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Senatskanzlei

Vortrag zum 110. Geburtstag von Georg Ferdinand Duckwitz

29.09.2014
Bürgermeister Jens Böhrnsen mit dem Ehepaar Duckwitz und Dr. Konrad Elmshäuser, Leiter des Staatsarchivs Bremen, jpg, 67.8 KB
Bürgermeister Jens Böhrnsen mit dem Ehepaar Duckwitz und Dr. Konrad Elmshäuser, Leiter des Staatsarchivs Bremen

Mit einem Vortrag wurde in der Oberen Halle des Rathauses an einen bedeutenden Bremer Bürger erinnert. Zu Ehren von Georg Ferdinand Duckwitz und anlässlich seines 110. Geburtstages sprach sein dänischer Biograf, Prof. Hans Kirchhoff, zu seinem Lebensweg und seiner Wandlung vom überzeugten NSDAPler zum Regimegegner und Demokraten.

Georg Ferdinand Duckwitz wurde am 29.September 1904 in Bremen geboren und ist mit 68 Jahren am 16. Februar 1973 in Bremen gestorben.
Ende der 1920er war er in Bremen bei Kaffee Haag tätig, er wurde 1929 durch seinen Arbeitgeber nach Kopenhagen versetzt. Drei Jahre später trat er in die NSDAP ein und arbeitete kurz darauf im Außenpolitischen Amt in Berlin. Seinen Posten als Abteilungsleiter kündigte er im Sommer 1935, weil er sich selber nicht weiter mit den Zielen des Außenpolitischen Amtes identifizieren konnte. Er blieb aber Mitglied der NSDAP und rechtfertigte dies damit, dass er nicht unnötig provozieren wollte.
Ab 1939 arbeitete er als Sachverständiger für Schifffahrt an der Deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen.
Von dort aus spielte Duckwitz 1943 eine entscheidende Rolle bei der Rettung der dänischen Juden. Durch seine guten Kontakte zum deutschen Reichbevollmächtigten in Dänemark war er über eine geplante Juden-Razzia informiert worden. Er riskierte sein Leben, warnte die jüdische Bevölkerung und versuchte, sie mit schwedischen Visa zu versorgen. So konnten 7000 dänische Juden mit dem Schiff über Öresund nach Schweden fliehen und der Deportation und Ermordung durch die Nazis entgehen.
Sein Einsatz wurde nach dem Krieg besonders in Dänemark und Israel gewürdigt. Von 1955 bis 1958 war er deutscher Botschafter in Kopenhagen. Später arbeitete er als Staatssekretär bei Kanzler Willy Brandt, spielte eine bedeutende Rolle in der Ostpolitik.
Kirchhoff beschreibt Duckwitz als einen Mann mit außergewöhnlicher Persönlichkeit und vielseitiger Begabung, der die Fähigkeit besaß, Vertrauen zu schaffen und Lösungen zu entwickeln. Ein mutiger Mann mit politischem Gespür, Selbstsicherheit und Optimismus, der daran glaubte, dass er in Dänemark einen Auftrag zu erfüllen hatte und etwas wichtiges bewirken konnte.

Auch Staatsrätin Ulrike Hiller würdigte Duckwitz´ mutigen Einsatz:
"Gewiss war Georg Ferdinand Duckwitz nicht in allen Phasen seiner Vita ein Held ohne Fehl und Tadel, genauso gewiss war er aber in einer entscheidenden Phase seines Lebens ein Vorbild. Georg Ferdinand Duckwitz ist ein Beispiel dafür, dass das Handeln des Einzelnen den Unterschied machen kann, dass Menschen auch in Zeiten von Diktatur und Unfreiheit Handlungsspielräume wahrnehmen können."
Die Rolle von Duckwitz bei der Rettung der dänischen Juden ist auch heute noch von großem Interesse und Inhalt einer Publikation des Auswärtigen Amts, die Kirchhoff verfasst hat.
Die Publikation zu Duckwitz zum Download (pdf, 2.4 MB).