Sie sind hier:

Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport

Senatorin Stahmann: Benachteiligung für angehende Altenpflegekräfte abbauen

Auszubildende sollen bei Problemen besser unterstützt werden

27.11.2014

Wer in einer dualen Ausbildung Lernprobleme bekommt, sich auf schwierige Klausuren vorbereiten muss, Hilfe bei Hausaufgabe braucht oder bei zwischenmenschlichen Problemen zu Hause oder im Ausbildungsbetrieb, dem zahlen Arbeitsamt oder Job-Center fachkundige Unterstützung, wenn dadurch der Abschluss der Ausbildung gesichert werden kann. Angehende Altenpflegekräfte können auf solche "ausbildungsbegleitende Unterstützung" nicht zurückgreifen. Das soll sich jetzt ändern. "Es ist nicht einzusehen, dass der angehende Mechatroniker und Industriemechaniker solche Hilfen bekommt, aber Auszubildende in der Altenpflege nicht", sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen. "Das ist ein Anachronismus, der dringend abgeschafft gehört." Bremen habe daher einen Antrag der Länder auf der 91. Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) in Mainz unterstützt. Darin fordert die ASMK den Bundestag einstimmig auf, den einschlägigen Paragraphen 75 im Dritten Sozialgesetzbuch (SGB III) zu ändern und ausbildungsbegleitende Hilfen auch für angehende Altenpflegerinnen und Altenpfleger zu finanzieren.

Grund für die Ungleichbehandlung: Trotz gleich hoher Praxisanteile werden einige Ausbildungsberufe dem Berufsausbildungsgesetz oder der Handwerksordnung zugeordnet, andere als schulische Ausbildung angesehen. Zu letzteren gehören die Gesundheitsfachberufe, also klassische Frauenberufe. Ausbildungsbegleitende Hilfen werden nur für betriebliche Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz mit Prüfungen vor den Kammern finanziert, nicht für schulische Ausbildungen mit Prüfungen bei staatlichen Einrichtungen.

"Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft sind wir dringend darauf angewiesen, dass angehende Pflegekräfte ihre Berufsausbildung abschließen können", sagte die Senatorin weiter. "Dazu sollen sie alle erdenkliche Unterstützung bekommen. Wenn sie dabei vor Problemen stehen, die sie allein nicht bewältigen könnten, dürfen wir sie nicht schlechter behandeln als Auszubildende in anderen Berufen." Nur so lasse sich eine qualitativ hochwertige Ausbildung gewährleisten und zugleich die Zahl der Ausbildungsabbrüche vermindern. Das gelte umso mehr, als Bund und Länder sich in der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive verpflichtet hätten, die Erstausbildungen in der Altenpflege Jahr für Jahr um zehn Prozent zu steigern.

Bundesweit sind in der Pflege rund 900.000 Menschen in 11.600 stationären Pflegeeinrichtungen und etwa 12.000 ambulanten Diensten tätig, darunter etwa 200.000 Altenpflegerinnen und Altenpfleger. In Bremen arbeiten rund 2.400 Altenpflegefachkräfte, bis 2025 werden mindestens 700 zusätzlich benötigt.