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Sonstige

Gerhard Marcks Haus 11. März bis 10. Juni 2012 - Yuji Takeoka. Zum Nullpunkt der Bildhauerei

01.03.2012
Yuji Takeoka, International Art Magazines Rack, 1997, Papier, Acrylglas, Holz, lackiert, Metallplatte, beschichtet, jpg, 20.5 KB
Yuji Takeoka, International Art Magazines Rack, 1997, Papier, Acrylglas, Holz, lackiert, Metallplatte, beschichtet

Die Frage: "Gibt es einen Nullpunkt für die Bildhauerei?"– ähnlich wie eine leere Leinwand für die Malerei – beantwortet der Bildhauer Yuji Takeoka nicht mit einem leeren Raum, sondern mit seinen Sockelskulpturen. Die Ausstellung zeigt in fünf Räumen fünf markante Werkzyklen aus dem bisherigen Schaffen des Künstlers. Präsentiert werden insgesamt 28 Exponate, sowohl frühe Terrakotta- und Bronzearbeiten, lackierte Holzskulpturen aus den frühen 80er- Jahren, als auch neueste Skulpturen aus Plexiglas, Kunststein und vergoldetem Edelstahl.

Ist der Betrachter zumeist geneigt, all das, was ihm auf einem Sockel in Augenhöhe ausgestellt wird, als das eigentliche Kunstwerk zu betrachten, so erhebt Yuji Takeoka das museale Präsentationsmöbel zur autonomen Skulptur. Indem er Sockel in den Mittelpunkt stellt und selbst auf einer Plinthe platziert, thematisiert er die Konventionen, welche die Grenzen der Bildhauerei bestimmen.

Takeoka fasst den gesamten Raum als eine begehbare Skulptur auf, schafft eine Umgebung, bei der auch die Wände und die gesamten Proportionen des Raumes zu wichtigen Faktoren werden. Seine jüngste Arbeit „Site case I“, Plexiglas, ermöglicht sogar einen Einblick in das Innere des Gerhard-Marcks-Hauses. Damit thematisiert Takeoka nicht nur den Sockel oder die Museumsvitrine als Grenze und Präsentationsforum des Kunstwerks, sondern auch den Museumsraum als Ort der Kunstwelt. Dabei präsentiert er seine Sockel, Podeste, Vitrinen, Raumteiler und Wandstücke reduziert und streng, ausnahmslos aber „leer“. Diese besagte Leere ist nicht einfach die Abwesenheit von etwas oder das schlichte Gegenteil von Fülle. Dort, wo scheinbar „nichts“ ist – auf den Sockeln, in den Vitrinen und im Zwischenraum –, wird mit Absicht Raum freigehalten für „etwas“ – einer intensiven ästhetischen Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Konzept.

Bei Takeokas Werken ergänzen sich Sinnlichkeit und Perfektion hin zum Kontemplativen, nicht zuletzt durch den gezielten Einsatz besonderer Materialien und spezieller Bearbeitung der Oberflächen. Corian beispiels- weise, eine Art synthetischer Marmor, kann in verschiedenen Härtegraden geschliffen bzw. poliert werden. Mit dieser seidenmatten Oberfläche scheint es das Licht einige Millimeter tief zu absorbieren und erhält somit einen Glanz und eine Glätte, wie man sie nur von Spiegeln kennt.

Yuji Takeoka lebt seit 40 Jahren in Deutschland. Geboren in Kyoto (Japan), studierte er von 1968 bis 1972 an der dortigen Kyoto City University of Arts. Von 1973 bis 1979 schloss er an der renommierten Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf ein weiteres Studium an. Seitdem lebt er in Düsseldorf und leitet seit 1995 eine der Bildhauerklassen an der Bremer Hochschule für Künste. Seinen internatonalen Durchbruch erzielte er spätestens mit der Documenta IX in Kassel. Das Gerhard-Marcks-Haus widmet dem Künstler zu seinem 65. Geburtstag und seiner Emeritierung diese Ausstellung.

Parallel zeigt die Städtische Galerie Bremen unter dem Titel "strong through diversity – Blickpunkt Bildhauerei" (24. März bis 6. Mai) Arbeiten ehemaliger Schüler, auch die aktuell Studierenden sind mit der Ausstellung "Klasse Takeoka- einzelausstellungen", Schillerstraße 6, Nähe Finanzamt, vom 8. bis 25. März vertreten.
Für die großzügige Unterstützung von Ausstellung und Katalog danken wir der Bremer Landesbank und dem Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.

Kontakt:
Bettina Berg, Telefon: 0421/ 32 72 00 oder E-Mail: berg@marcks.de