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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Frauen verdienen ein Fünftel weniger als Männer

Senatorin Stahmann: Familienarbeit steht Erwerbseinkommen entgegen

14.03.2019

21 Prozent – so groß ist der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in der Bundesrepublik im Jahr 2018. Seit dem Jahr 2006 hat er damit lediglich um zwei Prozentpunkte abgenommen. „Das ist eine sehr langsame und äußerst unbefriedigende Entwicklung“, sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport anlässlich des Equal Pay Day am 18. März 2019. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 17,09 Euro, der von Männern bei 21,60 Euro. „Frauen arbeiten häufiger in Berufen mit geringeren Löhnen und in Minijobs“, sagte Senatorin Stahmann zur Erklärung. „Außerdem kommen sie seltener in Führungspositionen.“

Für die spätere Altersversorgung sei besonders fatal, dass Frauen nicht nur zu niedrigeren Stundenlöhnen arbeiten, sondern mit 47 Prozent weit häufiger als Männer in Teilzeit. Grund sei meist die Familienarbeit, also im Wesentlichen die Betreuung von Kindern und die Pflege von Angehörigen. Von den Männern arbeiten lediglich neun Prozent in Teilzeit, aber nicht in erster Linie wegen familiärer Arbeiten, sondern wegen einer parallelen beruflichen Aus- oder Fortbildung.

„Die alten Rollenklischees sind längst nicht überwunden“, sagte Senatorin Stahmann. „Familienarbeit lastet nach wie vor auf den Schultern der Frauen.“ Sie fügte hinzu: „Es ist wunderbar, dass es Menschen gibt, die ihre eigenen finanziellen Interessen hintanstellen, um für Familie und Angehörige da zu sein. Aber es kann nicht angehen, dass es in so viel höherem Maße Frauen sind, die sich verantwortlich fühlen, während Männer sich so oft in die Büsche schlagen, indem sie Familienarbeit ihrer beruflichen Entwicklung unterordnen.“

Um den Gender-Pay-Gap langfristig zu überwinden, müsse Frauen der Zugang in besser bezahlte Berufe erleichtert werden, und Unternehmen müssten Frauen beim beruflichen Aufstieg stärker fördern, zum Beispiel beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Erziehungsphase, sagte Senatorin Stahmann. Außerdem müssten die Einkommen in den klassischen Frauenberufen steigen.

Senatorin Stahmann appellierte außerdem an Männer, es ihren Frauen gleich zu tun und sich stärker in der Familienarbeit zu engagieren. „Das mag mit Einbußen beim Einkommen einhergehen, aber für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist das eine Bereicherung.“ Männer könnten auf diese Weise ihr „soziales Kapital“ vermehren und so die Einbindung in ihr Umfeld stärken. „Nicht nur eine auskömmliche Rente gehört zu einer guten Alterssicherung, auch ein gut gepflegtes, lebendiges soziales Umfeld.“

Zum Equal Pay Day
Der Equal Pay Day ist der Tag für gleiche Bezahlung zwischen Frauen und Männern. Der 18. März markiert dabei symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen unentgeltlich arbeiten würden, wenn sie den gleichen Lohn wie Männer bekämen.