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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Sozialsenatorin Stahmann erläutert Zukunft des Kita-Ausbaus

21.04.2015
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Bei steigenden Kinderzahlen will Bremen mittelfristig die Betreuungsquote für Kinder spürbar anheben. Dazu habe der Senat bis zum Jahr 2019 rund 650 Plätze für Kinder unter drei Jahren beschlossen - und weitere 1.500 Plätze für Kinder über drei Jahren. Zudem müssten mehr als 400 zusätzliche Stellen für Fachkräfte in Kindergärten und Krippen geschaffen werden. Insgesamt würden die Kosten der Kinderbetreuung damit von derzeit knapp 150 Millionen Euro auf über 170 Millionen Euro im Jahr 2019 ansteigen. Mit diesen Daten erläutere Sozialsenatorin Anja Stahmann heute (Dienstag, 21. April 2015) in der Stadtbürgerschaft die Ausbaubeschlüsse des Senats bis zum Kindergartenjahr 2019/2020. Dabei solle neben der Sicherung der Rechtsansprüche auf Betreuung vor allem eine aufholende Entwicklung in jenen Stadtteilen eingeleitet werden, in denen Eltern bislang seltener einen Platz suchen. "Ziel ist es, in allen Stadtteilen für 50 Prozent aller Kinder unter drei Jahren und für 98 Prozent aller Kinder über drei Jahren einen Platz anzubieten", sagte die Senatorin. Derzeit liegt in der Stadt Bremen die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren bei 45 Prozent, für Kinder über drei Jahren (bis zur Einschulung) bei 94 Prozent.

Von den 2.100 geplanten Plätzen seien allein fast 1.000 Plätze erforderlich, weil Bremen sich derzeit in der Phase eines Babybooms befinde. Grund ist die vergleichsweise große Zahl an jungen Frauen, die sich in der Familienplanung befinden: "Es sind die Kinder der Babyboomer, die jetzt Eltern werden", sagte die Senatorin.

"Wir wollen in Zukunft attraktiver werden für Eltern, die sich noch scheuen, öffentliche Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen", so die Senatorin weiter. "Dazu müssen wir mit unseren Kitas 'näher an die Menschen heranrücken' und attraktive Angebote im Stadtteil schaffen. Dann können die Kitas auch ihre Aufgabe erfüllen, sozialer Benachteiligung wirksam entgegenzutreten."

Die größten Potenziale für höhere Bildungsbeteiligung in Krippe und Kindergarten sieht Senatorin Stahmann bei Kindern aus zugewanderten Familien. "Einige nehmen auch im Jahr vor dem Schuleintritt keinen Betreuungsplatz in Anspruch", sagte Anja Stahmann. Dabei sei frühkindliche Bildung im Vorschulalter "das wichtigste Instrument zur Förderung von Kindern aus zugewanderten Familien in Armutslebenslagen und zur Überwindung der sozialen Spaltung". "Für Zukunftschancen und Lebensperspektiven werden früh im Leben der Kinder wichtige Weichen gestellt. Wir müssen unsere Angebote ganz gezielt dort ausbauen, wo Kinder mit Zuwanderungsgeschichte in Armut leben." Ziel müsse es sein, die individuellen Lebenschancen der Kinder zu verbessern und gleichzeitig die vorhandenen Ressourcen dieser Kinder zu heben. "Wir müssen den Eltern hier die Hand reichen und für unser attraktives Angebot werben."

Gezielt wolle Bremen daher die Rahmenbedingungen verbessern, damit Spielkreise, Krippen und Kindergärten in jenen Stadtteilen intensiver genutzt werden, in denen ein hoher Anteil an Zuwanderern lebt und zugleich der Anteil an armen Kindern besonders hoch ist, während das Betreuungsangebot unterdurchschnittlich ist. Dazu sollten Eltern gezielt angesprochen werden, die Kita zu nutzen, unter anderem mit mehrsprachigen Informationsbroschüren und Lehrmaterialien für Integrationskurse, in denen die Bedeutung frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung herausgestellt wird.

Zugewanderte Familien mit hohem Bildungsstatus nutzten die Kinderbetreuung schon heute sehr intensiv, "da unterscheiden sich Mütter nicht von vergleichbaren Familien ohne Migrationshintergrund", sagte die Senatorin. Auch Eltern der zweiten und besonders der dritten Zuwanderergeneration sowie Familien mit einem deutschen Elternteil nutzten die Betreuung bereits sehr intensiv. Nur wenn beide Eltern zugewandert seien, keine hohen Bildungsabschlüsse mitbrächten und gleichzeitig arbeitslos und/oder armutsgefährdet seien, sei auch die Beteiligung in Krippen und Kitas deutlich geringer. "Es sind also vor allem Armut und fehlende formale Bildung, die den Zugang zu Wissen, Betreuung und Erziehung in Krippe und Kita erschweren", betonte Senatorin Anja Stahmann. "Diese Hemmnisse gilt es zu überwinden."