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Senatskanzlei

Bremer Senat trauert um Moritz Thape

Langjähriger Bildungssenator starb im Alter von 99 Jahren

10.11.2019
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Er war Senator und Bürgermeister. Jetzt ist Moritz Thape im Alter von 99 Jahren gestorben | Foto: Landesinstitut für Schule - Zentrum für Medien

Er galt als dienstältester sozialdemokratischer Kultusminister in der Bundesrepublik und gehörte dem Bremer Senat insgesamt 20 Jahre lang an. Am vergangenen Freitag (8. November 2019) starb Moritz Thape nach kurzer Krankheit im Alter von 99 Jahren. Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte zeigte sich betroffen: „Moritz Thape war eine herausragende Persönlichkeit. Er hat viel für unser Land geleistet und als Bildungs- und Wissenschaftssenator seine Überzeugungen genauso konsequent vertreten wie anschließend als Finanzsenator. Auch im hohen Alter hat er die aktuelle Politik begleitet, war ein stets gut informierter Gesprächspartner und im Rathaus ein gern gesehener Gast. Zuletzt Mitte September bei der Verabschiedung der ausgeschiedenen Senatsmitglieder. Ich habe Moritz Thape als Menschen und als überzeugten Sozialdemokraten außerordentlich geschätzt. Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.“

Moritz Thape war von 1965 bis 1975 Senator für Bildung, Wissenschaft und Kunst, von 1975 bis 1979 Senator für Bildung und von 1979 bis 1985 Senator für Finanzen und gleichzeitig stellvertretender Regierungschef Bremens. Moritz Thape bezog stets klar politisch Position. In seine Amtszeit als Kultussenator fielen die Gründung der Bremer Universität, die Stärkung der Gesamtschulen sowie die Einführung der schulischen Orientierungsstufe. Während dieser Periode wurde in Bremen Bildung zum Schwerpunkt der Politik. Thape war stolz darauf, dass er in hartnäckigen und zähen Verhandlungen durchgesetzt hatte, dass die Bildungspolitik immer mehr ins Zentrum des politischen Lebens rückte. Mit Erfolg hatte er sich für die Senkung der Klassenfrequenzen, die erhebliche Ausweitung der Investitionsmittel für den Schulbereich, den Ausbau des gymnasialen Bereichs, die Steigerung der Durchlässigkeit zwischen den Schulen und für neue Weiterbildungseinrichtungen eingesetzt.

Mit Blick auf die Universität sagte er stets: „Für die Bremer Universität habe ich so viel Prügel bekommen, dass ich mir ihre Gründung als Lob anrechne.“ Die Anstrengungen um die Gründung der Bremer Universität können zu Recht als fruchtbar angesehen werden, denn bereits im Oktober 2011 feierte die Universität ihr 40-jähriges Bestehen und würdigte Moritz Thape in einem Festakt mit der Ehrenbürgerschaft.

Unterstützt vom damaligen Bürgermeister Hans Koschnick schuf Thape mit Gradlinigkeit und großem Engagement die politischen und finanziellen Voraussetzungen für die Eröffnung der Universität. Als Wissenschaftssenator übernahm er politisch vor allem nach dem Austritt des damaligen Bündnispartners FDP aus der Koalition die Verantwortung für alle erforderlichen Aktivitäten zur Uni-Gründung. Bemerkenswert dabei war die Loyalität Thapes zur Universität, obwohl er kein überzeugter Anhänger aller Elemente der Gründungskonzeption und insbesondere der Berufungspolitik der Universität Bremen war. Dennoch hatte er das Bremer Modell mit vielen damals neuen Prinzipien stets öffentlich verteidigt. Seine Leistungen bestanden vor allem darin, die Gründung ungeachtet der großen politischen Kontroversen in Bremen politisch mit Erfolg durchgesetzt und schließlich den Bestand der Uni Bremen gesichert zu haben.

Insbesondere während seiner Zeit als Finanzsenator sicherte Moritz Thape nach dem Auslaufen der Mitfinanzierung der Uni durch fünf Bundesländer die Finanzierung der Universität aus bremischen Mitteln.

Im Gespräch: Moritz Thape und Willy Brandt | Foto: Landesinstitut für Schule - Zentrum für Medien , jpg, 112.8 KB
Im Gespräch: Moritz Thape und Willy Brandt | Foto: Landesinstitut für Schule - Zentrum für Medien

Moritz Thape wurde am 19. Februar 1920 In Zürich geboren. Nach dem Besuch von Volks- und Oberschule in Magdeburg sowie einer Maschinenschlosserlehre besuchte Thape die Staatliche Ingenieurschule bis er 1940 von der Gestapo verhaftet wurde und Studium-Verbot wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ erhielt, denn er hatte aus seiner Ablehnung des NS-Regimes keinen Hehl gemacht.

1948 geriet er als Journalist in Halle/Saale in Konflikt mit der sowjetischen Militärdiktatur; der drohenden Verhaftung entging er durch die eilige Flucht in die damalige britische Besatzungszone. Anschließend arbeitete er in Berlin und Hagen/Westfalen. Von 1955 bis 1965 leitete er als Chefredakteur die „Bremer Bürgerzeitung“. Von 1962 bis 1972 war Thape Landesvorsitzender der Bremer SPD. Moritz Thape verstand es, stets die innerparteilichen Wogen zu glätten. Er war fair und konsequent, sachlich, kritikfähig und verantwortungsbereit.

Nicht zuletzt deshalb übernahm Thape 1979 nach drängenden Diskussionen in den Entscheidungsgremien der Bremer SPD das Finanzressort. Ihm oblag die schwierige Aufgabe, mit einem umfassenden Spar- und Konsolidierungsprogramm die Konsequenzen aus der allgemeinen Wirtschaftsrezession zu ziehen, die Bremen wegen seiner großen Zahl an Problembranchen deutlich schwerer getroffen hatte als andere Regionen in der Bundesrepublik.

Als Moritz Thape in der Mitte der Legislaturperiode 1985 aus ganz persönlichen Gründen den Senat verließ, hatte er zuvor ein wichtiges Kapitel beim Bemühen um die Konsolidierung der bremischen Haushalte abgeschlossen: Bremen war aufgenommen worden in den Kreis der empfangsberechtigten Länder bei der Bundesergänzungszuweisung; kurz zuvor schon war Bremens besondere Lage anerkannt worden durch die Aufnahme in die regionale Wirtschaftsförderung.

Ansprechpartner für die Medien:
Christian Dohle, Sprecher des Senats, Mobil 01715443739, christian.dohle@sk.bremen.de