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Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration

Über 2100 zusätzliche Betreuungsplätze bis 2019 erforderlich

Senatorin Stahmann erläutert Konzept zum weiteren Kita-Ausbau

08.12.2014

"In den Ausbau der Kindertagesbetreuung müssen wir in den kommenden Jahren erhebliche Energien stecken. Bei steigenden Kinderzahlen wollen wir mittelfristig die Betreuungsquote für Kinder spürbar anheben." Dazu seien bis zum Jahr 2019 rund 650 Plätze für Kinder unter drei Jahren erforderlich, und etwa 1.500 Plätze für Kinder über drei Jahren. Zudem müssten mehr als 400 zusätzliche Stellen für Fachkräfte in Kindergärten und Krippen geschaffen werden. Insgesamt würden die Kosten der Kinderbetreuung damit von derzeit knapp 150 Millionen Euro auf über 170 Millionen Euro im Jahr 2019 ansteigen. Mit diesen Daten erläutere Sozialsenatorin Anja Stahmann heute (Montag, 8. Dezember 2014) vor der SPD-Fraktion ihre Planungen zum Ausbau der Kindertagesbetreuung in Bremen bis zum Kindergartenjahr 2019/2020.

Allein fast 1.000 Plätze seien erforderlich, weil Bremen sich derzeit in der Phase eines kleinen "Babybooms“ befinde: Die Zahl der Kinder im Kindergartenalter (drittes Lebensjahr bis Schuleintritt) wird bis August 2019 um rund 1.000 auf dann über 14.000 steigen. "Schon bei der jetzigen Betreuungsquote von 94 Prozent brauchen wir daher 940 Plätze zusätzlich." Grund für die steigenden Geburtenzahlen ist die vergleichsweise große Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter. "Es sind die Kinder der Babyboomer, die jetzt wiederum Eltern werden." Weitere 550 Plätze werden erforderlich, weil die Betreuungsquote von Kindergartenkindern von 94 Prozent auf 98 Prozent angehoben werden und so die Bildungsbeteiligung vor allem unter armen Familien weiter gesteigert werden soll.

Die Betreuungsquote der Jüngeren solle von derzeit 45 auf dann 50 Prozent steigen. "Bei Einführung des Rechtsanspruchs auf Betreuung von Kindern unter drei Jahren zum August 2013 war bundesweit zunächst davon ausgegangen worden, dass eine Quote von 35 Prozent ausreichen würde", erinnerte Anja Stahmann. "Das ist von der Wirklichkeit längst überholt." Bei gleichbleibender Geburtenzahl – seien rund 650 weitere Plätze nötig, um eine 50-Prozent-Quote zu erreichen. Weitere Plätze könnten hinzukommen, wenn die Geburtenrate wie erwartet steigt, oder die Zuwanderung von Familien aus den Krisengebieten der Erde anhält.

"Wir müssen jetzt vordringlich Eltern erreichen, die ihre Kinder nicht unbedingt von sich aus in eine Einrichtung bringen“, sagte die Senatorin weiter. „Dazu muss es vor allem attraktive Angebote in ihrem Lebensumfeld geben. Nur so kann die Kita ihre Aufgabe erfüllen, sozialer Benachteiligung wirksam entgegenzutreten." Die größten Potenziale für eine höhere Bildungsbeteiligung in Krippe und Kindergarten sieht Senatorin Stahmann bei Kindern aus zugewanderten Familien. "Fast 16 Prozent nehmen auch im letzten Kindergartenjahr vor dem Schuleintritt keinen Betreuungsplatz in Anspruch", sagte Anja Stahmann. "Und das sind fast durchweg Familien, die in wirtschaftlicher Armut leben. Hier besteht eine der größten Herausforderungen für die Sozialpolitik, der wir uns in den kommenden Jahren dringend stellen müssen."

Auf Grundlage einer sehr detaillierten Analyse seien die Ausbaubedarfe und die Planungen jetzt für jeden Stadtteil in Bremen erarbeitet und Schritt für Schritt systematisch dargestellt werden. Dabei sei eine Vielzahl an Faktoren in die streng systematischen Berechnung eingeflossen: Geburtenzahlen, Sozialstruktur der Stadtteile, Zahl der berufstätigen Frauen im gebärfähigen Alter, die Bauplanung und die Zahl der bereits vorhandenen Betreuungsplätze. Eine entsprechende Vorlage mit 140 Seiten Umfang soll am Dienstag (9. Dezember) dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt werden und im Januar der Deputation für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen.

"Für den Ausbau werden wir in Zukunft auch mehr investieren müssen", sagte Anja Stahmann schließlich. "In den vergangenen Jahren haben wir fast jeden freien Raum in den Kitas für die Einrichtung neuer Gruppen genutzt, künftig müssen wir verstärkt Neubauten planen." Dazu seien Investitionen von rund 500.000 Euro pro Gruppe erforderlich. Eine Gruppe bietet Platz entweder für zehn Kinder unter drei Jahren oder für 20 Kinder im Kindergartenalter. Überdies müsse auch weiter in die bestehenden Kitas investiert werden. "Es wird Zeit, wieder Differenzierungsräume für die pädagogische Arbeit auszubauen, weitere Ruheräume für die Kinder und vielfach auch Besprechungsräume für Fachkräfte."