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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

EPSYMO: 25 Jahre Eltern-Selbsthilfe für Kinder, die von Behinderung bedroht sind

Senatorin für Soziales lädt zum Senatsempfang ins Rathaus

14.04.2015

Mit einem Senatsempfang im Rathaus hat Sozialsenatorin Anja Stahmann heute, 14. April 2015, Vertreterinnen und Vertreter des Selbsthilfevereins EPSYMO geehrt, der vor 25 gegründet wurde, um Kinder zu fördern, die von körperlicher oder geistiger Behinderung bedroht sind, oder Störungen in Wahrnehmung, Bewegung, Sprache oder Verhalten haben. Inzwischen hat der Verein sein Angebot erweitert und unterstützt als Frühberatungsstelle werdende und junge Eltern, damit alle Kinder in einem gestärkten Umfeld aufwachsen können.

Betroffene Eltern haben EPSYMO im Jahr 1990 als eingetragenen gemeinnützigen Selbsthilfeverein mit Sitz in Bremen-Blumenthal gegründet, er ist inzwischen Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Es ist über lange Zeit ein unglaubliches Engagement in diese Arbeit geflossen", sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen. "Der Verein fördert hochprofessionell über ein Vierteljahrhundert Kinder, deren Potenziale manchmal kaum gesehen werden. Das ist in seinem Wert gar nicht hoch genug einzuschätzen."

EPSYMO fördert Kinder im Alter von drei bis 16 Jahren, deren Auffälligkeiten und Behinderungen so massiv sind, dass eine kontinuierliche Behandlung für eine positive Entwicklung unerlässlich ist. "Viele der betreuten Kinder sind ehemalige Frühchen", sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann. Zudem würden Kinder mit neurologischen und hirnorganischen Erkrankungen gefördert sowie Kinder mit unspezifischen Diagnosen zu ihrer Entwicklungsstörung. Zurzeit betreut der Verein 91 Kinder in 24 Kleingruppen.

Gefördert werden die Kinder in Kleingruppen mit drei bis acht Kindern mit körperlichen Aktivitäten in mehreren Bädern, in Bewegungshallen und inzwischen auch mit Therapiepferden. "Es geht darum, möglichst vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten in der körperlichen Bewegung zu verschaffen", so die Senatorin weiter. Immer gehe es darum, eigenes Erleben in Bewegung, Wahrnehmung, Handlung und sozialem Umgang möglich zu machen. Das eigene Spektrum der Kinder lasse sich auf diese Weise nach und nach erweitern.

Die Gruppen werden nach einer Eingangsdiagnostik nach Entwicklungsstand und Bedürfnissen der Kinder gezielt zusammengestellt und finden unter Anleitung ausgebildeter Therapeutinnen und Therapeuten statt, die durchweg eine Zusatzausbildung in Psychomotorik durchlaufen haben. Vertreten sind die Fachrichtungen Physiotherapie, Ergotherapie, Behindertenpädagogik, Heilpädagogik, Motopädik, Psychologie.

Fester Bestandteil der Arbeit ist der enge Kontakt zu Schulen und Kindergärten. Bei sehr auffälligen Kindern ist eine Hospitation im Schulunterricht oder im Kindergarten möglich. So lassen sich gemeinsam mit Lehr- und Kita-Fachkräften Hilfen sowie Förderansätze entwickeln. Kinder, die den Gruppen entwachsen oder ein zusätzliches Angebot benötigen, können im Anschluss zum Beispiel Tanz- und Zirkusprojekte oder Schwimm- und Selbstbehauptungskurse wahrnehmen, die ganzheitlich ausgerichtet und im Sinne einer inklusiven Gesellschaft allen Kindern zugänglich sind, nicht nur Kindern mit Behinderungen.

Die professionellen Kräfte werden großenteils durch Spenden- und Stiftungsgelder finanziert, nur für wenige Kinder zahlen die Krankenkassen die Maßnahmen der Entwicklungsförderung. "Den monatlichen Elternbeitrag an den Therapiekosten von 15 Euro können viele Eltern nicht finanzieren", sagte Anja Stahmann. "Gerade in einem Ortsteil wie Bremen-Lüssum mit einem hohen Anteil von Armut bedrohter Menschen sind 180 Euro im Jahr schon ein kleines Vermögen." Für benachteiligte Familien werden daher immer wieder Paten gesucht, die die Kosten finanzieren. Alle nicht therapeutischen Arbeiten übernehmen in dem Selbsthilfeverein die Eltern: Verwaltung, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit.

Die zweite Säule des Vereins, die Frühberatung für Schwangere und Junge Familien, liegt in den Händen eines interdisziplinären Teams aus Pädagogen, Psychologen und Hebammen, eng verbunden mit Familienhebammen des Gesundheitsamts, und in Kooperation mit dem Haus der Familie Lüssum. "Prävention und Frühe Hilfen gehören seit vielen Jahren zum Bremer Konzept im Kinderschutz", sagte die Senatorin. "Wir wollen Mütter und Väter früh erreichen, um sie für die enormen Herausforderungen der Kindererziehung zu stärken." Mit Bundesmitteln aus der Initiative "Frühe Hilfen und Familienhebammen" sowie eigenem Geld aus den Mitteln der Sozialsenatorin ist seit 2013 gelungen, die Frühberatungsstellen zu finanzieren. "Der hervorragend vernetzte Verein EPSYMO ist mit seiner Frühberatungsstelle Nord ein bedeutender Teil dieser Entwicklung und füllt sie engagiert mit reichlich Leben", sagte die Senatorin.

Konkret heißt das: In Bockhorn, Lüssum, Blumenthal, Aumund, Vegesack und Marßel gibt es wohnortnah und niedrigschwellig Beratungen rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt, Gesundheit, Stillen, Erziehung, Füttern und elterliche Überlastungssituationen. Kurse und Gruppen umfassen unter anderem Babymassage, Babyschwimmen, Babyturnen, Elterncafés, Pflegekurse, Kreative Schwangerschaftskurse, Stillberatung, Hebammensprechstunden, Beikosteinführung, Rückbildung, Bewegung für Mütter, Väter-Gruppen oder Erste Hilfe am Kleinkind.

Finanziert wird die Frühberatung von der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen,
Wohnen in Nachbarschaften (WiN) sowie Spenden und Stiftungsmitteln.