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Der Senator für Inneres

Böse: Orchestermusik ist in Bremen gut aufgestellt

20.06.2002

Bremer Philharmoniker GmbH gegründet
Bundesweit erstes Orchester mit privater Mehrheitsbeteiligung

„Die Privatisierung des Philharmonischen Staatsorchesters Bremen stellt einen bundesweit bedeutsamen, bisher einmaligen Vorgang dar. Die privatwirtschaftliche Organisationsform gibt dem Orchester eine flexible Grundlage, um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können. So wird es erst durch die Umwandlung möglich, zehn neue Stellen für Musiker zu schaffen.“ Dies erklärte der Senator für Inneres, Kultur und Sport, Dr. Kuno Böse, am heutigen Donnerstag (20.06.2002) bei einer Pressekonferenz in Bremen. Die Vorstellung der Bremer Philharmoniker GmbH und die Unterzeichnung des Zuwendungsrahmenvertrages sowie des Personalüberleitungsvertrages nahm der Kultursenator zum Anlass, auf die Bedeutung Bremens als Musikstadt hinzuweisen. „Die Musik spielt für den Kulturstandort Bremen eine besondere Rolle. Mit der Verpflichtung des niederländischen Dirigenten Lawrence Renes im Februar dieses Jahres und der heute gegründeten Philharmoniker GmbH ist die Orchestermusik in Bremen gut aufgestellt für die Zukunft.“


Public Private Partnership
Der Kultursenator weiter: „Erstmals in Deutschland ist ein Staatsorchester in eine GmbH mit privaten Mehrheitsgesellschaftern überführt worden. Mit diesem Public Private Partnership folgen wir dem Auftrag der Bremischen Bürgerschaft, den Kulturbereich umzubauen, um durch Effizienzgewinne betriebswirtschaftlich rentabler zu werden.” Die Umstrukturierung des Orchesters bedeutet eine Abkehr von starren Rahmenbedingungen des Öffentlichen Dienstrechts. Damit ist der Weg frei für den Aufbau einer professionellen und flexiblen Organisationsstruktur, die das Orchester in die Lage versetzt, im zunehmenden Konkurrenzdruck weiterhin als hochwertiges Orchester bestehen zu können. Neben der Konzerttätigkeit ist das zweite künstlerische Standbein des Orchesters die vertraglich abgesicherte Bespielung des Musiktheaters im Bremer Theater.


Bremer Philharmoniker GmbH
Der Bremer Senat hat in seiner Sitzung am 11. Juni 2002 die Privatisierung des Philharmonischen Staatsorchesters beschlossen. Heute Morgen wurde der Gesellschaftsvertrag der Bremer Philharmoniker GmbH unterzeichnet. Gesellschafter sind mit jeweils 26 Prozent die Philharmonische Gesellschaft Bremen, der Bremer Philharmoniker e.V. und die Freie Hansestadt Bremen. Die Bremer Theater GmbH ist mit 22 Prozent eingebunden.
Die seit 175 Jahren bestehende Philharmonische Gesellschaft ist eine private Vereinigung Bremer Bürgerinnen und Bürger, die sich der Pflege der Musik sowie der Volksbildung auf musikalischem Gebiet verpflichtet hat und auch bisher das Philharmonische Staatsorchester unterstützt hat. Der Bremer Philharmoniker Verein ist ein neu gegründeter Zusammenschluss der Orchestermusiker. Die Beteiligung der Musiker an der Gesellschaft ist „eine direkte Folge der mit allen Beteiligten partnerschaftlich erarbeiteten Strukturreform des Orchesters. Die Musiker werden von Bediensteten des Staates zu Mitunternehmern der neuen GmbH. Dies soll ihre Stellung im neuen Orchester stärken und zugleich ein deutliches Bekenntnis zur Mitverantwortung für den künftigen Erfolg des Unternehmens geben. Nun sitzen wir alle in einem Boot,“ betonte Kultursenator Dr. Böse.


Die neue Doppelspitze
Die Bremer Philharmoniker GmbH wird von einer Doppelspitze mit zwei Geschäftsführern geführt. Dabei obliegt dem zukünftigen Generalmusikdirektor die künstlerische und einem Orchestermanager die kaufmännische Leitung. Die Stelle des geschäftsführenden Generalmusikdirektors wird Lawrence Renes im August antreten. Nach einer geeigneten Persönlichkeit für die Stelle des Orchestermanagers sucht derzeit noch eine Findungskommission, bestehend aus Vertretern der Gesellschafter. Lutz-Uwe Dünnwald, der Geschäftsführer des Bremer Theaters, übernimmt daher vorübergehend die Aufgaben des Gründungsgeschäftsführers. Die Geschäftsführung der Bremer Philharmoniker GmbH wird durch einen Aufsichtsrat überwacht und in künstlerischer Hinsicht durch einen Programmbeirat beraten.


Verträge unterzeichnet
Anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung der neu gegründeten Philharmoniker GmbH unterzeichnete der Bremer Senator für Inneres, Kultur und Sport und der Gründungsgeschäftsführer den Zuwendungsrahmenvertrag und den Personalüberleitungsvertrag. Im Zuwendungsrahmenvertrag verpflichtet sich die Stadtgemeinde Bremen, die Philharmoniker GmbH – entsprechend den Kontrakt-Zusagen, die gegenüber bremischen Beteiligungsgesellschaften bisher gemacht wurden – bis zum Jahr 2007 mit jährlich rund 6,3 Millionen Euro (derzeitiger Jahreszuschuss: 5,3 Millionen Euro) zu fördern. Diese Verpflichtung wird nach dem Beschluss des Senats und des Haushalts- und Finanzausschusses durch eine haushaltsrechtliche Verpflichtungsermächtigung abgesichert. „Dies stellt die stärkste Form der Bindung dar, die die Öffentliche Hand bei der Finanzierung in der Zukunft liegender Projekte geben kann,“ erklärte Kultursenator Dr. Böse. Der zweite, am heutigen Vormittag unterzeichnete Vertrag regelt die personalrechtliche Überleitung der Musikerinnen und Musiker in die neue Gesellschaft.