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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Palliative Care: Die Autonomie und die Würde des Menschen wahren

22.07.2002

Bis zuletzt die Autonomie und die Würde des Menschen wahren


Im ZKH St.-Jürgen-Straße werden Krankenschwestern und
–pfleger in Palliative Care weitergebildet


Wer sich im fortgeschrittenen Stadium einer unheilbaren Krankheit befindet, ist in der Regel auf ärztliche und pflegerische Hilfe angewiesen. Nicht zufällig wird von Sterbeprozess gesprochen, wenn es darum geht, sich von dieser Welt zu verabschieden und in eine andere Daseinsform überzugehen. Dieser Prozess sollte fachkompetent und menschlich begleitet werden, um dem Sterbenden bis zuletzt ein Höchstmaß an Autonomie und Würde zukommen zu lassen. Zwischen diesem Anspruch und der Wirklichkeit klafft im Gesundheitswesen häufig eine Lücke. Sterbende Menschen zu begleiten stellt eine besondere Herausforderung dar, auf die ÄrztInnen wie Pflegende in ihren jeweiligen Berufsausbildungen nur am Rande vorbereitet wurden. Um diese Lücke zu schließen, bietet das Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße die Zusatzqualifikation Palliative Care für Pflegekräfte an. Dabei handelt es sich um ein ganzheitliches Betreuungskonzept für Menschen im fortgeschrittenen Stadium einer unheilbaren Erkrankung.


Ziel des Lehrgangs, so Marlis Tietze, Leiterin des Bereiches Innerbetriebliche Fortbildung im ZKH St.-Jürgen-Straße, sei es, die Lebensqualität der PatientInnen zu verbessern, vor allem aber, ihre Selbstbestimmung und die Achtung ihrer Individualität bis zum Schluss zu wahren. Dies erfordere ein umfangreiches Fachwissen, das pflegerische, psycho-soziale, kommunikative, ethische und rechtskundliche Aspekte umfasse.


Der Fachlehrgang geht über ein Jahr. Er umfasst insgesamt 160 Unterrichtsstunden, die auf viermal fünf Tage verteilt sind. Angesprochen wird Pflegepersonal aus ambulanten und stationären Einrichtungen, die mit der Pflege, Begleitung und Betreuung von alten Menschen, schwerst- und chronischerkrankten sowie sterbenden Menschen beauftragt sind.


Wie Annette Brak-Mensing als Leiterin des Fachlehrgangs hervorhob, geht es in dieser Zusatzqualifikation neben speziellen pflegerischen Aspekten wie Schmerzbewältigung und Schmerztherapie vor allem um kommunikative und psychosoziale Inhalte. Dabei stehen die Integration von Angehörigen, die Gesprächsführung und sozialberatende Maßnahmen im Vordergrund. Aber auch rechtskundliche Fragen - wie Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht sowie aktive und passive Sterbehilfe - und die Hospizidee und ihre Grundprinzipien werden erörtert. Nicht zuletzt nimmt der Unterrichtsblock „Sterbende und Trauernde begleiten“ einen breiten Raum ein. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema wird der Umgang mit Sterben und Tod im Berufsleben, Trauerrituale unterschiedlicher Religionen sowie die Phasen des Trauerns behandelt.


Der erste Lehrgang, der im März dieses Jahres begonnen hat, zeige, so Annette Brak-Mensing, wie wichtig für die Teilnehmenden eine solche Zusatzqualifikation sei. Die Arbeit mit Menschen, die am Ende ihres Lebens stünden, werfe viele Fragen auf auch und gerade bei den sie Pflegenden. Insofern sei klar, dass es bei dem ersten Lehrgang nicht bleibe. Der nächste werde im März 2003 beginnen.

Für Marlis Tietze stellt dieses Angebot eine konsequente Weiterentwicklung der onkologischen Arbeit im ZKH St.-Jürgen-Straße dar. Im Rahmen der innerbetrieblichen Fortbildung werden bereits seit einigen Jahren Krankenpflege- und Kinderkrankenpflegekräfte in der Onkologie fachweitergebildet, um die Behandlung krebskranker Menschen qualifiziert leisten zu können. Die innerbetriebliche Fortbildung am Krankenhaus ist im übrigen – wie auch bei der Zusatzqualifikation Palliative Care – die einzige Schulungseinrichtung in Norddeutschland, die ein derartiges Fortildungsangebot aufweist.