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Sonstige

Fumarsäure, Stammzellen und Hirnschrittmacher

NEURO 2014: Koryphäen berichten aus Forschung und Praxis

23.09.2014
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Es kann harmlos beginnen: Betroffene sehen auf einem Auge nicht mehr so gut, haben Probleme beim Gehen oder bei der Wahrnehmung von heiß und kalt. Dass sie an multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, damit rechnen wohl die wenigsten der häufig jungen 2.500 Menschen, die deutschlandweit jedes Jahr diese Diagnose erhalten. Die "Krankheit der tausend Gesichter" nennen Patienten und Mediziner die MS, bei der Entzündungen im Gehirn und Rückenmark die Nervenhüllen schädigen. Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, aber nicht heilen. Bis vor kurzem mussten die meisten der 130.000 Betroffenen ihre Medikamente spritzen, nun können sie auch mit Tabletten behandelt werden. Auf dem Kongress NEURO 2014, den die Messe Bremen am Samstag, 27. September erstmalig in Bremerhaven organisiert, spricht unter anderem Prof. Dr. Ralf Gold (Bochum) über neue Wirkstoffe bei der Behandlung von MS. Die Veranstaltung richtet sich an Betroffene und Fachleute, die sich hier über die aktuellsten Erkenntnisse zu Symptomen, Diagnose und Therapie von MS, Morbus Parkinson und diesmal auch des Restless-Legs-Syndroms (RLS) informieren und austauschen können. Gerade die Einbeziehung von Patienten, Ärzten, Pflegenden und Therapeuten stellt für Dr. Hermann Schulte-Sasse, Bremer Senator für Gesundheit, "einen wichtigen Schritt im Sinne eines umfassenden Ansatzes zur gemeinsamen Bewältigung von sehr belastenden Erkrankungen" dar.

NEURO 2014 ist die Nachfolgeveranstaltung des Bremerhavener Neurologietages, den seit 2004 regelmäßig 400 bis 500 Betroffene und Fachleute besuchten. Eine Besonderheit: Die Referenten halten jeden Vortrag doppelt. Sie berichten aus Forschung und Praxis sowohl auf Fachniveau als auch für Laien verständlich.

So auch Prof. Gold, der als einer der weltweit führenden MS-Forscher eine neue Therapie mitentwickelte, die Fumarsäure. Dieser Wirkstoff half bisher gegen Schuppenflechte, zeigt jedoch in den durchgeführten Studien hervorragende Ergebnisse in der Basistherapie der MS, erklärt Dr. Holger Honig (Bremerhaven), Mitglied des NEURO-Programmbeirats. "Denn es steigert die Lebensqualität, weil den Patienten mit Angst vor Spritzen nun eine Alternative in Tablettenform zur Verfügung steht, so Dr. Honig. Die Behandlung von Parkinson mit Tabletten ist dagegen schon länger möglich. "Doch nach der sogenannten ‚honeymoon-Phase‘, also den ersten Jahren der Erkrankung mit gutem Medikamenteneffekt, können Probleme auftreten, wie unwillkürliche und schmerzhafte Überbewegungen von Armen, Beinen und Kopf", erzählt der Experte. Abhilfe versprechen hier die Tiefe Hirnstimulation oder die Pumpentherapie. Prof. Dr. Lars Timmermann (Köln) wird auf der NEURO über Hirnschrittmacher sprechen, Tagungspräsident Prof. Dr. Per Odin über Behandlungsmethoden mit Wirkstoffpumpen, die die Patienten bei sich tragen.

Weitere Themen sind zum Beispiel die Palliativmedizin bei Parkinson und MS oder Impulskontrollstörungen wie Kauf- oder Esszwang bei Parkinson-Patienten.

Über neue Behandlungsmöglichkeiten und Therapieangebote informieren 26 Aussteller, wie Reha-Zentren, pharmazeutische Unternehmen; Hilfsmittelanbieter oder Patienteninitiativen. Vorgestellt wird hier auch der Fox Trail Finder, der in Deutschland seit Ende 2013 verfügbar ist. Das Online-Portal für klinische Parkinson-Studien vernetzt potenzielle Teilnehmer und Studienteams.

NEURO 2014 findet am Samstag, 27. September im Conference Center des Atlantic Hotel Sail City Bremerhaven von 9.30 Uhr bis 18 Uhr statt. Kooperationspartner sind die Patienteninitiative in der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Landesverband Bremen, sowie die Deutsche Parkinson Vereinigung. Teilnehmende Ärzte und Pflegende bekommen je sechs Fortbildungspunkte. Der Eintritt kostet für Betroffene 10 Euro, für Therapeuten und Pflegepersonal 15 Euro sowie für Ärzte 20 Euro.

Weitere Informationen und Anmeldung zum Kongress unter www.neuro2014.de.