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Der Senator für Inneres

Sonderausstellung "Vier Jahrzehnte Fotografie an der HfK" im Focke-Museum

15.08.2002

An der Schwelle zur neuen Ära "Speicher XI" im Hafen zieht der "Wandrahm", traditioneller Standort der Hochschule für Künste Bremen, eine Bilanz seiner künstlerischen Arbeit. Vier Jahrzehnte Fotografie dokumentieren im Rückblick Trends, Tendenzen, Zeitgeist und insgesamt ein avanciertes Medium in der Werbung, für Reportagen und die Erfassung von kulturellen und politischen Zeitläufen. Das Focke-Museum in Bremen zeigt vom 25. August bis 29. September die Sonderausstellung "Wandrahm. 4 Jahrzehnte Fotografie an der Hochschule für Künste Bremen" anlässlich des Ausscheidens von Professor Fritz Haase aus seiner Lehrtätigkeit. Sie bedient sich aus dem schier unerschöpflichen Fundus der fotografischen Sammlung Haase, die aus berühmt gewordenen und aber auch bis dahin unbekannten Arbeiten seiner Studierenden und von ihm selbst besteht.


Als Fritz Haase 1959 sein Studium an der damaligen Staatlichen Kunstschule Bremen aufnahm, war die "Fotografik", die sein Lehrer Professor Lothar Klimek ein Jahr zuvor dort etabliert hatte, ein, wie er es selbst nennt, "faszinierendes neues Medium" für das Studium der Gebrauchsgrafik. Bei aller räumlichen und finanziellen Beengtheit entwickelte die Bremer Schule bald schon eine für deutsche Verhältnisse fortschrittliche Werbung mit fotografischen Mitteln. In der Tradition des Bauhauses stehend, arbeiteten die hiesigen Studierenden interessante und innovative Text-Bild-Entsprechungen heraus. Sie wurden sofort von bekannten Bremer Firmen wie "Haake Beck", "Brinkmann Tabak" und "Ronning Kaffee" adaptiert.


Künstlerisch bekannten sich 1965, dem Jahr, in dem Fritz Haase seinen ersten Lehrauftrag für Fotografie annahm, viele zu den deutschen Vorbildern Otto Steinert und Chargesheimer oder den Franzosen Cartier-Bresson, Brassai und Robert Doisneau. Doch wie die Institution sich mit der Zeit wandelte, über die Hochschule für Gestaltung bis hin zu heutigen Hochschule für Künste, so wechselten auch die Leit-Bilder und -Personen. Mitten in den aufrührerischen Sechzigern und antikünstlerischen, theorieverliebten Siebzigern stieg für kurze Zeit die amerikanische Werbefotografie am bremischen Firmament auf. Fritz Haase steht seitdem für Internationalität und eine anregende Mischung aus künstlerischer und werblich-praktischer Tätigkeit in Bremen mit dem Schwerpunkt auf der Kunst.


So liefert die Sonderausstellung des Focke-Museums mit rund 200 Fotos eindrucksvolle Belege für den Weg der Fotografie von einer anfangs nur am Rande wahrgenommenen visuellen Ausdrucksform zur zentralen Bildgattung in unserer visuellen Welt. Sind im ersten Teil der Ausstellung historische Arbeiten von Fotografie-Studenten zu sehen, so geht es im zweiten Teil um den aktuellen Blick: 40 eingeladene "Ehemalige"präsentieren Werke aus ihrer Tätigkeit als Fotodesignerinnen und -­designer. Das Spektrum reicht hier von der Reportage über die Mode- und Werbefotografie bis hin zu experimentellen Arbeiten aus der freien Kunstszene.


Zur Ausstellung erscheint ein Buch von Professor Fritz Haase. Es enthält auf über 300 Seiten Texte und Berichte zu den vier Dekaden HfK-Fotografie und einen umfangreichen Bildteil. Dazu gibt es im Focke-Museum ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Aktionen und Mode-Happenings. Klappe auf für den Blick zurück in die Ära Haase.