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Senatskanzlei

100 Jahre Volkshochschule Bremen – 100 Jahre Bildung für alle

Bürgermeister Bovenschulte: "Die VHS ist eine bildungspolitische Erfolgsgeschichte"

05.11.2019
Bürgermeister Bovenschulte:
Bürgermeister Bovenschulte: "Die VHS ist eine bildungspolitische Erfolgsgeschichte"

In der Oberen Halle des Rathauses feierten am 4. November 2019 rund 200 Gäste das 100-jährige Bestehen der Volkshochschule Bremen (VHS). Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte lobte die Arbeit der Bremer VHS als "bildungspolitische Erfolgsgeschichte", die eine sehr erfolgreiche Arbeit leiste. Er gratulierte: „Dank und Anerkennung allen, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zum Erfolg der Volkshochschule Bremen beigetragen haben und sicherlich auch in Zukunft weiterhin beitragen werden. Sie machen das umfangreiche und kundenorientierte Bildungsprogramm der VHS-Bremen erst möglich. Die VHS ist Impulsgeberin für Lernen und Weiterbildung dieser Stadt. Mit über 5.000 Angeboten im Jahr ist sie sogar die größte kommunale Weiterbildungseinrichtung Bremens. Vielen Dank für dieses Engagement und diesen Einsatz.“

Der Bürgermeister: „Es ist wichtig, dass Bildungseinrichtungen wie die Volkshochschule vor Ort in den Quartieren bei den Menschen sind. Dabei ist mir natürlich auch bewusst, dass strukturelle Sicherheit und politische Unterstützung für die weitere gute Entwicklung der VHS-Bremen wichtig sind. Unter Berücksichtigung der Haushaltslage ist der Senat immer bereit, Gespräche für Verbesserungen an der Bremer Volkshochschule zu führen. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei Frau Dr. Schoefer für die Geschäftsführung der Volkshochschule Bremen für ihre Arbeit unter den erschwerten haushaltspolitischen Rahmenbedingungen und das Verständnis für die Zwänge und Nöte bedanken.“

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280 Seiten geballtes Wissen für Bremen - Bürgermeister Bovenschulte und Direktorin Schoefer mit dem aktuellen VHS-Programm

Kritik und Geschichte
Dr. Sabina Schoefer, Direktorin der VHS-Bremen äußerte in ihrer Rede auch Kritik – "Die VHS darf von Politik und Regierung besser behandelt werden" – und lies die Geschichte ihrer Einrichtung Revue passieren: „Ein wichtiger Höhepunkt führt in das Jahr 2007. Die Bremer VHS durfte das Bamberger-Haus beziehen. Als einzige VHS der Großstädte in Deutschland hatte sie neben ihren Regionalstellen bis dato kein zentrales Veranstaltungszentrum. Es gab im Laufe der vielen Jahre durchaus Pläne und Entwürfe, zum Beispiel für den Teerhof, wo die VHS in einem wegweisenden Modell zusammen mit der Stadtbibliothek für die Bremerinnen und Bremer gedacht wurde. Daraus ist nichts geworden. Die Routine des Ringens um so ein eigenes Haus zwischen Regierung, Politik und VHS ging also weiter. Bis sie von Prof. Dr. Klaus Hübotter einfach unterbrochen worden ist. Er kämpfte um den Erhalt des Bamberger-Hauses als Denkmal für den aufrechten jüdischen Kaufmann Julius Bamberger und gegen das Vergessen, dass es Bremerinnen und Bremer waren, die diesen Menschen hintergangen und in die Flucht getrieben haben.“

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Ausstellung in der VHS-Zentrale - Titelseiten der Programmhefte zeigen den "Zeitgeschmack"

Die heutige VHS-Zentrale wurde einst vom Kaufmann Julius Bamberger als modernes Kaufhaus errichtet. Mit neun Stockwerken war es das erste Hochhaus der Stadt und besaß die erste automatische Rolltreppe. Doch die Geschichte von Julius Bamberger ist auch die Geschichte einer jüdischen Familie, die vom NS-Regime verfolgt wurde.
Aus Anlass des 100. VHS-Geburtstags kamen die Nachfahren von Julius Bamberger Jerzy Bamberger (ein Ur-Enkel von Julius Bamberger) mit seiner Frau Sonya Garzouzi aus Santa Rosa in Kalifornien und Erik Uriarte (ein Enkel von Anneliese Bamberger) aus Billings in Montana nach Bremen. Sie gratulierten Bremens größter kommunalen Weiterbildungseinrichtung persönlich zum Jubiläum. Möglich wurde dieser Besuch dank des Engagements des Filmemachers Eike Besuden und der beiden Bremer Ehrenbürger Uwe Hollweg und Klaus Hübotter – alle drei bekamen dafür tosenden Applaus.

Von Klischees und Werten
Schoefer setzte sich auch mit den heute immer noch gängigen Vorurteilen auseinander: "Über die VHS wird geredet. Beispielsweise tauchen die Klischees 'Töpfern in der Toskana', 'Makramee-Knüpf-Kurse' oder das 'Wollsockenimage' auf, obwohl es all das gar nicht gibt. Wir fragen uns oft, was dies eigentlich über die Personen aussagt, die solche Aussagen machen... Wir wissen es nicht." Und weiter: "Die Bremer VHS ist die einzige kommunale und größte Weiterbildungseinrichtung dieser Stadt, sie wirbt für Bremen Drittmittel ein, hält die Preise für’s Lernen in angemessenem Rahmen, erwirtschaftet Erlöse, stattet ihre Lernräume digital aus und ermöglicht damit zeitgemäßes lebenslanges Lernen in der gesamten Stadt. Wenn es sie nicht gäbe, dann verlöre die Stadt von heute aus betrachtet pro Jahr 8,5 Millionen Euro Drittmittel und ideell 55.000 Wissbegierige. In zehn Jahren wären das ungefähr 85 Millionen Euro und 550.000 lernende Menschen weniger. In 100 Jahren waren das fast 1 Milliarde Euro und 5.500 000 Lernende weniger. In Netzwerken geteiltes Wissen und Querverbindungen für die Gegenwart und die Zukunft dieser Stadt gingen verloren."

VHS-Leben: Sprachen, Integrationskurse, Bildungszeit... und einen Chor gibt es auch | Foto: VHS-Bremen Julia Kehr-Ritz, jpg, 74.7 KB
VHS-Leben: Sprachen, Integrationskurse, Bildungszeit... und einen Chor gibt es auch | Foto: VHS-Bremen Julia Kehr-Ritz

Die Festrede mit dem Titel „Volkshochschule und Demokratie - Rückblick und Ausblick nach den ersten 100 Jahren“ hielt Professorin Dr. Martha Friedenthal-Haase von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.Friedenthal-Haase: "Demokratie und VHS, das gehört zusammen." Der Künstler und Autor Sönke Busch rundete mit seinen "Gedanken zur Zukunft" den gelungenen Abend in der Oberen Halle ab.

Mehr Informationen zur aktuellen Arbeit und zur Geschichte der Bremer Volkshochschule auf https://www.vhs-bremen.de/index.php auf www.facebook.com/vhsbremen/ sowie bei Dennis Riekers, Persönlicher Referent der VHS-Direktion, Tel. (0421) 361-16807, E-Mail dennis.riekers@vhs-bremen.de

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Ansprechpartner für die Medien: Peter Lohmann, Senatspressestelle, Tel. (0421) 361-2193, E-Mail: peter.lohmann@sk.bremen.de