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Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

UN-Dekade Biologische Vielfalt: Umweltsenatorin Schaefer übergibt Auszeichnung an Projekt zum Erhalt des Bremer Grünlands im Klimawandel

26.10.2020

Das Vorhaben "Kompensationsflächenmanagement im Klimawandel", kurz KommKlima, wird als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Würdigung hat Bremens Umwelt- und Klimaschutzsenatorin Dr. Maike Schaefer heute (26. Oktober 2020) anlässlich einer Sitzung mit bundesweiten Vertretern aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis des Naturschutzes vorgenommen. Die Auszeichnung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen.

Der Erhalt artenreicher Grünlandlebensräume ist seit Jahrzehnten Ziel von Naturschutzmaßnahmen in Bremen. Der Klimawandel gefährdet diesen Artenreichtum und stellt eine große Herausforderung für den Naturschutz dar. Im KommKlima-Projekt wurden daher in den letzten Jahren erfolgreich Anpassungsmaßnahmen an die erwarteten Klimaänderungen entwickelt und im Grünland vor Ort getestet. Dieses vorsorgende Engagement zum Erhalt des Artenreichtums wurde nun von einer Fachjury der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. "Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein deutliches Zeichen für das Engagement zur Erhaltung biologischer Vielfalt in Deutschland gesetzt. Das hat uns nachhaltig beeindruckt", so die UN-Dekade-Fachjury.

Das Vorhaben KommKlima konkretisiert die im Jahr 2018 verabschiedete "Klimaanpassungsstrategie Bremen.Bremerhaven." im Themenfeld Naturschutz und setzt die Ziele mit beispielhaften Maßnahmen im Feuchtgrünland um. Die Erkenntnisse sollen die bisherigen Erfolge im Grünlandschutz unter veränderten Klimabedingungen absichern. "Damit leistet das Vorhaben nicht nur in Bremen einen wichtigen Beitrag zum vorsorgenden Arten- und Biotopschutz im Klimawandel, sondern gibt bundesweit relevante Hinweise zur Gestaltung klima-resilienter Entwicklungsmaßnahmen im Naturschutz", würdigt Umwelt- und Klimaschutzsenatorin Dr. Maike Schaefer das Vorhaben.

Das Verbundvorhaben wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit insgesamt 2,5 Millionen Euro gefördert.

Die Hanseatische Naturentwicklung GmbH (h a n e g) koordiniert das Gesamtvorhaben und realisiert den Umsetzungsteil. Das Institut für Umweltplanung (IUP) der Leibniz Universität Hannover (LUH) führt die wissenschaftliche Begleitforschung durch. Kerstin Kunze, Projektleiterin der h a n e g, hat die Auszeichnungsurkunde mit dem "Vielfalts-Baum" stellvertretend für das gesamte Projektteam entgegengenommen: "Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung und wollen mit unseren Ergebnissen andere inspirieren, klimasichere Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt umzusetzen", so Kerstin Kunze.

Die h a n e g verantwortet als stadteigene Gesellschaft seit 1999 bremenweit die Entwicklung von mehr als 13.000 Hektar Naturschutzflächen. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind das Management und die Pflege von Kompensationsflächen öffentlicher und privater Kunden. "Das innovative Projekt gibt uns die Möglichkeit, die Kompensationsmaßnahmen in unserem Verantwortungsbereich vorsorgend auch unter veränderten klimatischen Bedingungen bestmöglich zu sichern", erklärte Petra Schäffer, Geschäftsführerin der h a n e g.

Wie es durch die gewählten Maßnahmen gelingen kann, die Resilienz der Lebensräume und Arten gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen, überprüft das IUP. Dazu werden ökologische Wirkungskontrollen durchgeführt und Möglichkeiten aufgezeigt, die Methoden und Instrumente des Naturschutzes sowie die Finanzierung der Flächenunterhaltung an die Bewältigung des Klimawandels anzupassen. Diese münden in Empfehlungen für die Planung, Festlegung und Sicherung zukünftiger Ausgleichsmaßnahmen.

Die Bremen umgebenden Feuchtwiesen sind einmaliger Lebensraum für zahlreiche bundes- und europaweit gefährdete und seltene Pflanzen und Tiere. Zunehmend warme, niederschlagsarme Frühjahre sowie heiße, trockene Sommer verbunden mit heftigerem Starkregen und milderen Wintern gefährden dieses sensible Ökosystem. Die Folgen sind für Tiere und Pflanzen und für den Menschen relevanter Ökosystemleistungen gravierend. Ausgetrocknete Kleingewässer fallen als Lebensraum für Amphibien aus. Wiesenvögel finden zur Brutzeit nicht mehr genug Nahrung. Die Regulationsfähigkeit der Flächen für das Lokalklima nimmt ab.

Wie lassen sich nun die Erfolgsaussichten von Naturschutzmaßnahmen unter den sich ändernden klimatischen Bedingungen verbessern? Um diese Frage zu beantworten, setzte das Projektteam verschiedene Anpassungsmaßnahmen im Gelände um, die die ökologischen Funktionen des Grünlandes auch bei zunehmend extremen Klimabedingungen bewahren sollen:

  • Flache Kleingewässer wurden bis zum oberflächennahen Flurwasserstand vertieft. Nun ganzjährig wasserführend, sollten sie geeignete Fortpflanzungs- und Nahrungshabitate für Amphibien und Wiesenvögel sein.
  • Ein neuer Grünlandpolder soll im Frühjahr ausreichende Bodenfeuchte zur Nahrungssuche der Wiesenvögel sichern. Zum Wasserrückhalt wurden dazu Gräben baulich vom übrigen Grabensystem abgedämmt. Ein Windschöpfwerk füllt den Wasserstand bis zur Geländeoberkante auf.
  • Zur Sicherung der erforderlichen Wasserstände in zwei Naturschutzpoldern wurden vorhandene Wasserbauwerke technisch umgerüstet. Die Steuerung der Bauwerke soll sich nun durch eine schnellere Zu- und Entwässerung flexibler an zukünftigen Extremwetterereignissen ausrichten können.
  • Zur Anpassung an zunehmend trockenere Klimaverhältnisse wurden Pflanzenarten des Grünlands mäßig feuchter Standorte in Probeflächen eingesät. Hier sollen sich magere Flachlandmähwiesen (FFH-LRT 6510) etablieren, wenn zunehmend feuchte Standorte verloren gehen.

"Mit der Entwicklung und Erprobung klimafester Naturschutzmaßnahmen im Grünland sowie risikoabhängiger Finanzierungsmodellen ist das Vorhaben ein echter Vorreiter", bewertet Prof. Dr. von Haaren, Vertreterin des IUP, das Projekt.

Ab sofort wird das Projekt auf der Webseite der UN-Dekade in Deutschland unter www.undekade-biologischevielfalt.devorgestellt.

Hintergrundinformation zur UN-Dekade Biologische Viefalt

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltige Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können.

Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreter/innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Die UN-Dekade Fachjury tagt zweimal im Jahr. Der Wettbewerb ist jetzt abgeschlossen, Informationen zur UN-Dekade finden Sie weiterhin online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt unter www.undekade-biologischevielfalt.de.

Der Begriff "biologische Vielfalt" umfasst die Vielzahl der Tier- und Pflanzenarten sowie die Vielfalt der Mikroorganismen und Pilze. Einbezogen wird auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, die sich bei Pflanzen in den verschiedenen Sorten wiederspiegelt und sich bei Tieren mit den Rassen verbindet. Aber auch die verschiedenen Lebensräume und komplexe ökologische Wechselwirkungen sind Teil der biologischen Vielfalt. Die Biodiversität ist Voraussetzung für das Funktionieren der Ökosysteme mit ihren verschiedenen Ökosystemleistungen.

Ansprechpartner des Projektteams

Kerstin Kunze, Projektleiterin
Hanseatische Naturentwicklung GmbH, Konsul-Smidt-Str. 8p, 28217 Bremen
Tel. 0421 27700-46, kunze@haneg.de, www.haneg.de

Prof. Dr. Christina von Haaren
Institut für Umweltplanung, Leibniz Universität Hannover
Herrenhäuser Straße 2, 30419 Hannover
Tel. 0511 762 2652; haaren@umwelt.uni-hannover.de, www.umwelt.uni-hannover.de

Ansprechpartner bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt:
Arno Todt (Projektleitung)
Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt
c/o nova-Institut GmbH
Industriestraße 300
Gebäude 611
50354 Hürth
Telefon: 02233-481463
geschaeftsstelle@undekade-biologischevielfalt.de

Weitere Infos zu dem Wettbewerb zur UN-Dekade unter:
www.undekade-biologischevielfalt.de