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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport

Schule am Bokellandsweg steht für Flüchtlinge zur Verfügung

Familien sollen ab Mitte Oktober einziehen können

16.09.2014
In dem Schulgebäude am Bokellandsweg sollen übergangsweise Flüchtlinge untergebracht werden, jpg, 72.5 KB
In dem Schulgebäude am Bokellandsweg sollen übergangsweise Flüchtlinge untergebracht werden

Nachdem der Beirat Huchting am Montagabend (15. September 2014) einstimmig der Nutzung der Schule Bokellandsweg zur Unterbringung von 70 Flüchtlingen zugestimmt hat, konkretisieren sich jetzt die Planungen in der Sozialbehörde. "Ich bin froh und dankbar, dass wir den aufgegebenen Schulstandort für eine Übergangszeit von vier Monaten nutzen können", sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen. "Wir brauchen sehr dringend und sehr kurzfristig Räume, in denen wir die Flüchtlinge unterbringen und versorgen können." Auch wenn derzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung in Huckelriede niemand mehr in den Fluren schlafen müsse, bleibe die Lage angespannt. Notunterkünfte und Übergangswohnheime seien ausgelastet, für den September werde ein Zugang von über 200 Flüchtlingen erwartet. Die ehemalige Schule sei für die kurzfristige Unterbringung von Flüchtlingen unverzichtbar. Erst ab November erwartet die Senatorin eine allmähliche Entspannung der Lage, wenn nach und nach weitere Unterkünfte bezugsfertig würden.

Damit die Schule als Notunterkunft für Flüchtlinge bewohnbar wird, sollen im Rahmen der Sanierung zunächst Elektroarbeiten erledigt und Böden erneuert werden. Außerdem wird ein zweiter Fluchtweg installiert. Die Schlafräume werden im ersten und zweiten Obergeschoss eingerichtet. Die Sorge, die Räume der Schule könnten nach langjährigem Leerstand mit Schimmel belastet sein, hat sich bei der Begehung durch Baufachexperten nicht bestätigt. Den baulichen Zustand hatten sie als akzeptabel für eine vorübergehende Nutzung bezeichnet. Der Bauantrag ist gestellt, die ersten Vorarbeiten haben bereits begonnen. Auf Wunsch des Beirats soll zudem ein überdachter Gang die Sanitär- und Duschcontainer mit dem Schulgebäude verbinden, damit Familien mit Kindern nicht durch Schnee und Regen über den Hof müssten.

Die Betreuung der Flüchtlinge soll die AWO übernehmen, die seit Jahren auch die Unterkunft am Wardamm betreibt. Wie in anderen Einrichtungen auch, soll darüber hinaus ein Wachdienst nachts und an den Wochenenden vor Ort sein, so dass Flüchtlinge und Anwohner ständig einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin haben. "Das sind bewährte Standards, die wir in allen Einrichtungen haben", sagte Anja Stahmann.

Die Senatorin sichert zudem zu, dass der Sportbetrieb des TUS Huchting in der zur Schule gehörenden Turnhalle sowie der Betrieb der Bremer Tafel im Schulgebäude fortgeführt werden können. Weil Nebenräume der Halle für den Betrieb der Notunterkunft benötigt werden, wird allerdings der Verein einen Teil der Sportgeräte vorübergehend in einen Container auslagern.

"Hintergrund für die kurzfristig notwendige Einrichtung einer Notunterkunft ist der abermals hohe Zugang an Flüchtlingen. "Wir haben in diesem Jahr bis Mitte September fast 1.300 Flüchtlinge im Land Bremen aufgenommen", sagte Anja Stahmann, davon über 1.000 in der Stadt Bremen und mehr als 250 in Bremerhaven. "Bezogen auf die Gesamtbevölkerung unserer beiden Städte ist das wenig, aber für unser Unterbringungssystem ist es eine riesige Herausforderung." Rund 500 Flüchtlingen in der Stadt Bremen haben man in diesem Jahr eine eigene Wohnung vermitteln können, für die übrigen würden Plätze in Übergangswohnheimen und Notunterkünften benötigt.

Nach Angabe des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sind seit Anfang Januar fast 148.000 Flüchtlinge in die Bundesrepublik eingereist. Das sind 74 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres 2013. Eine Abnahme der Flüchtlingszahlen ist angesichts der globalen Krisen derzeit nicht absehbar. Bremen nimmt nach dem Königsteiner Schlüssel 0,93 Prozent aller Flüchtlinge in Deutschland auf. 80 Prozent bleiben in der Stadt Bremen, 20 Prozent werden in Bremerhaven betreut.

Foto: Bernd Schneider