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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

50 Jahre Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungs- und Familienberatung im Land Bremen

Senatorin Stahmann: "Nutzen Sie dieses Angebot, holen Sie sich Rat und Unterstützung"

25.11.2013

Wenn Familien Unterstützung im Umgang mit ihren Kindern brauchen, ist oft die Erziehungsberatung die erste Anlaufstelle. Vier von zehn Beratungsfällen im Bereich des Jugendamtes werden allein hier betreut. Vor 50 Jahren haben sich die Erziehungsberater in einer Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) zusammengeschlossen, um gemeinsam Qualitätsstandards sicherzustellen und ihre Erfahrungen auch an andere Berufsgruppen weiterzugeben, die mit den Familien arbeiten. "Jahr für Jahr nehmen viele tausend Familien diese professionelle Unterstützung zeitweise in Anspruch. Und sie tut ihnen gut", sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann. "Die Erziehungs- und Familienberatung kommt ins Spiel, wenn es um schwierige Erziehungsfragen geht, Trennung und Scheidung sowie Fragen der Entwicklung junger Menschen".

Alexander Korittko, Diplom-Sozialarbeiter und Mitbegründer des Zentrums für Psychotraumatologie und traumazentrierte Psychotherapie in Niedersachsen, sagte anlässlich der Jubiläumsveranstaltung der LAG in der Martin-Luther-Gemeinde in Findorff: "Familien haben weitaus häufiger, als man zunächst vermutet, mit traumatischem Stress umzugehen, der von außen auf sie einwirkt und belastet: Natur und Verkehrskatastrophen, schwere Erkrankungen, Unfälle, Überfälle, ein plötzlicher Tod, lebensbedrohliche Situationen eines Einzelnen und so weiter. In der Erziehungs- und Familienberatung kommt es dann darauf an, einen möglichst sanften Weg zu beschreiten, der zu einem emotionalen Auftauprozess aller Familienmitglieder und des gesamten Systems führt".

"Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen können Ursache und Folge von familiären Konflikten sein", sagte Anja Stahmann. Auch neurologische oder neuropsychologische Auffälligkeiten können die Erziehungskompetenz der Eltern in besonderem Maße herausfordern. So umfasst die Erziehungsberatung ein breites Spektrum: von Erziehungs- und Entwicklungsfragen über Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsdefiziten und Lernschwierigkeiten bis hin zu familiären Krisen, zeitweiliger Verlust der elterlichen Präsenz und Kompetenz in Verbindung mit komplexen sozialen Lebens- und Anforderungssituationen. So breit wie das fachliche Spektrum ist auch die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Sie haben Psychologie studiert, Pädagogik oder Sozialpädagogik und Sozialarbeit, oder sie sind ausgebildet in der Kinder- und Jugendpsychotherapie. Je nach Fachgebiet werden zudem weitere Spezialqualifikationen vorausgesetzt.

"Erziehungs- und Familienberatung wird in vielen Fällen vorbeugend tätig, noch bevor eine angespannte Familiensituation in eine Krise umschlägt", betonte Anja Stahmann und ermunterte Familien, sich frühzeitig und ohne Scham Unterstützung bei den Experten der Erziehungs- und Familienberatung zu holen. Die Beratung ist vertraulich und kostenfrei. Nutzen Sie das Angebot. Es richte sich nicht nur an Eltern oder Erziehungsberechtigte, sondern könne auch unmittelbar von Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen werden. Eltern sollen unterstützt werden, das Zusammenleben in der Familie zu gestalten, und familiäre Krisen zu bewältigen. Im Falle von Trennung und Scheidung werden Eltern bei der Entwicklung und Umsetzung eines einvernehmlichen Konzeptes beraten, das die Wahrnehmung der elterlichen Sorge sicherstellt und so das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt rückt. Alleinerziehenden Müttern und Vätern soll geholfen werden, ihre spezifische Lebenssituation zu bewältigen und Erziehungssicherheit zu entwickeln, die Ausübung des Umgangsrechts und die Gestaltung von Besuchskontakten angemessen vorzunehmen.

Übergreifendes Ziel von Erziehungs- und Familienberatung sei es, "die seelische Gesundheit junger Menschen so zu fördern, dass sie sich zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln können", sagte Anja Stahmann weiter. Dazu gehörten Schutz und Sicherheit, Bildung, Ausbildung, Arbeit, soziale Kontakte und Netzwerke, gesunde Selbstachtung, aktive Selbstbestimmung und Lebenskompetenzen, Eigenverantwortung, Krisen- und Konfliktbewältigung, Zufriedenheit, Kontinuität und Vertrauen in die eigene Entwicklung, Empathie und soziale Verantwortung.