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Der Senator für Inneres

Innensenator Ulrich Mäurer stellt Polizeiliche Kriminalstatistik 2020 vor:

Entwicklung stark von der Pandemie beeinflusst / Zunahme bei der häuslichen Gewalt / höchste Aufklärungsquote insgesamt seit 25 Jahren

17.03.2021

Innensenator Ulrich Mäurer, Polizeivizepräsident Dirk Fasse, der Direktor der Ortspolizeibehörde, Harry Götze sowie der Leiter des Landeskriminalamtes, Jürgen Osmers, haben heute (Mittwoch, 17. März 2021) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2020 vorgestellt.

Senator Mäurer stellt die Polizeilichen Kriminalstatistiken vor. (v.l.n.r.) Jürgen Osmers (Leiter des Landeskriminalamtes), Harry Götze (Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven), Ulrich Mäurer (Senator für Inneres) und Dirk Fasse (Polizeivizepräsident)
Senator Mäurer stellt die Polizeilichen Kriminalstatistiken vor. (v.l.n.r.) Jürgen Osmers (Leiter des Landeskriminalamtes), Harry Götze (Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven), Ulrich Mäurer (Senator für Inneres) und Dirk Fasse (Polizeivizepräsident)

"Die Corona-Pandemie hat die Welt und das Leben eines jeden Einzelnen massiv verändert, zugleich hat sie auch erhebliche Auswirkungen auf die Polizeiliche Kriminalstatistik", hebt Innensenator Mäurer zu Beginn hervor. Künftig werde es bei Vergleichen der unterschiedlichen Jahresstatistiken eine Zeitrechnung vor und nach Ausbruch der Pandemie geben müssen. So hätten beispielsweise die Straftaten mit dem Tatmittel Internet im Vergleich zum Vorjahr in der Stadt Bremen um 58,3 Prozent zugenommen. Der Anstieg sei wenig überraschend, da sich die Menschen aufgrund der massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens verstärkt im Internet aufgehalten hätten. "Dies machen sich natürlich auch die Täterinnen und Täter zunutze", so Mäurer.

Aufgrund der Lockdowns oder weil schlicht viele Beschäftige im Homeoffice arbeiteten, nahm entsprechend der Einbruchdiebstahl in "verwaiste" Werkstatt-, Büro- und Diensträume um 34,1 Prozent zu. Waren- und Warenkreditbetrug stieg um 57,2 Prozent an. Während es beim Subventionsbetrug in der PKS 2019 keinen einzigen Fall gab, verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2020 gleich 101 Fälle. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Betrügereien im Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen. Besonders bedrückend sei jedoch der Anstieg der häuslichen Gewalt um 15,8 Prozent, so Mäurer. "Dies ist nur das Hellfeld", gibt Bremens Innensenator zugleich zu bedenken. Ein vermutlich nicht geringer Teil der Vorfälle sei Außenstehenden verborgen geblieben, da Kitas und Schulen über Wochen geschlossen gewesen seien und sich die Opfer zudem aufgrund der Kontaktverbote schwieriger Unterstützung bei Freunden oder Verwandten hätten holen können. (Siehe dazu auch den Hinweis zu "häusliche Gewalt" am Ende der PM)

Die Corona-Pandemie schlägt jedoch auch positiv in der Statistik zu Buche: So ging die Zahl der Raubdelikte in Bremen um 15,6 Prozent zurück. Der Wohnungseinbruch sank um 20,7 Prozent und beim Taschendiebstahl war sogar ein Rückgang um 43,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Coronabedingt ging auch der Diebstahl in und aus Gaststätten, Kantinen, Hotels und Pensionen um 36,2 Prozent zurück.

Ein deutlicher Rückgang war bei den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen mit minus 19 Prozent festzustellen. Hier kam es zu 273 vollendeten Taten und 1.026 Versuchen (2019: 369 vollendete Taten und 1.234 Versuche). Die Zahl der gescheiterten Versuche steigt seit 2016 dank einer intensiven Aufklärungs- und Präventionsarbeit weiter kontinuierlich an und lag 2020 bei 79 Prozent.

Bei der Betäubungskriminalität sowie beim Waren- und Warenkreditbetrug kam es statistisch zu einem sprunghaften Anstieg. Ein Grund ist der sogenannte "Haldenabbau" in 2020 in diesen beiden Phänomenbereichen. Studierende der Hochschule für öffentliche Verwaltung hatten im Rahmen ihrer polizeilichen Ausbildung im Frühling 2020 mehrere Tausend Fälle dieser aus den Vorjahren stammenden Massendelikte bearbeitet. Mit Abgabe der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft erscheinen diese Fälle aus den Vorjahren nun in der aktuellen Kriminalstatistik und lassen die Zahlen damit ansteigen.

Die abschließende Bearbeitung der vielen Vorjahres-Fälle bei den Massendelikten spiegelt sich daher auch in der Darstellung der Gesamtkriminalität wider: Sie erhöhte sich im Vergleich zu 2019 leicht um 1.102 Fälle auf insgesamt 66.971 Fälle. Die Aufklärungsquote stieg, bezogen auf sämtliche Delikte, auf 51,7 Prozent in der Stadt Bremen und damit auf den höchsten Stand im 25-Jahresvergleich.

Bei den Tötungsdelikten gab es statistisch sowohl bei den vollendeten Mord- und Totschlagsdelikten (12 Fälle) als auch bei den Versuchen (35 Fälle) einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (2019: vier vollendete Delikte, 21 Versuche) Dies resultiert daraus, dass es den Ermittlerinnen und Ermittlern in 2020 gelang, eine hohe Anzahl von Fällen mit längerer Ermittlungsdauer (25) abzuschließen. Daraus ergibt sich eine Steigerung der Fallzahlen.

Im Phänomenbereich Vergewaltigung und sexuelle Nötigung/Übergriff stieg die Zahl der angezeigten Fälle von 102 auf 110 in 2020. Die Aufklärungsquote stieg dabei von 59,8 auf 70,9 Prozent.

Beim sexuellen Missbrauch von Kindern war ebenfalls ein Anstieg von 112 Fälle auf 122 Fälle festzustellen. Eine deutliche Steigerung gab es zudem im Deliktsbereich Kinderpornografie. Hier gab es mit 135 Verfahren 30 mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag bei 97 Prozent. Hauptursache für den Anstieg in diesem Deliktsfeld sind Hinweise durch die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC) auf Dateien mit kinderpornografischen Inhalten, die das Bundeskriminalamt erhält und an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden der Bundesländer weiterleitet.

Bei der einfachen Körperverletzung stieg die Zahl der Fälle um 195 auf insgesamt 3.950 an. Diese Zunahme steht damit im Zusammenhang, dass im Vergleich zum Vorjahr mehr Körperverletzungsdelikte im Kontext häuslicher Gewalt polizeilich bekannt wurden. Bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung gab es dagegen im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 99 Fälle. Die Aufklärungsquote blieb mit 78,4 Prozent nahezu gleich. Die Zahl der Gewaltdelikte, bei der in Bremen eine Stichwaffe als Tatmittel registriert wurde, ist seit einem Höchststand in 2015 rückläufig. Im Vergleich zu 2019 sind sie um 12 auf 229 Fälle gesunken. Seit 2020 werden als Stichwaffe Messer separat in der PKS erfasst und es wurden 215 Fälle verzeichnet. D.h. in 93 Prozent aller Fälle mit dem Tatmittel Stichwaffe handelte es sich um einen Messerangriff.

Die Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte hat mit einer Steigerung von 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erneut zugenommen. Mit 432 Delikten liegen die Fallzahlen im Betrachtungszeitraum 2014 - 2020 damit auf dem Höchststand. In den Deliktzahlen finden sich sowohl Widerstandshandlungen als auch tätliche Angriffe wieder. Beleidigungen werden darunter nicht erfasst.

Die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl in Bremen (bekannt gewordene Straftaten je 100.000 Einwohner) stieg von 11.569 in 2019 auf 11.800 in 2020 leicht an.

Die Kriminalitätshäufigkeitszahl fürs Land stieg bei 80.869 Fällen ebenfalls erneut leicht an (2.641Fälle mehr als im Vorjahr). Mit 51,5 Prozent konnte zugleich die höchste Aufklärungsquote im Betrachtungszeitraum seit 1996 erreicht werden.

Bremerhaven:

Mit 13.306 Straftaten überstieg die Zahl der Straftaten den Wert des Vorjahres um 10,7 Prozent (plus 1.286).

Die Häufigkeitszahl der Gesamtkriminalität (Straftaten pro 100.000 Einwohner) liegt mit 11.709 aktuell 11 Prozent über dem Wert des Vorjahres (plus 1.131). Der Anstieg bei der Gesamtkriminalität von über 1.200 Straftaten lässt sich im Wesentlichen auf steigende Fallzahlen in den Deliktsbereichen Diebstahl und Betrug zurückführen.

  • Beim Diebstahl ist ein Anstieg von 7,3 Prozent zu verzeichnen. Dieser Anstieg ergibt sich aus der Zunahme im Bereich des schweren Diebstahls, hier insbesondere dem Kellereinbruch, der auf 805 Taten in 2020 zugenommen hat.
  • Die Betrugsdelikte sind um 36,6 Prozent (von 1.328 auf 1.814) angestiegen.
  • In 2020 gab es 276 Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (SÄM-Delikte), wobei es in 80,8 Prozent dieser Fälle beim Versuch blieb.

Die Aufklärungsquote verringert sich auf 48,8 Prozent (49,6 Prozent in 2019) und liegt leicht über dem Niveau von 2018.

Die Fallzahlen im Wohnungseinbruch sind mit 252 Vorgängen auf einem historischen Tiefstand; die Aufklärungsquote konnte hier erhöht werden und erreicht mit 15,5 Prozent ein Niveau wie zuletzt vor 10 Jahren.

Erläuterung zur Erfassung von häuslicher Gewalt:

In den vergangenen Jahren wurde der Begriff "häusliche Gewalt" zumeist mit Partnerschaftsgewalt gleichgesetzt (analog zu entsprechenden Lagebildern des Bundeskriminalamtes). Dabei war es unerheblich, ob die Beteiligten verheiratet waren oder sich als Lebenspartner verstanden. Mit der Reform des Bremer Polizeigesetzes Ende vergangenen Jahres wurde der Begriff "häusliche Gewalt" konkretisiert: Darunter fällt jetzt nicht nur Gewalt zwischen früheren oder derzeitigen Lebens- bzw. Ehepartnern, sondern auch innerhalb einer Familie, wobei die betroffenen Angehörigen nicht in derselben Wohnung leben müssen. Damit werden unter dem Begriff "häusliche Gewalt" nun auch explizit Gewalthandlungen unter Geschwistern, von Eltern an Kindern oder unter anderen Familienangehörigen erfasst.

Damit die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren gewährleistet ist, wurde der Auswertung der Fälle der vergangenen zehn Jahre diese neue Beschreibung von häuslicher Gewalt zugrunde gelegt.

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Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin beim Senator für Inneres, Tel.: (0421) 361-9002, E-Mail: rose.gerdts-schiffler@Inneres.Bremen.de