiterhin große Beachtung schenken